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Calw - Sind Altlasten auf Tälesbach-Deponie bedenklich?

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Zahlreiche Daten und Fakten zur geplanten Sanierung der Tälesbach-Deponie hat die Bürgerinitiative bereits zusammengetragen. Quelle: Unbekannt

Calw - Wie das Auffüllmaterial für die Sanierung der Tälesbach-Deponie am sinnvollsten und umweltverträglichsten herbeigeschafft werden kann, ist umstritten und wird derzeit heiß diskutiert; ebenso, ob es durch das Zuschütten mit Hunderttausenden Tonnen Erdaushub getan ist oder die Altlasten erst entsorgt werden müssen.

Angaben zu den Altablagerungen auf dem Deponiegelände, das von der Stadt Calw und der Deutschen Bahn aufgefüllt wurde, bekam zuletzt der Bau- und Umweltausschuss des Calwer Gemeinderats schwarz auf weiß zu sehen.

"Der Tälesbach fließt in unmittelbarer Nähe entlang der beiden Böschungsfüße zwischen den Altablagerungen hindurch. Ein Hangrutsch würde mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer Verunreinigung des Gewässers durch Abfallbestandteile führen. Bei früheren Untersuchungen wurden keine Grundwasserbelastungen festgestellt", heißt es in der Vorlage zur Sitzung des Ausschusses vom Dezember.

Für die geplante Herstellung der Erdstützkörper, die die beiden rund 40 Meter hohen Altablagerungen im Fuchsloch stabilisieren sollen, werde entsprechend der Verwaltungsvorschrift für die Verwertung von als Abfall eingestuftem Bodenmaterial vom 14. März 2007 grundsätzlich Material bis Qualität Z2 vorgeschlagen. Das Auffüllvolumen könne insgesamt bis zu 1,2 Millionen Kubikmeter betragen. Der Antransport erfolge über die Straße, ist in der Beratungsvorlage weiter zu lesen.

Was sich hinter der Klassifizierung "Z2" verbirgt, erläuterte Richard Dipper, Gemeinderat aus Althengstett, am Freitag während der Gründung der Bürgerinitiative zur umweltverträglichen Sanierung der Deponie im Andreähaus. Er habe über die Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Abfall (LAGA) herausgefunden, dass bei Z2-Material in einem Kubikmeter Material bis zu einem Kilogramm Blei, zehn Gramm Kadmium oder fünf Gramm Benzole enthalten sein dürfen.

Die LAGA ist ein Arbeitsgremium der Umweltministerkonferenz. Ihr Ziel ist die Sicherstellung eines möglichst ländereinheitlichen Vollzugs des Abfallrechts in Deutschland. "Wir werden uns wohl nicht gegen das Sanierungsprojekt stellen können, akzeptieren aber kein belastetes Material zur Auffüllung der Deponie", sagte Dipper. Das Landratsamt habe sich bereits dahingehend geäußert, dass die Stabilisierung mit Z2-Material vom Tisch sei, dies allerdings nicht offiziell getan.

Wie die Mitglieder der Initiative betonten, wollen sie nicht hinnehmen, dass die Stadt Calw auf Kosten der Umwelt und der vom Transport betroffenen Menschen in der Region satte Gewinne einfahre. Je belasteter das Auffüllmaterial sei, das für das Sanierungsprojekt angenommen werde, desto höher seien die Gewinne anzusiedeln, wurde bei der Gründungsversammlung argumentiert.

Großes Rätselraten herrscht nach wie vor darüber, welche Materialien die Bahn ab den 30er-Jahren bis 1975 in dem Seitental abgeladen hat. Deshalb fordert die Initiative, erst die Altlasten zu untersuchen und diese gegebenenfalls umweltgerecht zu entsorgen, bevor mit dem Stabilisieren der Anlage begonnen wird. Erst dann könne auch von einer Sanierung gesprochen werden.

Paul Staudenmaier aus Althengstett, der regelmäßig für den NaBu-Landesverband naturschutzrechtliche Stellungnahmen abgibt, verwies in der Versammlung darauf, dass es nach seinen Recherchen keinen Nachweis über die Deponiealtlasten der Deutschen Bahn gebe.

Bei früheren Mitarbeitern der Bahn sei aber sehr wohl bekannt gewesen, "dass die Deponie in Calw alles schluckt".

Calws Oberbürgermeister Manfred Dunst will das wichtige Großsanierungsprojekt, das in seinen Augen derzeit zu emotional und spekulativ diskutiert wird, mit der gegebenen Ernsthaftigkeit angehen. Weitere gutachterliche Aussagen müssten abgewartet werden, wie er gestern im Gespräch mit dieser Zeitung erklärte.

Derzeit läuft eine Untersuchung, die im Falle des Lastwagentransports die Kosten zum Ausbau der Gemeindeverbindungsstraße Fuchsklinge, der so genannten Waldstraße, und weitere Folgekosten berücksichtigt. Erst wenn die Ergebnisse vorliegen, soll das Thema dem Calwer Gemeinderat zur Beratung vorgelegt werden.

Von Marion Selent-Witowski

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