Sefora Nelson trat in der Martinskirche in einem weißen Outfit auf. Foto: Stöß Foto: Schwarzwälder Bote

Religion: Christliche Sängerin und Songwriterin tritt in Martinskirche auf / Publikum ist komplett in ihren Bann gezogen

Man mag charmant, zauberhaft, anmutig, stimmgewaltig, humorvoll, sympathisch sagen. Attribute gäbe es noch weitere. Alle können in einem einzigen Namen zusammengefasst werden: Sefora Nelson. Die gebürtige Freudenstädterin begeisterte ihr Publikum in der Stammheimer Martinskirche.

Calw-Stammheim. Nelson ist inzwischen auf überregionalen Bühnen zu Hause. Die Zuhörer im vollen Stammheimer Gotteshaus merkten: Hier ist ein Star. Ein Star ohne Allüren; einer zum Anfassen. Die Liedermacherin vieler Songs mit christlichem Inhalt, die Autorin eines Buches, diese grandiose Live-Musikerin, die Frau mit der traumhaften Stimme verzauberte ihr Publikum. Sehr viele Menschen gingen nach dem Konzert nahezu beseelt nach Hause.

Geladen hatte die Isaak-Stiftung unter der Ägide ihres Vorsitzenden Schorsch Mühlhäuser. Das Credo dieser Stiftung ist "Lass Deinen Isaak los – Besitz ist Gabe Gottes". Die Idee jedoch, die bald 40-jährige Sängerin – die "früher mit erstem Vornamen Barbara hieß" (Zitat Nelson) – nach Stammheim zu holen, wurde beim "Donnerstag-Morgen-Gebet" im Hause von Miriam und Christoph Schneider geboren, bei dem auch Mühlhäuser immer wieder dabei ist.

Nelson sang auf Deutsch, Italienisch, Französisch und Englisch. Mit den Besuchern kommunizierte sie bewusst schwäbisch. "Hier und heute gönn ich mir des; mer schwätzed schwäbisch mitoinanda; in Hannover kann ich das natürlich nicht tun".

Alle Liedinhalte der Theologin fußten auf einem christlichen Ursprung. Auf der Ukulele begleitete sie sich selbst in ihrer Version des "Vater-unser". Wenn Nelson am weißen Piano weich, fast schon zärtlich über die Tasten strich, stockte manchem Zuhörer nahezu der Atem. Man konnte des Öfteren meinen, eine Stecknadel fallen zu hören. Jeder Song ein Höhepunkt. Dazu die weiche Stimmfarbe, über mehrere Oktaven gesetzt. Auch die Töne in den oberen Regionen strömten klar und makellos in den Kirchenraum.

Nelson ist auch Stimm-Coach. Die Lieder waren von Harmonie geprägt, die zum Träumen anregten. Doch nicht nur dem Hörsinn wurde geschmeichelt. Auch war es die Künstlerin, die sich "extra für das Stammheimer Publikum schick gemacht hat". Sie betrat die Bühne in weiß gekleidet, inklusive passendem Hut. Dass sie unter der langen Schleppe "heimlich Jeans" trage, verriet sie unter dem Gelächter der vergnügten Zuhörer, da ansonsten "die Zeitung darüber schreibe". Bitteschön – Sefora Nelson!

Über sich selbst lachen zu können, Witzchen über das Zusammenleben mit dem Ehemann zu machen – vieles zeugte von feinsinnigem Humor. Sogar der Veranstaltungsort selbst bot einen ganz besonderen Augenschmaus. Die Nelson-eigene Lichttechnik tauchte das Stammheimer Kirchenschiff immer wieder in andere Lichtfarben.

CD verkauft, die es noch gar nicht gibt

Synchron zum Titel "Mehr als genug" sah man in Zeitlupe auf Leinwand einen mächtigen Weißkopf-Seeadler fliegen. Die Worte sickerten so geradezu in die Seele der Zuhörer. "So frei zu sein wie ein Vogel, der leicht durch die Wolken fliegt, er zieht unbeschwert seine Kreise ohne Rast und ohne Ziel. Oh, ich wünsche mir so sehr keine schweren Lasten mehr, doch ich weiß, deine Gnade ist mehr als genug, deine Gnade ist mehr, als ich brauch. Deine Gnade ist mehr als genug, jeden Morgen neu."

Eine Verbraucherinformation ist das letzte, was man bei solch einem Konzert erwarten dürfte. Doch Sefora Nelson mit viel Esprit und zartem Humor mochte man gerne, auch hier, einfach nur zuhören. So wurde sogar die Promotion zum hörens- und sehenswerten Programmpunkt. Sie versah die Präsentation ihrer vielen Sampler mit manchem Scherz. Gleichzeitig wurden die Cover der Platten, die von Mut, Hoffnung, Glück, dem Leben an sich und viel "Papa" handelten, auf der seitlichen Leinwand gezeigt. Das ihrer Mutter gewidmete Album pries sie in einer Kombination aus italienischen und schwäbischen Sprechblasen an. Liebeslieder finden sich auf ihrem orangenen Album, "weshalb ihr Mann bis zur Veröffentlichung desselben auf Liebesbekenntnisse warten musste". Auszüge aus ihrem "holzfarbenen" Album sang sie immer nur kurz an; sofort folgten ihr einige textsichere Fans im Publikum.

Nelson schaffte es sogar, eine CD zu verkaufen, die es noch gar nicht gibt. Jeder Käufer bekommt diese CD "Blau" im Spätsommer zugeschickt und hat zudem die Chance ein exklusives Wohnzimmerkonzert zu gewinnen.

Zum Schluss sang man gemeinsam die Silben "Meine Seele, sei ermutigt, in den Kämpfen dieser Zeit". Der Zugabensong "Home get Ready" war dann der perfekte ­Ohrwurm für den Nachhauseweg.

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