Manch ein Hästräger in der Fasnet trägt bei Umzügen auch heute noch einen Vogel mit sich herum. Foto: Stocker

Die erste Calwer Narrenzunft 04 erweckt eine Sage zum Leben. Mächte zeigen kein Einlenken.  

Kreis Calw - Im Rahmen unserer Leserreihe "Sagenhafte Heimat" erweckt Steffi Stocker im Namen der 1. Calwer Narrenzunft 04 eine Sage über einen Teufelspakt zum Leben, die sich zwischen Wimberg und Zavelstein abgespielt haben soll.

Die Waldwege zwischen dem Calwer Stadtgarten über den Wimberg bis nach Zavelstein führen Wanderer und Spaziergänger vorbei an vielen sagenhaften Orten. Neigt sich der Tag zur Nacht und verstummen die arbeitsreichen Geräusche, gewinnt ein unheimlich klingendes Rumpeln die Oberhand zwischen den Bäumen.

Dämon kommt zur Fasnet zum Vorschein

Wie ein entferntes Gewittergrollen hallt es dann in den alten Wäldern um das Zavelsteiner Brückle. Alteingesessene Einheimische berichten vom Zavelsteiner Schuster, der im Wald zwischen Wimberg und Zavelstein seine Buße übt, um endlich erlöst zu werden.

Denn vor Jahrhunderten hatte er seine Seele für Unsterblichkeit an teuflische Mächte verkauft. Im hohen Alter plagte ihn die Einsamkeit und Einsicht, egoistisch und falsch gehandelt zu haben, hatten sich doch Freunde abgewandt und waren, wie die Familie, längst verstorben. Darüber hinaus konnte er sich an nichts mehr erfreuen. So versuchte der Schuster, den Pakt aufzulösen. Doch die teuflischen Mächte zeigten kein Einlenken. Während er trübsinnig durch das Unterholz streifte, wurde ein guter Geist des Waldes dem alten Mann gewahr. Er erbarmte sich des Schusters und führte ihn an einen großen Felsen. "Diesen musst du so lange umherrollen, bis ein Vogel ihn im Schnabel davon tragen kann", trug der Waldgeist ihm auf. Das solle seine Buße sein und ein Zeichen, dass er es wert sei, erlöst zu werden. Noch heute hört man das Rollen des Felsens über dem Waldboden.

Vor sieben Jahren erweckte die 1. Calwer Narrenzunft 04 den Zavelsteiner Schuster zum Leben. Als Wald-Dämon, nach einer Idee von Lothar Hermann, kommt er jedes Jahr zur Fasnet aus dem Unterholz. Manch einer der schwäbisch-alemannischen Hästräger führt auf seinem Weg durch die Umzüge einen Vogel mit. Auf einem Holzstecken wartet er darauf, den abgenutzten Felsen als Steinchen hinfort tragen zu können.