Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Calw Salzmarsch: Widerstand ist friedlich

Von
Mathias Reiter trug an ausgewählten Orten – hier das Hesse-Museum – Texte vor. Foto: Evangelische Erwachsenenbildung

Calw - Mit weißen Schals und dem Aufdruck "Salzmarsch Calw 2014" machten sich mehr als 100 Personen zwei Stunden lang auf den Weg durch die Calwer Straßen.

Zuerst mussten sie allerdings im Hermann-Hesse-Museum ein Gelöbnis unterschreiben: "Wir üben keine Gewalt aus. Unser Widerstand ist friedlich – auch um den Preis des eigenen Lebens." Diese Erklärung hatte Mahatma Gandhi 1930 von den Menschen gefordert, die mit ihm 1930 zum legendären Salzmarsch in Indien an das Arabische Meer aufbrachen.

"Calw trifft Indien", war das Hermann-Gundert-Jahr 2014 überschrieben. Der ehemalige Reichtum Calws und die Unabhängigkeit Indiens sind eng mit dem Salzhandel verbunden. Für Reinhard Kafka von der Evangelischen Erwachsenenbildung nördlicher Schwarzwald, lag es daher nahe, im Rahmen des Kirchenbezirksfestes einen Salzmarsch zu organisieren. Schließlich stand das Fest unter dem Motto "Salz der Erde".

Mathias Reiter vom Stadttheater Pforzheim trug an ausgewählten Orten unter anderem Texte von indischen Philosophen, von Hermann Hesse und Friedrich Schiller zum Thema "Freiheit, Gerechtigkeit und "Eigensinn" vor. Sein Kollege Timo Beyerling inszenierte bewegende Szenen.

Als ein eingesperrter "Salzdieb" machte er die Anwesenden durch Schreie aus dem vergitterten Fenster des "Langen", dem ehemaligen Calwer Gefängnis, auf seine Situation aufmerksam. Als eine Teilnehmerin nach Rücksprache mit anderen ihm beherzt die verschlossene Türe öffnete, freute sich der Salzdieb zunächst über die gewonnene Freiheit, bat aber bald darum, wieder hinter Schloss und Riegel zu kommen. "Wie kommt Ihr nur mit der Freiheit zurecht. Ihr müsst doch alles selber entscheiden, für mich seid Ihr alle krank, wie schafft Ihr das nur? Sperrt mich wieder ein!" Die Teilnehmer entsprachen nach einigen Überlegungen seinem Wunsch.

"Ihr seid das Salz der Erde!" Nicht ohne Hintergedanken wurde in der Burgsteige ein Lied mit diesem Text vor dem Gebäude angestimmt, in dem im Jahr 2009 vier Menschen in einem Wohnheim der Erlacher Höhe den Tod fanden. Auf dem Hermann-Hesse-Platz zeichneten die Teilnehmenden Schmetterlinge und Blumen, um an Kinderarbeit in indischen Steinbrüchen zu erinnern.

Bei der Hesse-Figur auf der Nikolausbrücke wurde eine Passage aus einem Brief des Dichters gelesen: "Wer eigensinnig ist, gehorcht einem Gesetz, das nicht von Menschen gegeben ist, einem einzigen, unbedingt heiligen, dem Gesetz in sich selbst, dem ›Sinn‹ des ›Eigenen‹." Nachdenklichkeit über den eigenen Lebensweg, über seinen ganz persönlichen Umgang mit Freiheit war das Thema, mit dem die Teilnehmer sich immer wieder auseinandersetzen konnten. Sei es an einer Absperrung mit zwei Stoppschildern, die die Entscheidung verlangte, sich über Gesetze und Regeln hinwegzusetzen, oder der Blick in ein geheimnisvolles Kästchen, der das "Wertvollste enthielt, was jedem Menschen mitgegeben wurde". Man sah sich selbst in einem im Kasten verborgenen Spiegel.

Abgeschlossen wurde der Salzmarsch nach einer längeren Wegstrecke entlang der Nagold an der Unteren Brücke. Hier erinnerte Reinhard Kafka an den vor 200 Jahren geborene Indienmissionar Hermann Gundert. Sinngemäß hatte dieser in einer Andacht festgehalten: "Salz, das ist für sich allein wertlos. Salz ist nichts, was die Ach-so-Frommen für sich behalten können, die so zufrieden mit sich selbst sein wollen, so satt und reich. Es geht um mehr. Es geht darum, ein Salz zu bereiten, das die Fäulnis der Welt aufhält und bekämpft." Die Teilnehmer konnten am Ende aus einem vom Baubetriebshof der Stadt Calw zur Verfügung gestellten Salzvorrat Salz in Tontöpfe füllen. Die gefüllten Töpfe wurden einem anderen Teilnehmer mit dem Zuspruch überreicht "Du bist das Salz der Erde!" Begeistert und mit einer Fülle von Anregungen gingen die Teilnehmer anschließend zur Stadtkirche zurück.

"So etwas sollte jedes Jahr stattfinden!", meinte eine junge Frau.

 
 

Ihre Redaktion vor Ort Calw

Ralf Klormann

Fax: 07051 20077

Flirts & Singles

 
 
0

Kommentare

Artikel kommentieren

Kommentarregeln

Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben. Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt. Alternativ können Sie sich mit Ihrem Facebook-Account anmelden.

  1. Passwort vergessen?
Sie haben noch keinen Benutzer-Zugang? Jetzt registrieren!
  1. null

loading