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Virtueller Flashmob Sängerknaben leiden unter sinkenden Mitgliederzahlen

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Die Calwer Aurelius-Sängerknaben planen einen Flashmob – coronabedingt allerdings nur virtuell. Foto: Häusser

Die Corona-Maßnahmen treffen die Calwer Aurelius-Sängerknaben in einem besonders schweren Maße. Zusammen mit den Regensburger Domspatzen, dem Tölzer Knabenchor und vielen weiteren Chören starten sie deshalb einen virtuellen Flashmob - und hoffen so auf neue Mitglieder.

Calw - Die Knabenchöre in Deutschland, Österreich und der Schweiz haben schon seit Jahren mit sinkenden Zahlen zu kämpfen. Den Aurelius-Sängerknaben aus Calw geht es da nicht anders: 2010 hatten sie noch 210 Mitglieder, vor zwei Jahren sank die Zahl auf 158, inzwischen sind es nur noch 139. Nun droht, dass die Corona-Maßnahmen diesen Abwärtstrend beschleundigen – insbesondere weil der städtische Chor seit Beginn der Pandemie nicht mehr an Schulen werben darf.

Keine Werbung an Schulen

Mitsingen in einem Knabenchor können nur Jungs, die noch nicht im Stimmbruch sind. Jedes Jahr bricht den Chören somit ganz automatisch eine gewisse Anzahl an jungen Sängern weg, das Gewinnen von neuen Mitgliedern ist dadurch überlebenswichtig. Antje Häusser, Leiterin des künstlerischen Betriebsbüros der Aurelius-Sängerknaben, rechnet vor: "Man sollte pro Jahr 20 Neue gewinnen." Da die Aurelius-Sängerknaben in diesem Jahr bereits vor der Pandemie mit der Werbung an den Schulen begonnen hatte, traten immerhin 18 neue Sänger in den Chor ein. Nicht viel, aber ausreichend. Doch für das kommende Jahr sehen die Prognosen düster aus – nicht nur in Calw.

45 Knabenchöre aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben sich daher zusammengeschlossen und starten am heutigen Samstag um 11.55 Uhr einen virtuellen Flashmob. Die Botschaft auf der Online-Bühne lautet: Viva la musica! Was genau passieren wird, soll noch nicht verraten werden. Häusser sagt lediglich: "Da wir aktuell nicht auftreten können, auch Aufnahmen schwierig wären, greifen wir auf Archivaufnahmen zurück und werden bei der Aktion viral präsent sein – bei Youtube und auch bei Instagram sowie Facebook." Neben den Aurelius-Sängerknaben sind aus Baden-Württemberg die Freiburger Domsingknaben, der Knabenchor capella vocalis Reutlingen, der Knabenchor collegium ­iuvenum Stuttgart, die Stuttgarter Hymnus-Chorknaben und die Rottenburger Domsingknaben dabei.

Ursprung der Aktion: Bereits kurz nach den Sommerferien taten sich die Konzertmanager der Augsburger Domsingknaben, der Regensburger Domspatzen, des Tölzer Knabenchors und des Windsbacher Knabenchors zusammen, um sich gemeinsam für eine gezielte Nachwuchsfindung stark zu machen und riefen unter dem Motto "Viva la musica!" eine Nachwuchsoffensive, auf die nun der virtuelle Flashmob aufbaut.

Kein Auftritt in Semperoper

Für die 1983 gegründeten Aurelius-Sängerknaben bedeutet das auch: Internet statt Semperoper. Eigentlich hätte der Chor nämlich vergangene Woche einen Auftritt in dem weltberühmten Haus in Dresden gehabt. Coronabedingt hatten die Calwer Sänger eigens ein verkürztes Programm einstudiert, damit die Räume früher gelüftet werden können. "Wir probieren alles, was möglich ist", verdeutlicht Häusser. Durch den zweiten Lockdown musste der Auftritt in Dresden jedoch abgesagt werden.

Häusser hofft, dass diese Zeit bald vorbei ist und der virtuelle Flashmob dabei hilft, dass die Kurve bei den Aurelius-Sängerknaben bald wieder nach oben zeigt. Sie seien schließlich auch für die Stadt Calw ein wichtiges Aushängeschild: "Wir spielen in der 1. Liga und sind eine Marke, auf die die Stadt stolz sein kann. Wir tragen den Namen Calw in die Welt. Die Stadt Calw steht ja auch für Kultur – nicht nur literarisch", unterstreicht Häusser.

Weltlicher Chor

Die Aurelius-Sängerknaben wurden 1983 von Hans-Jörg Kalmbach gegründet und stehen seit 2008 unter der Leitung von Bernhard Kugler. Sie singen geistliche und weltliche Chormusik, sind jedoch eine eigene Abteilung der Musikschule Calw und damit ein weltlicher Chor. Namensgeber ist Aurelius von Riditio, ein früher Patron des Klosters Hirsau.nViele Proben Wer bei den Aurelius-Sängerknaben mitsingen will, muss Zeit mitbringen: Zweimal zwei Stunden pro Woche wird geprobt. Hinzu kommen 40 Minuten Einzelstimmbildung sowie spezielle Proben für die Solisten. "Aber wenn die Freude am Singen da ist, sind alle mit Begeisterung dabei", sagt Antje Häusser, Leiterin des künstlerischen Betriebsbüros der Aurelius-Sängerknaben.

 Mit Stimmbruch alles vorbei Spannend zu sehen sei es für Häusser, welchen Weg die Mitglieder während ihrer Zeit bei den Aurelius-Sängerknaben gehen: "Man weiß nie, wie sich das Talent mit der Persönlichkeit entwickelt. Nicht jeder will im Rampenlicht stehen." Vorbei ist in jedem Fall alles, sobald ein Mitglied in den Stimmbruch gekommen ist. Dann scheidet es aus dem Chor aus. Allerdings: Unmittelbar vor dem Stimmbruch sei laut Häusser der Klang der Stimme stets am besten und auf ihrem Höhepunkt.

Verhalten ändert sich

Mit sinkenden Mitgliederzahlen hatten die Aurelius-Sängerknaben schon vor den Corona-Maßnahmen zu kämpfen. Verantwortlich macht Häusser dafür ein verändertes Freizeitverhalten und die steigende schulische Belastung. "Es gibt viele Konkurrenzangebote", beschreibt Häusser, die aber auch eine gewisse Verhaltensänderung beobachtet: "In unserer Gesellschaft beißt man sich inzwischen nicht mehr unbedingt durch. Wir haben bei den Aurelius-Sängerknaben aber einen gewissen Anspruch."

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