Sie machten es möglich: Unter anderem die Feuerwehr trug Rollstuhlfahrer die Stufen zum Calwer Kino hinauf. Foto: Mehne

Wie barrierefrei ist Calw? OB Eggert sieht Verbesserungspotenzial in der Hesse-Stadt.

Calw - Den Alltag meistern, wenn man auf Rollator oder Rollstuhl angewiesen ist? In Calw gar nicht so einfach. Oberbürgermeister Ralf Eggert freut sich jedoch über Fortschritte.

50 Jahre Lebenshilfe Calw – Grund genug, darauf aufmerksam zu machen, dass man es als Rollstuhlfahrer nicht immer leicht hat. Der Calwer Ortsverein hatte dazu ins Kino Calw eingeladen. Durch die vielen Treppen zweifelsohne kein leichtes Unterfangen. Doch Alexander Faber, der Vorsitzende, konnte den Problemen Abhilfe schaffen.

Die Feuerwehr und zahlreiche freiwillige Helfer trugen die Rollstuhlfahrer die Treppen ins Kino hinauf, sodass auch diese in den Genuss der Sondervorstellungen kamen. Für die Kinder wurde "Pipi Langstrumpf" gezeigt und am Abend "Die Kunst sich die Schuhe zu binden".

Kostenlos Popcorn

Bei der Nachmittagsveranstaltung freuten sich zahlreiche Kinder über die Filmvorstellung. Insbesondere die Rollstuhlfahrer, für die sonst ein Kinobesuch kaum möglich ist, ein besonderer Tag.

Die Lebenshilfe hatte sich einiges einfallen lassen. Vor dem Kino waren Stände aufgebaut, an denen es kostenlos Essen und Trinken, natürlich auch Popcorn, gab. Zwischen den beiden Hauptfilmen wurde auch ein Film über die Lebenshilfe Calw gezeigt, für viele ein Höhepunkt, sich selbst sehen zu können.

Sinn der Aktion war es übrigens unter anderem, der Stadt Calw eine Botschaft zu senden und so gewissermaßen Barrierefreiheit einzufordern. Doch wie ist es derzeit um diese bestellt?

"Schritt für Schritt verbessern wir uns", erklärte Oberbürgermeister Ralf Eggert auf Anfrage unserer Zeitung. Ein großer Schritt werde das neue Rathaus darstellen, das künftig mit zwei Aufzügen ausgestattet die Erreichbarkeit der Stadtverwaltung gewährleisten soll. Doch auch in den umliegenden Ortschaften werde fleißig daran gearbeitet, die Bürgerbüros und Rathäuser rollstuhlgerecht zu gestalten. In Heumaden beispielsweise sei geplant, die Ortsverwaltung gerade aus Gründen der Barrierefreiheit in die neu entstehende Seniorenresidenz zu verlegen. Der Bau des Gebäudes hat am Wochenende mit dem Spatenstich begonnen. "Auf der To-Do Liste stehen noch Hirsau und Holzbronn", teilte der Schultes mit.

Die App "wheelmap", die anzeigt, welche Orte wie rollstuhlgerecht sind, wird in Kooperation zwischen der Stadt Calw und der Lebenshilfe ebenfalls Schritt für Schritt bewertet. Fehlerhafte Ortsangaben sollen korrigiert werden. Auch die umliegenden Ortschaften und vor allem die Schulen würden in den kommenden Wochen von der Lebenshilfe besucht und bewertet.

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