Für einen Erhalt des Calwer Reum-Werks sieht die Geschäftsführung nicht viele Chancen. Foto: Hölle

Calwer Reum-Werk zu wenig ausgelastet. Geschäftsführer Hundsdorf sieht wenig Chancen für Erhalt.

Calw - Der Beschluss, das Werk von Reum in Calw zu schließen, ist nicht auf die schlechte Arbeit der Beschäftigten zurückzuführen. "Die Mitarbeiter machen einen guten Job", betont Geschäftsführer Marc Hundsdorf im Gespräch mit unserer Zeitung.

Die Gründe seien viel mehr in operativen Problemen zu sehen, die sich unmittelbar nach der Übernahme durch den Finanzinvestor HTP ergeben hätten. Als Folge habe vor allem in den Jahren 2011 und 2012 die Qualität der Produkte gelitten. Dann seien die Aufträge ausgeblieben, so Hundsdorf weiter.

"Daran haben wir gearbeitet und mittlerweile in der Produktion wieder ein gutes Niveau erreicht", erläutert der Manager. Nur die Aufträge blieben weiter aus. Somit sei das Werk Calw schlecht ausgelastet. Die Automobilzulieferer seien einem knallharten Wettbewerb ausgesetzt. Eine konkurrenzfähige Produktion sei am Standort Deutschland nur bei voll ausgelasteten Kapazitäten möglich. Manche Produkte ließen sich hierzulande gar nicht mehr zu wettbewerbsfähigen Preisen herstellen, so Hundsdorf. So habe auch Reum mittlerweile ein Werk in Polen.

Gestern hat es das erste offizielle Gespräch zwischen Geschäftsleitung auf der einen sowie Betriebsrat und IG Metall auf der anderen Seite gegeben. Dabei geht es den Arbeitnehmervertretern um den Erhalt des Werks und damit der Arbeitsplätze, wie bei einer Kundgebung am Mittwoch von der Betriebsratsvorsitzenden Filomena Calmbach und IG-Metall-Bevollmächtigtem Reiner Neumeister gesagt wurde (wir berichteten). Zum Inhalt des Gesprächs wollte sich Hundsdorf nicht äußern.

Gleichwohl sieht der Manager für den Erhalt des Werks derzeit wenig Chancen. Schließlich gebe es einen Beschluss der Gesellschafterversammlung der Reum Kunststoff- und Metalltechnik GmbH, Hardheim (Neckar-Odenwald-Kreis), den Betrieb Ende des ersten Quartals 2015 zu schließen. Teile der Produktion vom derzeit offenbar gut ausgelasteten Hauptwerk in Hardheim nach Calw zu verlagern, sei nicht beliebig möglich, da es sich laut Hundsdorf um unterschiedliche Linien und Prozesse handelt. "Es gibt", so der Geschäftsführer, "keine sinnvollen Verlagerungen, um die Existenz des Calwer Werks langfristig zu sichern."

"Das ist ein harter Schritt", räumt Hundsdorf weiter ein und zeigt Verständnis für Wut und Enttäuschung der Mitarbeiter. Schließlich gehe es aber darum, die Existenz des Unternehmens zu sichern. Seit der Insolvenz des einstigen Familienunternehmens 2011 "befinden wir uns auf einem guten Weg", sagt der Manager. Dennoch bleibe noch viel zu tun.