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Calw Regen stört Mittelalterspektakel nicht

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Beim "Glanz der Ritterzeit" herrschte auch bei Regen gute Stimmung. Foto: Kunert

Calw-Hirsau - Das Wetter hätte besser sein können. Doch störten die launischen Wetterkapriolen die mehr als 350 Akteure des Hirsauer Mittelalterspektakels "Glanz der Ritterzeit" nicht. Denn die kamen vor allem, um ihr Hobby zu zelebrieren.

Schließlich fiel in die Spätzeit des Mittelalters der Beginn jene "Kleinen Eiszeit", die Mitteleuropa über mehrere hundert Jahre ständig solche Frühjahre und Sommer wie heuer bescherte. Da werden dann halt ein paar Lagen mehr Pelz und Brokat aufgelegt – zumindest bei den höheren Stände wie zum Beispiel Markt-Herold Reichsgraf Heinrich, Herzog zu Katzenellenbogen, Gesandter des Kaisers Friedrich.

Oder man wärmt sich von innen, wie die nicht nur stimmlich imposante Metusa-Sängerin Verena, die zum Konzertauftakt erst mal mit hochprozentigem "Aqua Ardens", dem brennenden Wasser, gurgeln musste, um ihre bis leicht angefrorene Stimme für das nass-kalte Klima freizusingen. Dabei handelte es sich Whisky der Marke Lagavulin, 16 Jahre alt. Rittersleut’ wissen halt zu leben.

Kein Wetter wie bei Rock am Ring

Die Formation Metusa stammt aus Gärtringen, umfasst sieben Akteure und fünf weitere neben und inter der Bühne. Die den Gästen an allen drei Festtagen mächtig einheizten mit ihrer Folk-Rock-Musik mit Punk-Einschlag auf mittelalterlichen Instrumenten (abgesehen von den E-Gitarren). Was ebenfalls eine richtige Strategie angesichts des miesen Wetters war. Wer wollte, konnte Headbangen und echte Festival-Atmosphäre aufkommen lassen. Den es gab ein "Rund-um-die-Uhr-Unterhaltungsprogramm". Mit nicht ganz so schlimmen Wetterverhältnissen wie bei Rock am Ring.

Sicher, es hätten mehr Besucher kommen können. "Aber da steckt man nicht drin", sagt Gerhard Weber für den Veranstalter, die Arbeitsgemeinschaft (Arge) der Hirsauer Vereine. Und man muss ihm recht geben, dass trotz aller widrigen Umstände der "Glanz der Ritterspiele" auch ohne "Sonnenglanz" eine gelungene Veranstaltung war. Denn die mittlerweile neunte Auflage dieses Mittelalterfestes kam mit neuem Konzept daher – und bot an historischer Stätte eine Zeitreise, wie sie nicht nur in Hirsau bisher ihresgleichen suchte: scheinbar jeder Winkel und jede geheimnisvolle Ecke des alten Klosters war mit Ständen, Lagern oder Aktionsflächen belegt. Vor allem für die Kinder gab es endlos viel zu sehen und noch mehr zu erleben – zu Preisen, die familientauglich waren.

Die meisten Akteure sind echte Experten

Lebendiger kann ein Museumsbesuch nicht werden. Zumal die meisten der 350 Akteure auch stets echte Experten ihres Themas sind. Beispiel: Rainer Gehring, der Mann mit dem historischen Nachbau einer fußbetriebenen Drechselbank und historisch-korrekten "Beryll" vor dem Auge – aus dem sich nicht das Wort "Brille" entwickelte. Seine sei "Marke Fielmann 1402" und entspräche historischen Vorlagen aus dem Anfang des 15. Jahrhunderts – exakt dem Jahr 1402 eben. Auch seine manuelle Drehbank sei nach Vorlagen aus mittelalterlichen Büchern und Zeichnungen entstanden, erzählt der Karlsruher Physiker.

Die Hirsauer Arge hatte dieses Mal kein Generalunternehmen für die Organisation der Veranstaltung engagiert, sondern alles in Eigenregie übernommen, und sich dabei von der "Fabula Corvinus" fachlich beraten lassen – hinter der der Nagold-/Haiterbacher Markus Katz mit seiner Lagergruppe "Nagoldtaler Haufen" steckt. Katz hat sein zehn Jahren "den Virus" – seit er und seine Familie zu einer mittelalterlichen Hochzeit eingeladen waren. Und sich dafür erste Kostüme kauften.

Mittlerweile ist Katz bestens vernetzt in der Szene. Und nutzte seine Kontakte, um so viele Akteure wie noch nie nach Hirsau zu holen – und mit der Arge zusammen eines der wohl größten Spektakel dieser Art im süddeutschen Raum zu realisieren. Dem für das nächste Mal in zwei Jahren besseres Wetter zu wünschen ist. Oder dem Wetter gegenüber robustere Besucher.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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