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Calw Psychiatrie-Ausbrecher zu Haft verurteilt

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Am Tübinger Landgericht fiel das Urteil gegen zwei Ausbrecher aus dem Zentrum für Psychiatrie. Foto: M. Bernklau

Tübingen/Calw-Hirsau - Sie galten dem Landgericht Tübingen dann wohl doch nur als Mitläufer. Zwei der vier Ausbrecher, die im April vorigen Jahres in Calw aus dem Klinikum Nordschwarzwald getürmt waren, sind zu relativ milden Haftstrafen von 14 und 15 Monaten verurteilt worden.

Weil Ausbruch an sich nicht strafbar ist, stellte sich der Großen Strafkammer die Frage, inwieweit und wie schwer sich die beiden bei der spektakulären Flucht aus dem Zentrum für Psychiatrie der Körperverletzung, des Raubes, der Nötigung oder Freiheitsberaubung schuldig gemacht hatten. Bis auf Details waren der knapp 37-jährige Badener und der 33 Jahre alte Tschetschene geständig. Sie hatten sich auch entschuldigt bei Pflegerin und Pfleger, die sie gemeinsam mit den zwei Rädelsführern in jener Nacht überrumpelt hatten.

Ausbrecher waren in der Überzahl

Dass das Quartett eine Überzahlsituation für die Fluchtpläne abgepasst hatte, stand für Staatsanwalt Simon Müller fest. Einen minderschweren Fall wollte er auch für dieses Duo nicht sehen, das bereits im Morgengrauen am Bahnhof Calw-Hirsau wieder gestellt und festgenommen wurde. Suchhundestaffel und Polizeihubschrauber hatten allerdings direkt nach dem Ausbruch keinen Erfolg gehabt. Der Ankläger beantragte Haftstrafen von anderthalb Jahren, bei dem (inzwischen zum dritten Mal ausgebrochenen) schwer drogenabhängigen Badener noch zwei Monate mehr.

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Der Tschetschene, dessen Frau mit zwei Kindern in Straßburg lebt, war zwar auch wegen Drogendelikten in Haft, nach Ansicht der psychiatrischen Gutachterin Dagmar Jourdan aber nicht abhängig. Beide Angeklagte waren ihr zufolge bei ihrem Ausbruch nicht beeinträchtigt durch Drogen oder akute Entzugserscheinungen. Bei dem russischen Staatsbürger hätte die verordnete Therapie länger gedauert als die absehbare Reststrafe. Bei dem Badener, der eine zwölfjährige Drogen- und Knastkarriere hinter sich hatte, waren "Freiheitsdrang und der Suchtdruck" die Motive für den Ausbruch. Dass sich der Badener beim Überrumpeln der 33-jährigen Pflegerin und ihres gleichaltrigen Kollegen weitgehend im Hintergrund gehalten hatte und nur die Vorhut war beim Öffnen der drei elektronisch verschlossenen Türen mit den entwendeten Chips, das ergaben die Zeugenaussagen. Auch die Telefone und die Schließchips wollten er und das gesamte Quartett nur zur Flucht nutzen, nicht dauerhaft rauben. Trotzdem galt er dem Gericht als Mittäter bei Nötigung, Freiheitsberaubung und Körperverletzung.

Pfleger mit dem Unterarm gewürgt

"Die Anwendung einfacher Gewalt", so die Urteilsbegründung, war Teil des Fluchtplans. Denn der Tschetschene etwa, so die Vorsitzende Richterin Manuela Haußmann, war den Pfleger, der sich während der rund zehn-, 15-minütigen Ausbruchsaktion zunächst noch wehrte, zur Bekräftigung der Forderungen massiv angegangen und hatte ihm den Unterarm würgend gegen den Hals gedrückt.

Für ihn bat seine Verteidigerin Swetlana Geist um Milde, zumal ihm die Fluchtpläne zuvor "nur mit Händen und Füßen" vermittelt worden waren. "Ich bitte um Verzeihung. Es war eine Dummheit", übersetzte die Dolmetscherin sein Schlusswort. Er akzeptiere seine Strafe, wolle aber sich so schnell wie möglich um Frau und Kinder in Frankreich kümmern.

24 Einträge ins Strafregister

Auch der andere Angeklagte bat in seinem letzten Wort um Milde und eine "letzte Chance" auf eine erfolgversprechende Therapie. Seine 24 Einträge ins Strafregister, alles Drogen- und Beschaffungsdelikte, waren zu Beginn des Prozesstags verlesen worden. Er sehe das "jetzt endlich" ein: "Ich bin jetzt wirklich müde geworden von dem ewigen Kreislauf." Seine resolute Verteidigerin Katrin Behringer hatte, trotz wenig hoffnungsvoller Prognose, genau auf diese letzte Chance hingewiesen und auf zehn Monate Gesamtstrafe im Anschluss an die noch zu verbüßende übrige Haft- oder Therapiezeit plädiert.

Auch weil beide Angeklagte überwiegend geständig und zwar vorbestraft waren, aber nicht für Taten der Art, wie sie angeklagt waren, blieb das Urteil für Körperverletzung, Nötigung und Freiheitsberaubung in einem Bereich, der sonst sogar noch zur Bewährung hätte ausgesetzt werden können: 14 Monate für den Tschetschenen, 15 Monate für den 37-Jährigen aus Baden. Die beiden Pfleger allerdings, so die Vorsitzende, hätten "durchaus zeitweise Todesangst ausstehen" müssen und seien bis heute belastet.

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