Natur: Verwaltung muss immer mehr Geld in Bewässerung investieren / Neues Verfahren ausprobiert
Wochen ohne nennenswerten Niederschlag und hohe Temperaturen sind für Bäume und Pflanzen strapaziös. Deshalb sind gerade in den Sommermonaten das Tiefbauamt der Stadt sowie der Baubetriebshof gefragt. Mehrmals wöchentlich rücken sie aus, um Pflanzen zu bewässern, oder – wie jüngst – neue Verfahren auszuprobieren, um Bäume am Leben zu erhalten.
Calw. Benni Sixt, Landschaftsgärtner, setzt das Gerät, das entfernt an einen Presslufthammer erinnert, auf dem Gras an. Er startet den Motor und nur wenige Sekunden später ist ein zirka 30 Zentimeter tiefes Loch im Boden entstanden, umgeben von einem Erdhäufchen. Das Ganze wiederholt er noch einige Male. So lange, bis etwa 30 Löcher auf der Wiese neben dem Pavillon an der Nagold zu sehen sind. Doch wozu das Ganze?
Die Löcher, erklärt Sixt, sollen der auf der gegenüberliegenden Seite des Weges stehenden Eiche helfen, Nährstoffe und Wasser besser aufzunehmen. Genauer gesagt die Pflanzenkohle, mit der die entstandenen Erdlöcher aufgefüllt werden.
Diese könne nämlich, führt Sixt weiter aus, das Vielfache ihres eigenen Gewichts an Wasser binden – weit mehr als "normale" Erde. Wenn es also regnet, speichert die Pflanzenkohle die Flüssigkeit und kann sie dann an den Baum abgeben, wenn er sie braucht. Selbiges gelte auch für Nährstoffe. Und: Die Pflanzenkohle sorge für eine bessere Belüftung des Bodens. Geht es dem Baum besser, hat das auch Vorteile für die Menschen, wie der Landschaftsgärtner erläutert. Dann nämlich pumpt er mehr CO2 in den Boden, wo es gespeichert wird.
Erhalt wichtig
Gerade in den vergangenen Jahren, in denen es oft wochenlang nicht regnete, dann aber gleich extrem stark, haben die Bäume jedoch gelitten, sind sich Sixt und Jürgen Vogel vom Tiefbauamt der Stadt Calw, beiden einig. Treffe Starkregen auf ausgetrockneten Boden, fließe er sofort ab und komme nicht da an, wo er soll, meint Sixt. Das ist der Zeitpunkt, wo im besten Fall die Pflanzenkohle zum Einsatz kommt und zumindest etwas Wasser aufnimmt. Um das zu gewährleisten, werden die Löcher nicht direkt unterhalb des Blätterdachs des jeweiligen Baums gegraben, sondern ein Stück weiter weg, da wo der Experte die Wurzeln vermutet. "Dort ist die Hauptnährstoffaufnahme", sagt Sixt.
Die Eiche bei dem Pavillon vis-à-vis der Lederstraße sei um die 150 Jahre alt, schätzt Vogel. "Ein stadtbildprägender Baum", betont er, von denen es heute nicht mehr viele gebe. Umso mehr liege Vogel der Erhalt der Eiche am Herzen. "Er ist für das Stadtklima wichtig." Mit den Jahren sei die Eiche aber durch Baumaßnahmen in Mitleidenschaft gezogen worden, räumt er ein. Etliche Male schon habe man das Volumen des Baums reduzieren müssen, damit er vital bleibt. Mit der Pflanzenkohle-Aktion "wollen wir Schäden kompensieren und die Lebensbedingungen verbessern", meint Vogel.
In Zukunft, davon ist Sixt überzeugt, werde man immer mehr auf Hilfsmittel wie die Pflanzenkohle zurückgreifen müssen, um überhaupt noch einheimische Bäume in Innenstädten am Leben erhalten zu können. In Calw war es das erste Mal, dass man das Vorgehen mit der Pflanzenkohle probiert habe. Neben der Eiche wurde noch unter zwei weiteren Bäumen, einer Zeder am Brühl sowie einer Weide an der dortigen Brücke, das Material eingebracht. Jetzt wolle man erst einmal abwarten, ob es sich bewährt und dann gegebenenfalls noch weitere Bäume – zum Beispiel im Kurpark Hirsau – mit der Pflanzenkohle ausstatten, sagt Vogel.
Andere Pflanzenarten
Derweil wird auch für den Baubetriebshof die Pflege der städtischen Blumen, Pflanzen und Bäume immer aufwendiger. Und teurer. Mehrmals wöchentlich würden laut Vogel sämtliche städtischen Blumenkästen, bepflanzte Verkehrsinseln, einzelne Bäume und Rasenplätze bewässert. Zwar habe man Blumenkästen, die einen eingebauten Speicher haben, aber das genüge oftmals nicht. Auf den meisten bepflanzten Kreisverkehren finden sich Regenanlagen, die der Baubetriebshof nur noch aufdrehen müsse, erläutert Vogel. Zusammen mit Sportplätzen, die bei einer durchschnittlichen Fläche von 7000 Quadratmetern rund 20 Liter Wasser pro Quadratmeter bei jedem Gießgang schlucken, "kann man sich vorstellen, was da rausgeht", meint Vogel.
In den vergangenen Jahren seien die Bewässerungs-Kosten stark gestiegen. Das liege zum einen daran, dass man die Stadt mehr bepflanzt habe, zum anderen an der fortschreitenden Erwärmung und der Trockenheit. Langfristig, überlegt der Mitarbeiter des Tiefbauamts, müsse man vielleicht vermehrt auf andere Baum- und Pflanzenarten zurückgreifen, die weniger hitzeanfällig seien. Denn besser für die heimische Bepflanzung, werde das Klima aller Voraussicht nach nicht mehr.