Wer künftig im OB-Büro Platz nehmen wird, entscheidet sich am 13. Oktober. Foto: Rousek

OB-Wahl entscheidet sich erst am 13. Oktober. Nur 41,5 Prozent stimmen ab. Kopf-an-Kopf-Rennen?

Calw - Die Oberbürgermeisterwahl in Calw brachte keine Entscheidung. Und doch ist sie in diesen Tagen Stadtgespräch Nummer eins. Was viele umtreibt ist die niedrige Wahlbeteiligung.

Am Sonntag, 13. Oktober, werden die Calwer Bürger erneut an die Wahlurne gebeten. Dann müssen sie noch einmal – und diesmal endgültig – entscheiden, wer in Zukunft das Stadtoberhaupt sein wird. Ob dann noch alle vier Bewerber zur Wahl stehen, ist nicht klar. Stand Sonntagabend bestätigten zumindest Kling und Hirsch, dass sie vorhaben, erneut anzutreten, während Kunzmann angab, noch eine Nacht darüber schlafen zu wollen. Kunzmann und Speitelsbach waren am Montag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Der 32-jährige Kling geht bestens gelaunt ans Telefon. Er hatte im ersten Wahlgang mit 44,4 Prozent die meisten Stimmen erhalten. Gefolgt von Kunzmann mit 32,2 Prozent, Hirsch mit 22,7 Prozent und Speitelsbach mit 0,6 Prozent der Stimmen. "Mir geht es hervorragend und ich mache auf jeden Fall weiter", betont Kling. Bis zur Neuwahl möchte er Hausbesuche machen, insbesondere dort, wo die Wahlbeteiligung niedrig war. Zudem plant er für Mittwoch, 9. Oktober, ein Bürgergespräch in der Tanzschule Danekdance. Um auch die Jugendlichen anzusprechen, möchte Kling Schüler zu "Pizza & Politics" einladen – Gesprächen in der Mittagspause.

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Hirsch bestätigt ebenfalls, dass sie weiter machen wird. "Es war ein fairer und engagierter Wahlkampf", meint sie. Entsprechend möchte sie ihren Werten treu bleiben und den Weg mit ihrer Familie und den Wählern gemeinsam weitergehen. In der zweiten Runde des Wahlkampfs hat sie vor, auch die Nichtwähler anzusprechen, die Menschen in den Ortsteilen zu besuchen und auch bei Einzelhändlern und Firmen vorbeizuschauen, die sie bisher noch nicht aufgesucht hatte. "Da freue ich mich drauf."

Direktes Umfeld

Apropos Wahlbeteiligung: Nur 41,5 Prozent der Wahlberechtigten hatten überhaupt ein Kreuzchen auf dem Wahlschein gemacht. Nicht einmal die Hälfte all derjenigen, die eine Stimme hätten abgeben dürfen. Das treibt auch die Fraktionsvorsitzenden aus dem Gemeinderat um.

Jürgen Ott (Gemeinsam für Calw) zeigt sich darüber überrascht. "Zumal nach den sehr gut besuchten Wahlkampfveranstaltungen anderes zu erwarten gewesen wäre", äußert er sich. "Wir sollten alle, die Kandidaten, die kommunalpolitischen Akteure und die Presse dafür werben, dass in zwei Wochen deutlich mehr Calwer ihr Kreuzchen machen."

Bernhard Plappert (CDU) sei ebenfalls enttäuscht über die geringe Anzahl an Wählern. Vor allem, weil "Kommunalpolitik für jede Bürgerin und jeden Bürger im direkten Umfeld spürbar ist und erlebt werden kann. Wir wünschen uns, dass der weitere Wahlkampf, noch zu einer Mobilisierung von Nicht-Wählern führt, um für den neuen OB auch eine breite demokratische Legitimation zu erreichen", unterstreicht Plappert.

Dieter Kömpf (Freie Wähler) meint ganz trocken: "Stell dir vor es ist Wahl und (fast) keiner geht hin." So könnte man die OB-Wahl seines Erachtens zusammenfassen. "Die mit 41 Prozenz sehr geringe Wahlbeteiligung macht mich sehr betroffen und lässt mich ratlos zurück", sagt Kömpf. Es sei für die Entwicklung der Stadt immens wichtig, wer sie in den kommenden acht Jahren führe – "und die Mehrheit der Bevölkerung scheint hiervon kaum Notiz zu nehmen. Wo ist die Stadtgesellschaft, die sich um ihr Calw kümmert?", fragt er sich.

Bürger noch zu unentschlossen?

Hermann Seyfried (Neue Liste Calw) vermutet als Grund für die mageren 41,5 Prozent die Unentschlossenheit einiger Bürger bezüglich der Kandidaten.

Evelin Menges (SPD) ist erschrocken über die geringe Wahlbeteiligung. "Man kann nur hoffen und wünschen, dass am 13. Oktober mehr Bürger zur Wahl gehen", sagt sie.

Nun aber zum Ergebnis der Wahl am Sonntag, 29. September. Wie schätzen die Fraktionsvorsitzenden die Zahlen ein?

"Das relativ ausgewogene Ergebnis zeigt mir, dass jeder der drei Bewerber bestimmte Teile der Bürgerschaft mit ihren Wahlkampfthemen überzeugen konnte", meint Ott. Ihm habe auch der faire Wahlkampf gefallen, "der zugleich von allen Dreien sehr engagiert, professionell und leidenschaftlich geführt wurde."

Kömpf räumt ein, dass das Ergebnis anders ausfiel, als er er prognostiziert hätte – vor allem in Hinblick auf das Abschneiden Kunzmanns. "Aufgrund seines beruflichen Werdegangs als erfahrener, ausgewiesener Verwaltungsfachmann hatte ich ihn gleichauf mit Herrn Kling erwartet."

Wenig überrascht ist Menges. "Drei gute Kandidaten sind für die OB-Wahl angetreten. Für uns war es klar, dass eine Entscheidung nicht beim ersten Mal fallen wird", betont sie. Wie auch immer diese dann aussehen wird, Plappert ist der Ansicht: "Wichtig ist uns als CDU-Fraktion, mit dem/der zukünftigen OB eine offene und zukunftsweisende Kommunalpolitik im aktiven und konstruktiven Dialog zu gestalten."

Die Neue Liste Calw bedankt sich bei allen Kandidaten, "die sich in den vergangenen Wochen in vielfältiger Art und Weise mit wichtigen kommunalpolitischen Themen auseinandergesetzt haben", meint der Fraktionsvorsitzende Seyfried. "Je näher die Wahl rückte, umso mehr zeichnete sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen ab." Obwohl alle Bewerber inhaltlich teils sehr unterschiedlich aufgestellt gewesen seien, habe jeder von ihnen mit guten Argumenten überzeugen, meint Seyfried. "Die Bürger dürfen sich nun auf zwei weitere interessante und spannende Wahlkampf-Wochen freuen."

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