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Calw OB-Wahl: Bewerber setzen Themen

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Die OB-Kandidaten Anabel Hirsch, Florian Kling, Gerd Kunzmann und Samuel Speitelsbach mit Amtsinhaber Ralf Eggert und Bezirksbeiratsvorsitzende Evelin Menges (von links) kurz vor Beginn der Veranstaltung in Heumaden. Foto: Kunert

Calw - Der Terminkalender wollte es, dass in Heumaden die erste von drei Bewerbervorstellungen zur anstehenden Oberbürgermeisterwahl in Calw stattfinden sollte. Ein spannender Abend. Der aber keinen eindeutigen Favoriten der anwesenden Wähler bestimmen sollte.

Für 200 Neugierige war die Alte Sporthalle in Heumaden bestuhlt – die ein bisschen mit technischen Schwierigkeiten (laut brummende Beleuchtung) zu kämpfen hatte; 100 weitere Plätze gab es in der benachbarten Mensa der Grund- und Werkrealschule – wo mittels einer Videoübertragung das Schaulaufen der vier OB-Kandidaten verfolgt werden konnte. Der Wahlleiter, Noch-OB Ralf Eggert, und Heumadens Bezirksbeiratsvorsitzende Evelin Menges übernahmen die Leitung der Veranstaltung – und die Überwachung des strengen Reglements: Je 15 Minuten Redezeit, genauso viel für Fragen der Bürger; während der die Konkurrenten den Saal zu verlassen hatten.

Unerwartet hoher Unterhaltungswert

Start – in der Reihenfolge, wie die Bewerbungen bei der Stadt eingetroffen sind: Dauer- und – man darf das wohl sagen – "Spaß"-Kandidat Samuel Speitelsbach. Der Beitrag des Abends mit dem – erwartet – höchsten Unterhaltungswert. Wobei man sich davor hüten sollte, diesen Kandidaten, wie es einige Zuhörer taten, als "komplett durchgeknallt" zu betrachten. Auch wenn der im Vorfeld der Veranstaltung sich selbst als "Rattenfänger" bezeichnende Speitelsbach den Erwartungen gerecht wurde und sein zum Teil recht bizarres Wahlprogramm für "die Gemeinde Calw" unter teilweise lauthalsem Gelächter des Publikums minutiös vortrug – eine gewisse Hintergründigkeit kann Speitelsbach nicht abgesprochen werden.

Stammheim ausgemeinden – weil Speitelsbach dort keine Unterstützer-Unterschiften erhalten hatte, wie der Kandidat auf Nachfrage erläuterte. Die Stadt in ein "symbiotisches Unternehmen" umzuwandeln, um "ordentlich Geld" für den Haushalt heranzuschäffeln – und für die eigentliche Arbeit die (verbliebenen) Ortsvorsteher mehr in Pflicht und Verantwortung zu nehmen (und diese dafür auch "ordentlich zu entlohnen"). Als Stadt-Unternehmen sich dann um "ökologische Schädlingsbekämpfung", den Betrieb eine eigene Krankenkasse und eine Partnervermittlung ("Eine ukrainische Frau bekommen Sie bei mir für 3000 Euro") zu kümmern. All das klingt schon ziemlich seltsam.

Allerdings: Die bis ins Abstruse überzeichneten Ideen Speitelsbachs enthüllen eine auch entlarvende Qualität, wenn anschließend die seriösen Kandidaten ’ ganz ähnliche Wahlversprechen zum Besten geben. Denn Calw "fit machen für die Zukunft", die "verborgenen Potentiale"“ heben – das wollen auch alle anderen; wie Speitelsbach. Vielleicht wurde das Gelächter im Saal deshalb schlagartig leiser, als Spaß-Kandidat Speitelsbach rhetorisch in die Runde fragte: "Sie denken vielleicht, ich sei verrückt...!?" Spätestens da wurde manchem bewusst: Dem "Narren" obliegt das Recht (und eigentlich auch die Pflicht), den wahrhaft Herrschenden ab und an den unangenehmen Spiegel vorzuhalten. Speitelsbach füllt diese Rolle bestens aus. Und bezeichnete (auf Nachfrage aus dem Publikum) Berichte als "Lüge", die ihn mit einer Verherrlichung rechtsradikalen Gedankenguts in Verbindung zu bringen versuchten.

Nach diesem Vortrag war es unerwartet schwer für Kandidatin Anabel Hirsch, die Alte Turnhalle für sich zu gewinnen – trotz akkurat ausgearbeiteter und vorgetragener Rede. Für sie – wie für die (in dieser Reihenfolge) noch nachfolgenden Kandidaten Gerd Kunzmann und Florian King – stehen neue Formen der Bürgerbeteiligung ganz oben auf der Agenda. Nicht gerade via kompletter Machtübertragung an die Bezirks-/Ortsvorsteher und Bezirks-/Ortschaftsräte. Aber mehr Bürgerentscheide (Hirsch) oder -umfragen mit Hilfe neuer, digitaler Instrumente (Kling) klingen irgendwie praktikabler – und günstiger. Wobei der Stadt-Haushalt unisono die nächste "große Baustelle" für die drei ernsthaften Bewerber ist: Unternehmensansiedlungen (speziell im Industriegebiet Lindenrain) sollen hier neue Steuerkraft bringen, wobei Remchingens aktueller Kämmerer und Wirtschaftsförderer Kunzmann aus seiner Erfahrung hier ziemlich konkret wurde: "mindestens eine bis drei Millionen Euro" mehr Gewerbesteuer aus Lindenrain-Ansiedlungen halte er für möglich – wenn eine "intelligente Ansiedlungspolitik" stattfände. Womit er sicher aus seiner Erfahrung etwas anderes meint als "Ungezieferbekämpfung" oder eine "symbiotisch organisierte Krankenkasse" in Stadteigentum.

Auch Calws große Sehnsucht nach einer "Innenstadtbelebung" haben Hirsch, Kunzmann und Kling längst aus ihren Gesprächen im Wahlkampf als "Muss" identifiziert. Auch hier wurde allein Kunzmann ("Entwicklung Nagoldufer zum Beispiel mit Stufen zum Wasser hin") etwas konkreter, wobei Kandidat Kling mit seinem Ansatz, hier Ideen der Bürger aktiv einsammeln zu wollen – und zum Beispiel auch die Ortsteile mit einer Belebung der Dorfmitten nicht zu vergessen – ebenfalls eigene Akzente setzen konnte.

Womit man bei Thema Nachhaltigkeit, Umwelt und Entwicklung des Nahverkehrs in Calw angekommen war – auch hier haben Hirsch, Kunzmann und Kling ihre Hausaufgaben gemacht.

Persönlichkeiten sind am unterschiedlichsten

Bleiben für wirkliche Unterschiede der Kandidaten am ehesten deren Persönlichkeiten übrig: Die engagierte Power­frau Hirsch – der vielleicht etwas spröde, aber ganz sicher versierte und erfahrene Verwaltungs- und Finanzfachmann Kunzmann ("Für Investitionen gibt es von der Landesbank auf 30 Jahre fest zinsfreie Kredite für Kommunen"), der aber seinen Vortrag wie Hirsch vom Manuskript vortrug – sowie der (dank freier Rede) ziemlich lebendig und unverbraucht-frisch wirkende Kling, der aus seinem aktuellem Job als IT-Berater (von Kommunen) viel Erfahrung aus der Umsetzung digitaler Projekte in der Verwaltung mitbringt. Gemessen am Applaus (der Heumadener) dürfte vielleicht Letzterer mit leichten Vorteilen aus diesem Abend hervorgegangen sein – vorbei sich da möglicherweise auch der Gesamtapplaus für den doch sehr unterhaltsamen Abend hineingemischt hatte.

Vielleicht als Nachtrag: Das Stichwort "Hallenbad für Calw" (Zwischenruf aus dem Publikum: "Hoffentlich kommt es nach Heumaden!") genoss an diesem Abend unabhängig voneinander ebenfalls eine auffällige Aufmerksamkeit bei den Kandidaten Kunzmann und Kling. Wie auch die "Baustelle" Gesundheits-Campus, mit dem beide Kandidaten – wahrscheinlich analog zu ihren Erfahrungen im Wahlkampf um den Oberbürgermeister-Posten – den Auftrag verbinden, um den Erhalt der aktuellen medizinischen Versorgungsqualität für Calw aktiv kämpfen zu wollen.

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