An der Basis des Tunnelsystem-Neubaus informierten die Projekt-Beteiligten über den Stand der Maßnahmen zum Schutz und zur Stärkung der Fledermaus-Populationen in den bestehenden Tunneln der Bahnstrecke (von links): Michael Stierle (Zweckverband HHB), Christian Dietz (Fledermausgutachter NABU), Renate Fischer (NABU Calw und Umgebung), Kai Kübler (Zweckverband HHB), Andreas Knörle (Infrastrukturdezernent im LRA Calw), Sven Belser (Baufirma Belser Bau GmbH) und Birgit Vetter (GÖG -Gruppe für ökologische Gutachten GmbH).Foto: Tröger Foto: Schwarzwälder Bote

Infrastruktur: Landkreis und NABU besichtigen die Schutzmaßnahmen bei Tunneln der Hesse-Bahn-Strecke

Über lange Zeit hielt das Thema Fledermäuse die Macher der Hermann-Hesse-Bahn in Atem. Dann fand man im Dialog mit dem NABU eine innovative Lösung für die geschützten Tiere. Jetzt schauten sich die Parteien mal an, wie denn die Lösungen für die Fledermäuse vorankommen.

Calw. Nach einem von Verkehrsminister Winfried Hermann initiierten Moderationsprozess kam im Juni 2019 ein öffentlich-rechtlicher Vertrag zwischen dem Zweckverband Hermann-Hesse-Bahn und dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) zustande, der im Zuge der Reaktivierung der Bahnverbindung von Calw nach Renningen die Anforderungen an den Natur- und Umweltschutz klar absteckt.

Partnerschaftliches Verhältnis mit NABU

Bei einem Vorort-Termin in der Nähe des Hirsauer Tunnels gaben Vertreter des Zweckverbands, des Landratsamtes Calw und des NABU einen Abriss über den zwei Jahre dauernden Moderationsprozess und stellten an der Baustelle für ein Fledermaus-Ausweichquartier die vereinbarte Lösung vor.

Die große Herausforderung war, den Ausbau klimafreundlicher Mobilität ohne Missachtung des Natur- und Artenschutzes zu realisieren. "Da hat auf unserer Seite eine Bewusstseinsbildung stattgefunden", gestand der Infrastrukturdezernent im Landratsamt, Andreas Knörle. "Wir haben einen Kompromiss mit einem ausgeklügelten Maßnahmenpaket gefunden und haben mittlerweile ein partnerschaftliches Verhältnis mit dem NABU." Dafür sei er dankbar, er habe persönlich viel gelernt in diesem Prozess.

Für den Erhalt der Fledermauspopulationen in den bestehenden Tunneln wird die Kammerlösung realisiert. In die Tunnel werden Trennwände eingezogen, die eine Nutzung der Tunnel durch die Bahn auf der einen Seite und durch die Fledermäuse auf der anderen Seite der Trennwand ermöglichen.

Als weitere populationsstützende Maßnahme werden am Hirsauer Tunnel und am Forsttunnel zusätzlich Ausweichquartiere in Form von kleineren Tunnelsystemen gebaut für die bis zu 16 gezählten Arten der nachtaktiven Tiere. Birgit Vetter von GÖG (Gruppe für ökologische Gutachten GmbH) erläuterte den Aufbau dieser Quartiere am Beispiel eines bereits im Rohbau fertiggestellten Tunnels.

Diese Tunnelsysteme bilden die unterschiedlichsten Anforderungen der kleinen Säugetiere an ihren Lebensraum und die dort herrschenden Mikro-Klimata nach.

Das System beim Hirsauer Tunnel wird aus zwei rund 25 Meter langen Doppeltunneln bestehen, die von der Basis etwa 30 Grad ansteigen. Im rechten Winkel dazu gehen an der Basis rechts und links zwei einzelne, ebenfalls geneigte Tunnel ab. Die Gefälle sorgen dafür, dass sich unterschiedliche Temperaturzonen und kleine Seen ausbilden können, wie Vetter darlegte. Nach Fertigstellung der neuen Quartiere werden diese mit Erde bedeckt.

Auf Wunsch des Forst wird die Oberfläche als eine "Waldheide" wieder hergestellt, eine Lichtung mit schattenrelevanten Gräsern. Von dem Tunnelsystem werden dann höchstens noch die Einflugschlitze für die Fledermäuse zu sehen sein. Ein ähnliches System aus zwei Doppeltunneln wird auch beim Forsttunnel entstehen.

Die Kosten belaufen sich laut Michael Stierle, Geschäftsführer des Zweckverbandes, auf circa 400 000 Euro netto für den Bau am Hirsauer Tunnel und auf circa 750 000 Euro netto am Forsttunnel. Das Vorhaben am Hirsauer Tunnel wird Endes des Jahres fertiggestellt sein, sagte Sven Belser von der ausführenden Baufirma Belser Bau GmbH. Der Baubeginn am Forsttunnel ist für März 2021 terminiert.

"Den Moderationsprozess will das Verkehrsministerium etablieren", führte Knörle noch aus. Landesweit stünden weitere 15 bis 20 ähnliche Bahnaktivierungsprozesse an, bei denen Konflikte vorprogrammiert seien. Deshalb will der Minister künftig solche Prozesse frühzeitig begleiten. Die Freude darüber, quasi als Pilotprojekt eine solche positive Entwicklung angestoßen zu haben, war Knörle beim Termin anzumerken.

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