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Calw Neue Buslinie in Heumaden: Das fordern die Gegner

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Die Diskussion um die Zukunft der Heumadener Buslinie 630 geht in die nächste Runde. (Symbolfoto) Foto: dusanpetkovic1 – stock.adobe.com

Calw-Heumaden - Wie geht es weiter mit der geplanten Streckenführung der Buslinie 630 durch Heumaden? Nun liegen alternative Vorschläge für künftigen Nahverkehr von einem der Gegner auf dem Tisch. Vor allem die Stadtverwaltung ist jedoch mehr als skeptisch – zumal die Ideen teils am Kern der vorliegenden Situation vorbeigehen.

Seit mehreren Jahren laufen die Arbeiten an einem Konzept, wie der Nahverkehr in Heumaden erweitert werden kann. Als Ergebnis zeichnete sich ein neuer Verlauf der Buslinie 630 über die Waldenserstraße und von dort in die Heinz-Schnaufer-Straße ab. Dieser Prozess mündete in ein wettbewerbliches Vergabeverfahren der Nahverkehrs-Leistungen; in der vergangenen Woche endete die Frist zur Angebotsabgabe.

"Derzeit werden die vorliegenden Angebote ausgewertet, geprüft und soweit notwendig noch aufgeklärt", berichtet Anja Reinhardt, Pressesprecherin des Landratsamtes Calw auf Anfrage unserer Zeitung. Am Ende stehe ein Betreiber fest, der die angefragten Leistungen zum angebotenen Preis übernimmt.

Viele Heumadener sind mit dieser Veränderung allerdings gar nicht glücklich. Sie fürchten unter anderem Lärm, Schmutz, den Wegfall von Parkplätzen sowie der Bushaltestelle Breslauer Straße und hinterfragen, ob überhaupt ein Bedarf bestehe. Laut Aussage von Thomas Schirle, einem der Gegner des Projekts, seien mittlerweile fast 1000 Unterschriften gegen die neue Linienführung zusammen gekommen. In einem Schreiben, das unserer Zeitung vorliegt und das sich unter anderem an Calws Oberbürgermeister Florian Kling und das Landratsamt richtet, unterbreitet er nun alternative Vorschläge – inwieweit diese jedoch in der gegenwärtigen Situation hilfreich sein könnten, daran hat die Stadtverwaltung so ihre Zweifel.

Haltestelle

So schlägt Schirle beispielsweise vor, statt der neuen Linienführung sowie der zwei geplanten neuen Haltestellen (eine bei der Sonnenresidenz, eine nahe des Friedhofs) einen Haltepunkt an der Y-Gabelung der Heinz-Schnaufer Straße zu schaffen, bevor diese in die Breite Heerstraße führt, um die Neubaugebiete anzubinden. Die Vorteile seien "geringe Kosten, sofortige Durchführbarkeit und volle Zustimmung der betroffenen Bürgerinnen und Bürger".

Eine solche neue Haltestelle, so hält Kling entgegen, habe jedoch noch niemand baulich oder straßenverkehrsrechtlich geprüft. Auch die Auswirkungen auf Fahrzeiten oder die Erschließung der Neubaugebiete seien unklar. Darüber hinaus biete "die sehr südlich gelegene Haltestelle keine Anbindung per ÖPNV an GWW, Welsches Häusle, Friedhof etc.", führt der OB aus.

E-Car-Sharing

Um ferner die Mobilität der Bewohner des Neubaugebiets zu verbessern, könne am Regenrückhaltebecken in der Heinz-Schnaufer-Straße (wo derzeit eine Bushaltestelle geplant ist) eine Elektro-Ladestation für zwei Fahrzeuge eingerichtet werden, schwebt Schirle vor. Die Autos wiederum könnten von jedem gebucht und genutzt werden, die Finanzierung sei durch Zuschüsse und einen Sponsor gesichert. Dadurch könnten Anwohnern auf einen Zweitwagen verzichten.

"Grundsätzlich befürworten wir eine breite und ganzflächige Abdeckung durch Car-Sharing-Stationen", meint Kling dazu. Allerdings werde dieses Angebot weder Menschen ohne Führerschein (unter anderem Kinder und Jugendliche) noch Senioren, die nicht mehr Auto fahren, gerecht.

Kleinbusse

Als weiteren Vorschlag bringt Schirle kleine, siebensitzige Elektro-Busse ins Spiel, die die "neue Schleife" abfahren könnten – und zwar durch alle Wohngebiete, die nicht innerhalb der 300-Meter-Linie von den bisherigen Haltestellen liegen. "Damit können auch die Wohngebiete oberhalb der katholischen Kirche angefahren werden", argumentiert er. Diese kleine "Zubringerlinie 630" würde beispielsweise jeweils vier Mal morgens, mittags, nachmittags und abends fahren (mit Endpunkt an der Haltestelle der geplanten Hesse-Bahn). Zudem gebe es keine Probleme mit zu engen Straßen.

In einem zweiten Schritt könne das Konzept quasi als "Rufbus", also Fahrten auf Bestellung, ausgebaut werden. Die Parkplatzproblematik an der Haltestelle Hesse-Bahn werde entschärft, Pendler könnten die Linie sowohl auf dem Hin- und Heimweg nutzen und müssten nicht am ZOB umsteigen. Solche Projekte würden vom Land Baden-Württemberg stark gefördert und der Landkreis bekomme ein ökologisches und zukunftsorientiertes "Leuchtturmprojekt".

Auch der Oberbürgermeister bezeichnete Mobilitätskonzepte dieser Art als interessant; grundsätzlich werde der Einsatz von Kleinbussen befürwortet. Solche Projekte könnten in Zukunft von der Stadt gemeinsam mit dem Landkreis entwickelt werden. Das große Aber: "Für die Ausschreibung der neuen Buslinie durch Heumaden ist dieser Zug abgefahren", erklärt Kling. "Eine Ausschreibung durch den Landkreis hat bereits stattgefunden. Rechtlich kann und darf diese Vergabe nicht rückgängig gemacht werden." Flexibel sei man lediglich darin, wie der neue Bus verkehre (beispielsweise hinsichtlich der Fahrzeiten und der Taktung).

Aufruf zum Dialog

Generell will die Stadt weiter auf Gespräche direkt mit den Betroffenen setzen, um Lösungen zu erarbeiten. "Wir haben den Beschwerdeführern eine öffentliche Bezirksbeiratssitzung zu diesem Thema vorgeschlagen und werden dort sowohl die bisherigen Pläne vorstellen als auch Kompromissvorschläge erarbeiten", bekräftigt der OB. Dies könne jedoch nicht von einem Tag auf den nächsten per Rundmail geschehen – "vor allem, weil die Planungen tiefer gehen und umfassender sind, als dass sie in wenigen Minuten komplett verworfen und neu geplant werden können", unterstreicht Kling. Das Landratsamt sei ebenfalls am Prozess beteiligt. Auch und vor allem vor diesen Hintergründen werde der vorliegende "voreilige Alternativentwurf" der jahrelangen Vorbereitung und Auseinandersetzung mit dem Thema nicht gerecht.

Konsequenzen

Fest steht nun auf jeden Fall, dass die Ausschreibung der Buslinien und deren Abschluss Tatsachen geschaffen haben. Was würde also geschehen, wenn plötzlich andere Leistungen gefordert würden, als jene, die in der Ausschreibung angefragt wurden? "Jede nachträgliche Änderung – unabhängig von der Qualität der Vorschläge – bringt Änderungsbedarf in den Fahrplänen mit sich, die gegebenenfalls jemand finanzieren muss", macht Landratsamtssprecherin Reinhardt deutlich.

Da man sich im Landratsamt derzeit auf das Vergabeverfahren konzentriere, seien die Gegner-Vorschläge noch nicht vertieft geprüft worden. Dennoch drängten sich schon jetzt "Fragen auf, beispielsweise wie die zusätzlichen Kleinbusse finanziert werden sollen", so Reinhardt. Klar sei: Der Landkreis als Aufgabenträger für den Nahverkehr werde nicht in die Finanzierung von Stadtverkehren und einer solchen innerörtlichen Erschließung einsteigen.

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