Wie hier in Calw gab es auch in Nagold und in Altensteig Kundgebungen der Gastronomen. Foto: Fritsch

Es war beachtlich, was der Dehoga-Kreisverband mit seiner Aktion "Vergissmeinnicht" am Samstag auf die Beine gestellt hat. Zu den Kundgebungen in Nagold, Altensteig und Calw hatte sich eine große Zahl von Bürgern eingefunden. Nahezu alle namhaften Betriebe aus Hotellerie und Gastronomie aus dem Landkreis waren vertreten.

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Calw/Nagold/Altensteig - "Wir sind keine Querdenker und keine Maskenverweigerer. Davon distanzierten wir uns." Gleich zu Beginn der Abschlusskundgebung in Calw fand Vorstandsmitglied Ricarda Becker deutliche Worte. Gleichwohl hatten Impfgegner versucht, im Windschatten der Veranstaltung auf sich aufmerksam zu machen. Sie blieben friedlich und waren schnell verschwunden.

Die fehlende Wertschätzung und das Vergessenwerden schmerzt die Branche. Deshalb auch der Name der Aktion. Darin sieht Dehoga-Kreisvorsitzender Rolf Berlin denn auch die Botschaft an die Politik, die von dieser Veranstaltung ausgehen soll.

Hotellerie und Gastronomie seien beim letzten Bund-Länder-Treffen schon gar nicht mehr erwähnt worden, sagte Klaus Mack, Vorsitzender des Regionalverbands Nordschwarzwald, Bürgermeister von Bad Wildbad und CDU-Kandidat bei der Bundestagswahl im September. Es bestehe die Gefahr, dass ein Stück Kultur verloren gehe.

"Ein Irrsinn"

Als "Irrsinn" bezeichnete es der Dehoga-Landesvorsitzende Fritz Engelhardt, dass Urlaub auf Mallorca erlaubt und im Schwarzwald verboten sei. Von der nächsten Bund-Länder-Runde erwarte er einen klaren Fahrplan, wie die Betriebe wieder geöffnet werden können.

Den Umsatzverlust bezifferte Engelhardt auf sieben Milliarden Euro. Allein in Baden-Württemberg hätten sich Hotels und Gaststätten mit zusätzlich 1,4 Milliarden Euro verschuldet. Eine Million Mitarbeiter seien in Kurzarbeit, 10.000 hätten ihre Stelle schon verloren. Neue Sonderopfer lehne der Dehoga ab. Man denke auch darüber nach, juristisch gegen die Corona-Maßnahmen vorzugehen. Mehr als 1000 offene Briefe aus den Betrieben werden der baden-württembergische Landesregierung überreicht.

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"Ich will versuchen, alles zu unternehmen, damit Sie wieder öffnen können", sagte Calws Oberbürgermeister Florian Kling. Zugleich sieht er wenig Sinn darin, einen Fahrplan zu entwerfen, da die dritte Pandemie-Welle gerade ins Rollen kommt und es an Impfstoff und Tests fehle.

Eine Art Spagat schwebt dem CDU-Landtagsabgeordneten Thomas Blenke vor: Zum einen zu versuchen, die Pandemie in den Griff zu bekommen, zum anderen den besonders stark betroffenen Wirtschaftszweigen eine Perspektive aufzuzeigen. Dabei könnten die Inzidenzwerte nicht der alleinige Maßstab sein. Es gelte ein transparentes Regelwerk zu entwerfen, wie schrittweise wieder geöffnet werden kann.

Patrick Rapp (CDU) und Erik Schweickert (FDP), jeweils tourismuspolitische Sprecher ihrer Fraktionen im baden-württembergischen Landtag, kritisierten den unklaren Kurs von Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Manfred Lucha (beide Grüne). Er sei unklar und weder sach- noch fachgerecht.

Als charmant und besonders bezeichnete die SPD-Vorsitzende Saskia Esken in einem von Ricarda Becker verlesenen Grußwort die Aktion. Angesichts der dritten Welle bittet die Abgeordnete für den Wahlkreis Calw/Freudenstadt um Geduld und Kraft in den nächsten Wochen.

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