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Calw Mut einiger Weniger zahlt sich aus

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Bei der Jubiläumsfeier der Lebenshilfe Calw standen Fröhlichkeit und kreative Darbietungen im Mittelpunkt. Hier wird die Jubiläumstorte angeschnitten. Foto: Bausch Foto: Schwarzwälder-Bote

Sie ist schon lange nicht mehr wegzudenken: Hervorgegangen aus einer der ersten deutschen Bürger- initiativen der Nachkriegsjahre, lud die Calwer Lebenshilfe am Samstag zu einem Festakt im Rahmen ihres 50-jährigen Bestehens ein.

Calw. Die Calwer Aula stand am Samstagabend ganz im Zeichen eines fröhlichen Jubiläumsfestes. Um dem Jubilar zu gratulieren und seine ungewöhnlichen Leistungen zu würdigen, hatten sich neben den vielen Menschen mit Handicap und ihren Angehörigen auch politische Prominenz und örtliche Honoratioren eingefunden.

Zitat von Steinmeier

"Lasst uns mutig sein" – dieses Zitat des künftigen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier stellte der Vorsitzende der Lebenshilfe Calw, Alexander Faber, in den Mittelpunkt seiner Ansprache. Dieses Motto sei auch das tragende Leitmotiv der betroffenen Eltern gewesen, die sich vor einem halben Jahrhundert zusammenschlossen, um gemeinsam dafür zu kämpfen, "dass Menschen mit einer Behinderung überhaupt in der Gesellschaft wahrgenommen werden".

In mühsamer Kleinarbeit wurde erreicht, dass behinderte Kinder überhaupt einen Kindergarten oder eine Schule besuchen durften. Zuvor galten sie nämlich als nicht bildungsfähig und wurden in Klassen der regulären Schulen als störend empfunden. So war es dann auch ein berührender Moment, als der gehandicapte Holzbronner Tobias Blaich stolz auf der Bühne erzählte: "Da hinten sitzt mein Lehrer Herr Harder. Bei ihm habe ich Lesen und Schreiben gelernt". Es war auch mit ein Erfolg der Lebenshilfe, dass allmählich Sonderkindergärten, Sonderschulen, beschützende Werkstätten und Wohnheime aufgebaut wurden.

Noch nicht am Ziel

"Schon nach den ersten Jahrzehnten war überdeutlich: Das Mutigsein einiger Weniger hatte sich für eine stetig wachsende Zahl von betroffenen Familien gelohnt", hob Faber hervor. Doch sei man bei Weitem noch lange nicht am Ziel. Obwohl das Wort Inklusion derzeit in aller Munde sei, seien Ausgrenzung und Diskriminierung noch alltäglich. "Wir sind weiterhin gefordert mutig zu sein", unterstrich Faber.

"Es ist normal, verschieden zu sein", griff Oberbürgermeister Ralf Eggert das Motto der Lebenshilfe auf und wünschte der sozialen Einrichtung "stets ein Haus voller Lebensfreude".

Modernes Märchen

Der Althengstetter Bürgermeister Clemens Götz, in dessen Gemeinde das Domizil des Vereins steht, berichtete von einem modernen Märchen und erinnerte an die vielen glücklichen Umstände, die den Ausbau des Lebenshilfebegegnungshauses in Neuhengstett vor wenigen Jahren erst ermöglichten.

Die Bundestagsabgeordnete Saskia Esken überbrachte die Glückwünsche von Ulla Schmidt, der Vorsitzenden der Lebenshilfe auf Bundesebene. Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel forderte, dass Deutschland als "das reichste Land in Europa" seinen Sozialbereich noch weiter ausbauen und weltweit als Vorbild gelten müsse.

Sozialdezernent Norbert Weiser vom Landratsamt würdigte die inzwischen umfangreichen Angebote der Calwer Lebenshilfe als heutige "flexible und leistungsfähige" soziale Einrichtung. In Zeiten, in denen wieder ungeniert rechtsradikales Gedankengut verbreitet werde, benötige man die Lebenshilfe, die ihre Stimme für die Schwächeren erhebt, mehr denn je.

Nach den offiziellen Reden wurde fröhlich mit szenischen Darbietungen aus der 50-jährigen Geschichte des Geburtstagskindes, mit viel Musik und kulinarischen Angeboten gefeiert. Von den offiziellen Gästen gab es Geldgeschenke. Bürgermeister Götz kündigte als Jubiläumspräsent der Gemeinde Althengstett die Einrichtung eines neuen Bades im Lebenshilfehaus im Wert von 10 000 Euro an.

 
 

Ihre Redaktion vor Ort Calw

Ralf Klormann

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