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Kreis Calw Corona: Eskalation im Herbst erwartet

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Ein Abstrichstäbchen wird in einer ambulanten Corona-Test-Einrichtung gehalten. Die Zahl der positiven Ergebnisse werde nach Erwartungen von Experten im Kreis Calw über den Herbst ansteigen. Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild/dpa

Kreis Calw - "Der Punkt, wo das Gesundheitsamt die Lage noch kontrollieren und beherrschen konnte, ist aus meiner Sicht wieder überschritten." Andrea Neuwirth, im Landratsamt Calw zuständig für den Bereich Gesundheit und Vorsorge, gab im VWA des Kreistags ein alarmierendes Update der Corona-Lage im Kreis.

Auf der Tagesordnung des Verwaltungs- und Wirtschaftsausschusses (VWA) des Calwer Kreistags stand das Thema nicht. Aber unter dem Punkt "Verschiedenes" schob Landrat Helmut Riegger trotzdem einen Lagebericht zur aktuellen Corona-Situation spontan mit ein. Denn die sich zuspitzende Situation gibt offensichtlich reichlich Grund zur Sorge – auch wenn die Infektionszahlen momentan wider Erwarten noch "überschaubar" seien.

Lage sei momentan noch ruhig

"Wir hatten eigentlich erwartet, dass wir Anfang September den Warnwert" von mehr als 50 Infektionsfällen pro 100 000 Einwohner "auch im Kreis Calw reißen würden", leitete Landratsvize Frank Wiehe die Faktenlage zum Thema ein. Reiserückkehrer hatten wohl kurzfristig den Virus wieder mit in den Landkreis gebracht. Aber nach einem kurzen, deutlich sichtbaren "Peak" in der Infektions-Statistik fielen die Werte wieder zurück. Im Moment gebe es "relativ wenig positive Fälle", auf Station in den Kliniken des Kreises seien derzeit nur zwei Verdachtsfälle zu versorgen, die Intensiv-Stationen seien gar "corona-frei". Das "hört sich entspannt an", so Wiehe, aber der Blick in die Nachbarländer zeige, "was noch auf uns zukommen wird".

Was den Gesundheits-Wächtern im Landratsamt besonders Sorgen macht: "Bei positiven Fällen gibt es enorme Zahlen von Kontaktfällen". So gebe es das Beispiel "eines jungen Mannes", von dem über 70 Kontaktpersonen hätten ermittelt werden müssen – was für das Team im Landratsamt, das die Infektionsketten jeweils nachverfolgen muss, "sehr viel Aufwand" bedeute: Jede Kontaktperson muss – telefonisch – kontaktiert werden, die daraus resultierenden Gespräche dauerten bis zu 20 Minuten und mehr. Was deutlich mache, wie sehr das Arbeitsaufkommen im Gesundheitsamt des Kreises wieder ansteige. Man leiste mittlerweile wieder durchgängig Wochenenddienste. Außerdem suche man wieder massiv neue, weitere Mitarbeiter, um das steigende Arbeitsaufkommen zu bewältigen.

Rückverfolgung oft problematisch

Bei den Ansteckungen mit dem Corona-Virus besonders problematisch, so die Beobachtung des Kreises, seien der Bereich Sport und Fußball (Wiehe: "Das scheint ein Problemfall zu sein."), aber auch die Gastronomie – speziell die Sportlerheime. Aktuell hinzu kämen die Schulen und Kitas als weitere Ansteckungsherde. Wobei Andrea Neuwirth, zuständig für den Bereich Gesundheit und Vorsorge, ergänzt, dass man "auch mehrere Geburtstagsfeiern" und eine Hochzeitsfeier im Nachbarkreis "im Angebot" habe, die in der Nachverfolgung der Infektionsketten "gerade viel Arbeit" machten. Neuwirth mahnte die VWA-Räte – und damit die gesamte Öffentlichkeit: "Jeder sollte überlegen, ob er alles, was erlaubt ist, auch machen muss."

Weiteres Problem: "Viele wissen einfach nicht mehr, wo sie sich angesteckt haben." Es gebe da "eine Hintergrund-Aktivität" in der Infektionsentwicklung, die zunehmend Sorge bereite. Neuwirth wörtlich: "Der Punkt, wo das Gesundheitsamt die Situation kontrollieren und beherrschen kann, ist aus meiner Sicht wieder überschritten!" Zuviele Menschen würden etwa die Maskenpflicht oder die geltenden Abstands- und Hygiene-Regeln "nicht mehr ernst" nehmen. Ein Beleg dafür: Viele Arztpraxen würden von "massiven Anfragen" nach Attesten für eine Befreiung von der Maskenpflicht berichten, obwohl es nur "sehr wenige echte Indikationen" dafür gebe. "Das wird uns zunehmend Probleme machen", so Neuwirths Befürchtung.

Betroffen von Ansteckungen mit dem Corona-Virus seien aktuell vor allem junge Menschen – weshalb die Verläufe weniger schwer ausfielen. Aber diese Entwicklung sei analog zu der im Frühjahr, weshalb "mit zeitlichem Verzug" – gerade auch wegen der sehr hohen Kontaktzahlen der Betroffenen – auch mit einem Anstieg der Zahlen bei den "schweren Fällen" zu rechnen sei, die dann auch wieder die Intensiv-Stationen fluten würden. Beispiel dafür seien die anderen europäischen Länder, bei denen diese Entwicklung schon da sei. Neuwirths Appell in dieser Situation, wo die Infektions-Zahlen wieder sehr anzögen, gehe auch an die Politik, ohne deren Hilfe – etwa durch Verhängen weiterer Einschränkungen – die Lage "weiter eskalieren" werde. Wobei Landrat Riegger auch eigene Fehler in der Kommunikation der öffentlichen Hand zu Beginn der Corona-Krise einräumte: Es sei damals der Eindruck entstanden, "die Jungen betrifft" die Pandemie nicht; das sei heute "falsch in den Köpfen" verankert, wo eben die Jungen im privaten Umfeld zum massiven Anstieg der Infektionszahlen beitrügen. Rieggers Resümee zur aktuellen Corona-Lage auch im Kreis Calw: "Wir müssen uns auf einen heißen Herbst einstellen!"

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