Mehr als zwei Wochen lag der Müll herum. Jetzt ist er wenigstens weg. Foto: Mikulcic

Kleine Calwer Abfall-Geschichten: Bahn erfüllt Reinigungspflicht schleppend. Nicht nur Anwohnern lästig.

Calw - Erst hat er da gelegen. Und gelegen. Die Zuständigen hatten seine Anwesenheit nicht bemerkt. Dann, nach mehr als zwei Wochen, ist er am Donnerstagmorgen plötzlich weg gewesen.

Plastikmüll hat unbehelligt den Treppenaufgang von der Bischofstraße zum Bahngleis am ZOB geziert. "So schlimm war’s noch nie", sagt ein direkter Anwohner des Zentralen Omnibus-Bahnhofs (ZOB). Die Familie ist ja einiges gewohnt. Vor ihrem Hauseingang werden Altkleider entsorgt, verrichten Bedrängte und Unbedarfte ihre Notdurft, lassen Schülerkohorten alles von der Getränkedose bis zur leergemampften Tüte fallen, werden nach Alkoholmissbrauchsvorkommnissen die geleerten Behältnisse entsorgt. Kurzum: Ein Paradies vor der Haustür sieht anders aus.

Wieso das Ordnungsamt denn Ordnungsamt heiße, hat sich die betroffene Hauseigentümerin gefragt. Zweimal hatte sie, nachdem der Müll bereits mehrere Tage lag, den Sachverhalt geschildert. Ohne, dass sich etwas getan hätte. "Das ist doch unangenehm, auch für die Leute, die da runter gehen", sagt sie.

Eine frustrierende Erfahrung. Auch für die Stadt. Für den Treppenaufgang zum Bahngleis links des ZOB ist nämlich weder sie noch irgendein städtischer Tochterbetrieb zuständig. Wohl aber ihre Vertragspartnerin, an die betreffende Flächen vermietet sind: die Deutsche Bahn (DB).

Von der unternehmenseigenen Pressestelle in Stuttgart ist zu erfahren, dass die Reinigung dieser Flächen regelmäßig erfolgt. Die Frequenz hänge von bisherigen Erfahrungswerten ab. Die Reinigung erledigen, je nach den örtlichen Gegebenheiten und Erfordernissen, entweder Vertragspartner der DB, also Fremdfirmen – oder eigenes Personal. Mit konkreten Angaben zur Häufigkeit des Sauber machens am ZOB kann der Pressebeauftragte auf Anhieb nicht dienen.

Karl Kohl von der DB Immobilien am Standort Karlsruhe versichert: "Die Stationsmanager bereisen ihre Bahnhöfe regelmäßig". Müllprobleme am Bahngleis selbst fallen dabei sicherlich sofort ins Auge. Die Treppe fällt wohl eher unter den Teppich.

"Wie soll das weitergehen?", hat der Anwohner sich gefragt. Schließlich muss man davon ausgehen, dass dauerhaft unsachgemäß abgelegte Abfälle Ungeziefer und Ratten anziehen. Wird die Treppe am Ende zum Fall fürs Gesundheitsamt? "Wenn wir anfangen, den Müll wegzuräumen, dann machen wir das ein Leben lang", schildert Rainer Stotz von den Stadtwerken Calw sein Dilemma. Will heißen: Springt die Stadt-Tochter als nicht Zuständige aus gutem Willen in die Bresche, ist davon auszugehen, dass dieser Ausnahme-Einsatz anderswo als generelle Bereitschaft zum "Hinterherfegen" ausgelegt wird.

Reinhard Gunzenhäuser vom städtischen Baubetriebshof hatte in einem Schreiben die Bahn auf die Missstände an betreffender Treppe hingewiesen. Unmittelbar nachdem die mit Bildmaterial unterfütterte Beschwerde der Anwohnerin beim Ordnungsamt eingegangen war. Eine Veränderung blieb jedoch aus. Bis gestern Vormittag.

Die Leitung der Bahn sei lang, sagt Rainer Stotz. "Mit solchen Partnern zusammenzuarbeiten, ist nicht schön", ergänzt er. Das Belassen eines unschönen Zustandes vonseiten der Stadt ist somit in gewisser Weise verständlich und legitim. Auch wenn Calw für Tagestouristen so unter Umständen einen wenig appetitlichen Beigeschmack bekommt.

Für die Anwohner ändert das wenig. Sie werden sich mit der Rücksichtslosigkeit Einzelner zähneknirschend arrangieren oder Zuflucht bei Guerilla-Methoden suchen müssen, sollte der zuständige Stationsmanager die Treppe weiterhin übersehen.

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