Joachim Weiß behandelte in seinem lyrischen text die Themen, Krieg, Flucht und Tod. Foto: Fritsch Foto: Schwarzwälder Bote

Poetry Slam: Von Kreativ und lustig bis äußerst emotional / Sprachkünstler nehmen sich auch durchaus ernste Themen vor

Calw-Hirsau. Kreativ, lustig und zugleich emotional wurde das Publikum während des Dichterwettstreits Deluxe im Kloster Hirsau unterhalten. Veranstaltet und moderiert wurde der Poetry Slam-Abend von Elias Raatz, welcher das Publikum mit viel Energie und Witz durch den Abend führte.

Scharfsinnige Gedichte

Zwei Stunden lang interagierte er mit dem Publikum und erzählte immer wieder eines seiner scharfsinnigen, witzigen Tiergedichte. Zu Beginn erklärte er die Regeln des Wettbewerbs. In drei Runden maßen sich die insgesamt vier Poeten miteinander, wobei in den ersten zwei Runden jeweils ein Künstler in das Finale oder die dritte Runde gewählt wurde. Bewertet wurden die Auftritte durch eine Publikumsjury, welche Punkte auf einer Skala von eins bis zehn vergeben konnte. Für die Auftritte der Poeten gab es, wie immer während Raatz’ Dichterwettbewerben, nur drei Regeln. Erstens dürfen die Auftritte nicht länger als sieben Minuten dauern, zweitens sind auf der Bühne keine Verkleidungen erlaubt und drittens müssen alle vorgetragen Texte selbst geschrieben sein.

Bevor die Auftritte der Sprachkünstler jedoch begannen, wurde der Abend von Aljosha Konter, einem Singer- Songwriter aus Stuttgart, eröffnet. Dieser musizierte alleine. Mit seiner Gitarre trug er sowohl sentimentale als auch schnellere und lustigere Lieder vor. Thematisch ranken sich diese häufig um die Liebe – ob nun zu einer Freundin oder zu seinen Geschwistern.

Im Hauptteil der Veranstaltung traten nun die Poeten mit ihren Geschichten, Texten oder Gedichten an. Joachim Weiß, der bei weitem älteste Wettbewerbsteilnehmer, trug zuerst einen eher lyrischen Text vor, welcher sich an "Den Lindenbaum" von Wilhelm Müller anlehnt. In diesem behandelte er Themen wie Krieg, Flucht und Tod. Sein zweiter Text war zwar genauso wortgewandt wie sein erster, drehte sich jedoch eher um ein leichteres Thema. In seinem Text "Die Stimme" nämlich sprach Weiß erfrischend ungezwungen und überraschend witzig als die Stimme in seinem eigenen Kopf, die ihn nachts nicht einschlafen lassen will.

Bittersüß sind auch die Texte von Tonia Krupinski, einer Studentin aus Tübingen. Die Finalistin, die als Einzige an diesem Abend drei Texte vortrug, beschäftigte sich in ihrem ersten Text "Verdammt" wunderbar melodramatisch und selbstironisch mit dem Thema Trennungen. Doch wie sie bald zeigte, kann sie auch ernster. Im Gedicht "Selbst null ist zuviel" erzählte sie anschaulich aus ihrem eigenen Leben – und ließ das Publikum Anteil haben an ihrer eigenen Geschichte und ihren Erfahrungen mit Essstörungen. Und auch ihr dritter Text löste beim Publikum nicht weniger Gänsehaut aus. In ihrem finalen Gedicht beschäftigte sie sich mit Homosexualität und einer intoleranten Gesellschaft.

Ohne Geld keine Welt

Intelligent und scharfsinnig war auch die dritte Künstlerin, Marina Sigl, die zuerst mit einem Text über ihr Chemie-Studium unterhielt. Dannach sprach sie über ihre Kindheit als Tochter einer Arbeiterfamilie und ihre Erfahrungen mit dem Reisen – oder eher ihre mangelnde Erfahrung damit. Ohne Geld gäbe es keine Welt, meinte sie.

Der letzte Poet war Jonas Pan, der sich in der ersten Runde ins Finale bewerten ließ, mit seinem Gedicht an seinen tauben Vater. Besonders war der Vortrag des Textes nicht nur auf Grund des Inhalts, sondern auch weil Pan alles Gesagte gleichzeitig in die Gebärdensprache übersetzte. Auch sein finaler Text regte zum Nachdenken an und beschäftigte sich, anlässlich des 70-jährigen Bestehen des Grundgesetzes, mit der Würde des Menschen. Nach den großartigen finalen Auftritten war es also nicht verwunderlich, dass sich Raatz als Moderator nicht für einen Sieger entscheiden konnte. Und so kürte er einfach beide, Tonia Krupinski und Jonas Pan, zum Sieger des Dichterwettstreits. Wer nicht genug von den Sprachkünstlern bekommen konnte, hatte außerdem noch die Möglichkeit, sich eines der vielen Bücher zu kaufen, die Raatz an diesem Abend ausstellte.

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