Im Kreis Calw muss dringend Wohnraum geschaffen werden. Foto: peterschreiber.media – stock.adobe.com

Regionalverband stellt Studie zu Wohnraumbedarf vor. Teilregionplan zu Windenergie eingestellt.

Calw - Der Regionalverband der Region Nordschwarzwald informiert im Calwer Rathaus über die zukünftige Nutzung von Flächen und alternative Energien. Klar ist: Im Landkreis Calw muss dringend Wohnraum geschaffen werden.

Der Bedarf an Wohnraum wird in den kommenden Jahren im Landkreis Calw weiter ansteigen. Laut einer Studie des Regionalverbands Region Nordschwarzwald um rund 8,7 Prozent beziehungsweise 2560 Haushalte bis 2040. "Wir sind schon zu spät dran. Die Bürgermeister des Landkreises spüren jetzt schon den Druck auf dem Wohnungsmarkt", sagt Calws Oberbürgermeister Florain Kling im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten.

In Calw habe die Stadt mit neuen Baugebieten zwar den Anfang gemacht, diese könnten den Bedarf aber nicht decken. Und die Bevölkerungsentwicklung geht laut Studie hin zu Singles oder Paaren, die aber nicht in eine Ein- bis Zweizimmerwohnung ziehen wollen, sondern eine Drei- bis Vierzimmerwohnung bevorzugen. "Das heißt, weniger Menschen, auf mehr Platz", erklärt Verbandsdirektor Matthias Proske. Und nicht nur Menschen wollen sich gerne in Calw niederlassen, "auch Unternehmen stehen schon Schlange". Die Gewerbegebiete in Calw sind fast voll, das Gebiet Lindenrain noch nicht fertig erschlossen.

Frage nach der Verfügbarkeit

Bis sich der neue Flächennutzungsplan des Regionalverbands umsetzten lässt, dauere es aber noch. "Wir rechnen damit, Mitte 2021 einen Entwurf vorstellen zu können", sagt Proske. Doch was passiert, wenn sich der Bedarf und die Bevölkerungsdichte doch in eine andere Richtung entwickelt als geplant? "Wir müssen uns fragen, wo wir in Zukunft hin wollen und dafür müssen wir einen Plan machen. Natürlich kann man sich irren, aber ohne Plan ist man perspektivlos", so Proske.

Doch irgendwann ist die Kapazität eines Gebiets auch erschöpft und das sei die große Herausforderung, vor der der Regionalverband stünde. "Die Nutzung einer Fläche zuzuteilen ist komplex, wir müssen viele Nutzungsansprüche prüfen", führt Proske aus. Letztlich entschieden werde in einer Verbandsversammlung, in der Vertreter der Region Nordschwarzwald darüber diskutieren.

Neben der Nutzung stellt sich noch die Frage nach der Verfügbarkeit. Gerade der Nordschwarzwald lebt von den Grünflächen. Irgendwann sind die Bebauungsmöglichkeiten erschöpft. "Als Bürgermeister möchte ich natürlich, dass sich Menschen sowie Unternehmen in Calw niederlassen. Aber wer will schon im Schwarzwald wohnen, wenn es den Schwarzwald nicht mehr gibt", so Kling. Für Calw sei der erste Schritt deshalb, Leerstände, baufällige Häuser, Baulücken oder Ruinen in der Stadt zu nutzen. Dabei wolle sich Kling auch auf die Kernstadt fokussieren. "Wenn wir hier und da eine Siedlung bauen, haben wir am Ende eine ›Zersiedlung‹ und das darf nicht das Ziel sein", meint der Bürgermeister.

Einigung von Bund erwartet

Der Planungsausschuss hat überdies beschlossen, das Verfahren zum Teilregionalplan Windenergie einzustellen. "Wegen dem neuen Windatlas des Landes ist der Plan veraltet gewesen", erklärt der Verbandsdirektor. Bis sich der Bund einigt, wie weit Windkraftanlagen von Wohngebieten entfernt stehen müssen, werde der Regionalverband auch die Füße still halten. Im Herbst könne es möglicherweise eine Entscheidung geben. Die Zeit wolle der Regionalverband nutzen, um herauszufinden, wo der Strom in der Region herkommt und wie er genutzt wird. In Zukunft, so Proske, will der Regionalverband auf erneuerbare Energien blicken. "Realistisch ist künftig ein Strommix aus verschiedenen Quellen", erklärt er.

Weitere Informationen: Auf der Internetseite www.rvnsw.de lädt der Regionalverband die Bevölkerung ein, ihre Meinung zur Entwicklung der Region mitzuteilen.