Bei "Warhammer" treten Teilnehmer mit bemalten Fantasy-Armeen gegeneinander an.
Calw - Sommerferien. In der Calwer Badstraße sieht man nur Rentner, Touristen und Bauarbeiter. Alle jüngeren Calwer sind im Urlaub. Alle? Nicht ganz: Aus dem Hinterzimmer des Spieleladens "Fantasyshop" dringen Gelächter und das Geräusch rollender Würfel.
Dort sind Marcel Schaaf (18) und Raphael Kaiser (21) zusammengekommen, um ihrem Hobby nachzugehen: dem Tabletop-Spiel "Warhammer". Zwei Heere aus Zinn- und Plastik-Miniaturen stehen einander auf dem 1,20 Meter mal 1,80 Meter großen Spieltisch gegenüber. Finster dreinblickende "Dunkelelfen" auf der einen, rattengesichtige "Skaven" auf der anderen Seite. Jede einzelne der Dutzenden Figuren ist sorgfältig und sehenswert von Hand bemalt.
Doch im Augenblick verschieben die beiden jungen Männer die kleinen Kunstwerke lässig wie Schachfiguren umher. Rechteckige Felder gibt es nicht – wie weit die Einheiten sich bewegen dürfen, wird genau mit einem Zollband abgemessen. "Warhammer" ist das wohl erfolgreichste Tabletop-Spiel der Welt. Der englische Name besagt, dass diese Art von Zeitvertreib kein spezielles Brett benötigt, sondern direkt auf einem Tisch gespielt werden kann. Neben dem Fantasy-Hintergrund gibt es auch eine futuristische Variante ("Warhammer 40.000") sowie eine Variante, die mit Figuren aus "Herr der Ringe" gespielt wird.
Bei »Warhammer« geht’s um Aufstellung, Taktik und Dusel
Welche Einheiten man einsetzt, entscheidet jeder Spieler selbst: Infanterie, Fernkämpfer, Geschütze, Monster oder heldenhafte Kommandeure. Jede Figur hat einen Punktewert – in der Summe sollten die Armeen zu Beginn gleich stark sein. Die "Warhammer"-Spielregeln füllen ganze Bände. Doch die Spieler beherrschen sie zum größten Teil auswendig. Schnell rechnet Raphael aus, wie stark der Angriff seiner Elfenmagierin ist, rollt zwei Dutzend Würfel, und dann muss Marcel Figur um Figur seiner Armee aus dem Kampf nehmen. Aber die nächste Runde kommt bestimmt!
Sechs Runden dauert das Spiel normalerweise. Drei bis vier Stunden dauert es durchschnittlich. Punkte gibt es für eroberte Anteile des Feldes, aufgeriebene Gegner oder spezielle Missionsziele.
"25 Prozent Aufstellung, 50 Taktik, 25 Dusel" – so beschreiben die Calwer Fans die Faktoren, die für einen Sieg bedeutsam sind: "Es ist halb ein taktisches Brettspiel, halb das Sammeln bemalter Miniaturen." Apropos Malen: Neben Marcel und Raphael sind an diesem Tag vier weitere junge Männer im "Fantasyshop" versammelt. Sie sitzen konzentriert auf der Empore des Ladens und bemalen mit filigranen Pinseln gerade gekaufte Miniaturen.
Hobbys, die sich mit fantastischen Themen beschäftigen, gibt es viele. Warum die jungen Männer trotzdem "Warhammer" den Vorzug vor Computerspielen oder Filmen geben, ist schnell erklärt: "Das ist kreativer und sozialer", sagt Christian Lutz (24). Dass dabei der Spaß nicht zu kurz kommt, beweisen die Frotzeleien und das Gelächter: "Witzig ist es immer", sagt Marcel, und Raphael ergänzt: "Deswegen ist es egal, ob man gewinnt oder verliert." Mancher hat so seine Freunde kennengelernt.
Zwischen 14 und 50 Jahren sind die "Warhammer"-Spieler alt, berichtet Ladeninhaber Alexander Dedolf. Selbst Bankangestellte sind darunter – ebenso aber Schüler, Studenten oder Handwerker. "Ein billiges Hobby ist es nicht", räumt Christian ein. "Aber wenn es einem wichtig ist und man überlegt, wie viel Zeit man damit verbringen kann, sind 30 Euro für eine Box nicht viel."
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