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Calw Konstantin Reymaier: Organist und Priester in Personalunion

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Calw-Hirsau. Johann Sebastian Bach war wohl niemals in der Aureliuskirche in Hirsau zu Gast. Ob sie ihm gefallen hätte? Die Thomas Kirche zu Leipzig war da schon ein etwas anderes Kaliber. Ganz sicher hätte ihm aber das von der Katholischen Gemeinde veranstaltete Konzert mit Konstantin Reymaier behagt. Wie in alten Zeiten war das dunkle Kirchenschiff ausschließlich mit Kerzen beleuchtet, das Publikum still und andächtig. Und der Mann an der Orgel spielte präzise und unaufgeregt – und er ist wohl ebenso gottesfürchtig wie der große Meister Bach es selbst war.

Schade nur, dass die "Stunde der Orgelmusik in Sankt Aurelius" wirklich nur ein paar Minuten länger als eine Stunde dauerte. Reymaier ist ein großer Mann, allein rein körperlich trifft das auf den Österreicher zu. Mehr als 1,90 Meter misst der Dom-Organist aus Wien. Es scheint gar, als habe er ein wenig Schwierigkeiten, seine extralangen Beine unter der Sitzbank vernünftig zum Einsatz zu bringen.

"Bach und Wien" heißt der Titel des Abends. Als erstes Stück spielt Reymaier "Concerto in C-Dur nach Antonio Vivaldi". Um es gleich zu sagen: Es ist der Höhepunkt des Abends – bis auf eine echte Überraschung zum Schluss.

Nicht nur körperlich ist der 51-jährige Reymaier ein bemerkenswerter Mann. Er ist Organist, Komponist und Priester in einer Person.

Schnörkelloses Spiel, ohne aufdringlich zu sein

Ganz selbstverständlich drängt sich da die Frage auf, was da denn an erster Stelle stehe bei ihm. Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: "Natürlich Priester". Und was das denn konkret bedeutet, will man wissen. "Zuerst Gebet, dann Musik", bekennt der "Spätberufene", der sich erst 2009 zum Priester weihen ließ. Die Kirche ist voll besetzt, im Publikum dominieren – wie üblich bei solcherart Konzerten – die älteren Semester.

Reymaier ist nicht das erste Mal in Hirsau. "Aber es ist das erste Mal, dass ich hier spiele." Vor ein paar Jahren war er bereits zu Besuch gewesen, "damals, als die Orgel im Bau war". Reymaier tourt nämlich nicht nur als Organist durch die Welt, sondern auch als Berater beim Bau und bei Restaurierungen von Orgeln. Quasi als Nebenjob ist er etwa derzeit beim Bau einer neuen Orgel im Wiener Stephansdom engagiert – sozusagen ein Heimspiel für den Dom-Organisten.

Schnörkellos ist sein Spiel, das fällt als erstes auf. Der Organist drängt sich nicht auf. Ganz wunderbar der zweite Satz des "Concerto", das Rezitativ, ein Adagio, das die "göttliche Musik" Bachs in jedem Ton durchschimmern lässt, gefolgt vom Allegro des dritten Satzes – wie ein Triumph endet das Stück. Bach werde ja von seinen Bewunderern als derjenige Komponist gepriesen, der die "göttlichste Musik" geschaffen habe. Musik eben, bei dem der Mensch sich Gott am nächsten fühle. Was er denn dazu meine? Da zögert der Österreicher einen winzigen Augenblick, die Frage ist ihm gar nicht so recht. "Das kann nur der Herrgott selbst entscheiden", antwortet er ebenso freundlich wie diplomatisch.

Er, Reymaier selbst, möge allerdings solcherart Superlative nicht. "Aber selbstverständlich, auch ich fühle Gott, wenn ich Bach spiele." Natürlich waren noch weitere ­Stücke im Programm. Georg Friedrich Händel mit seiner Suite in F-Dur zum Beispiel, schon deutlich weltlicher, heiterer als Bach. Man könnte sagen: Es lebte sich seinerzeit in London leichter als in Leipzig. Auch Gottlieb Muffat wurde gespielt, der dem breiten Publikum zwar weniger bekannt ist als Bach und Händel, der aber seinerzeit immerhin der kaiserlichen Familie zu Wien Musikunterricht gab. Darunter auch der Kaiserin in spe, Maria Theresia.

Reymaier, der Organist und Priester in Personalunion, erhielt sehr langen, begeisterten Beifall, verbeugte sich tief – und landete als Zugabe eine wunderbar heitere Überraschung. "Bach und Wien – vielleicht noch ein Stück Mozart dazu?", rief er verschmitzt ins Publikum. Mit seinem feinen Wienerisch klang das wie ein vornehmer Kellner im "Sacher", der den Herrschaften noch etwas Schlagobers anbietet.

Dann spielt Reymaier Mozarts kleines Orgelstück Andante in F-Dur, KV 616, oftmals als Stück "für eine Orgelwalze" tituliert. Das klinge streckenweise, als sei da Musik aus dem Prater herübergeweht. Da lacht Reymaier. "Gute Komponisten haben ­Humor."

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