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Calw "Klares Votum für unseren Hermann"

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Das Hermann Hesse-Museum soll in neuem Glanz erstrahlen.Foto: Rousek Foto: Schwarzwälder Bote

"Expertise zu einem [...] Gesamtkonzept für das Hermann Hesse-Museum": Was in der Vorlage für die jüngste Gemeinderatssitzung recht trocken anklingt, mündete in eine rund einstündige Lobpreisung auf die Einrichtung und den Stellenwert Hermann Hesses für Calw – an deren Ende der Gemeinderat absolute Einigkeit demonstrierte.

Calw. Die Dauerausstellung des Hermann Hesse-Museums wird neu konzipiert, das ist schon seit mehreren Jahren klar. 2019 machte die Verwaltung auf weitere Baustellen aufmerksam: das Dach, die Fassade – eben Dinge, die an einem älteren Haus anfallen. Der Bau- und Umweltausschuss hatte damals den Wunsch geäußert, ein Gesamtkonzept erstellen zu lassen, womit das Büro Demirag Architekten beauftragt wurde. Dasselbe Büro, das auch schon mit der Neukonzeption der Ausstellung betraut ist. In der jüngsten Sitzung nun war Korkut Demirag zu Gast, um seine Expertise zu eben jenem Gesamtkonzept vorzustellen. Und noch ein weiterer Gast vervollständigte die Runde in der Calwer Aula, wo die Sitzung coronabedingt stattfand: Thomas Schmidt, der Leiter der Arbeitsstelle für literarische Museen, Archive und Gedenkstätten in Baden-Württemberg (ALIM). Er unterstützt Museen inhaltlich. Darüber hinaus fördert die ALIM Ausstellungen finanziell – beispielsweise wurde auch die aktuelle Dauerausstellung sowie der Anbau des Museums vor Jahren unterstützt. Schmid ist überzeugt, dass die neue Dauerausstellung des Hesse-Museums eine satte Förderung von mindestens 80 000 Euro bekommen wird, wie er in der Sitzung ausführte. Man müsse das Alleinstellungsmerkmal sichern, zeigte er sich überzeugt. Dafür wolle er auch Expertise beisteuern, wie man die Ausstellung beispielsweise auch für Schüler interessanter machen könnte.

Für Demirag ist aber auch klar: Nur mit der neuen Ausstellung wird man überregional nicht wahrgenommen. Nicht bei einer "Konkurrenz" von 273 heimatkundlichen Museen im Umkreis von 50 Kilometern, wie der Architekt aufzeigte. Also müsse man sich das Haus nochmal ganz genau anschauen – "ein wunderschönes Haus", bemerkte Demirag. Für manche könne es deshalb verwunderlich wirken, dass man überhaupt etwas daran machen müsse. "Aber es ist in die Jahre gekommen", hob er hervor. Und Themen wie Barrierefreiheit seien erst in den vergangenen Jahren hinzugekommen. "Ein Tourismusmagnet wird es nicht von selbst", sondern erst, wenn auch das Erscheinungsbild stimme. Und dafür ist laut dem vorgelegten Papier Demirags so einiges zu tun.

Bei den Fenstern sei versäumt worden etwas zu tun, stellte der Architekt fest. Wenn er auch in den anderen Bereichen die Verwaltung für die Instandhaltung des Gebäudes lobte, sah er in diesem Bereich Nachholbedarf. Das Dach sei gänzlich ungedämmt, sodass direkt unterhalb im Sommer bis zu 60 Grad Celsius herrschen dürften, während es im Winter bitterkalt ist. "Das ist nicht mehr Stand der Dinge", betonte Demirag und zeigte dem Gremium Bilder des "Corpus delicti". Schwerer wiegten da aber die technischen Gewerke. Elektro-, Licht-, Lüftungs- und Heizungstechnik müssten teilweise erneuert werden. Weiter ging es über das Treppenhaus, für das der Architekt einen anderen Bodenbelag als den jetzigen PVC-Boden empfiehlt, ins Foyer. Das Urteil des Experten: "So sieht ein Foyer heute nicht mehr aus." Man wolle als Kunde keine Ordner oder Kalender sehen. "Wir sprechen den Kunden elegant und smart an", verkündete er.

Die vornehmlich in der Wir-Form gehaltenen Ausführungen Demirags schienen das Gremium derart mitzureißen, dass selbst die Bruttogesamtsumme für alle Maßnahmen von geschätzten 2,6 Millionen Euro nicht vermochte, die Begeisterung zu trüben. Der Architekt legte dem Gemeinderat nahe, die baulichen Maßnahmen nicht aufzuteilen, sondern wenn dann am Stück zu erledigen. Ansonsten würde das Ganze unter Umständen noch teurer und brauche noch mehr Zeit.

Keine statischen Arbeiten

Dem schlossen sich die Räte an. Hesse sei ein Profilierungsmerkmal, das man stärker in den Fokus rücken sollte, meinte Jürgen Ott (Gemeinsam für Calw). Gerade in Bezug auf die kommende Hesse-Bahn könne man durch ein erneuertes Museum neue Besuchergruppen generieren. "Und wir sollten nicht aufhören in unsere Stadt zu investieren", sprach er für seine Fraktion. Dieter Kömpf (Freie Wähler), seines Zeichens selbst ernannter Kulturbanause, wollte gerne mehr Informationen zum Zeitplan. Da keine komplexen, statischen Arbeiten nötig seien, dürfte das Ganze in einem bis eineinhalb Jahren erledigt sein, prophezeite Demirag. "Das kann man zügig machen."

Irmhild Mannsfeld (Neue Liste Calw), hingerissen von den leidenschaftlichen Ausführungen der beiden Gäste, sprach sich dafür aus, ein "Gesamtpaket zu schnüren". Die Arbeiten Stück für Stück zu erledigen, "ist für mich völlig undenkbar". Dennoch sei es ein Kraftakt, bei dem es gelte, die Bevölkerung mitzunehmen. Dann könne man auch wieder einen Stolz entwickelt auf Hesse. In dieselbe Kerbe schlug Bernhard Plappert (CDU): Er wolle das Projekt in einem Zug durchziehen und in ein touristisches Konzept einbinden.

Kömpf, nun augenscheinlich auch vollständig überzeugt, stellte einen Antrag, die Verwaltung damit zu beauftragen, die Planungen weiter voranzutreiben. Dem folgte das gesamte Gremium einstimmig. Oberbürgermeister Florian Kling dazu: "Ein ganz klares Votum zu unserem alten Hermann."

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