Der Klostersommer (hier der Comedy-Gipfel 2019) zieht jedes Jahr rund 15 000 Menschen an. Foto: Vogel

Antrag sorgt für Diskussionen im Gremium. Veranstaltungsreihe erhält Zuschuss für weitere drei Jahre.

Calw - Der Gemeinderat entschied sich nach einem regelrechten Diskussions-Ping-Pong für die weitere Förderung des Klostersommers bis 2023 mit 98 000 Euro pro Jahr.

Jürgen Ott wechselte für den Tagesordnungspunkt "Kulturförderung für die Veranstaltungsreihe ›Calwer Klostersommer in Hirsau‹ für die Jahre 2021 bis 2023" die Seiten. Anstatt, wie üblich, in den Reihen seiner "Gemeinsam für Calw"-Fraktionskollegen Platz zu nehmen, hielt er einen Sachvortrag und blieb wegen Befangenheit bei der Abstimmung außen vor. Immerhin ist er Organisator der Veranstaltungsreihe, um die es in der Diskussion ging.

"Wir haben bei der Organisation des Klostersommers drei Herausforderungen", führte Ott aus. Erstens: eine zwar sehr schöne aber teuere Spielstätte, für die allein Bühne und Ton einen sechsstelligen Betrag kosteten. Zweitens: eine geringe Kapazität von maximal 1900 Menschen – bei Künstlern, die teils normalerweise vor gut und gern doppelt so vielen Zuschauern spielten, wie Ott ausführte. Und drittens: Sogenannte "Leuchtturm"-Auftritte, bei denen von vorne herein klar sei, dass sie sich nicht refinanzieren ließen. Beispielsweise Anastacia vor zwei Jahren.

Unter Berücksichtigung dieser Gesichtspunkte habe Ott, beziehungsweise seine Firma, die Concetera GmbH, bei der Stadt einen Antrag auf Mittel aus der Kulturförderung von 98 000 Euro pro Jahr gestellt. Der Zuschuss würde für die Jahre 2021 bis 2023 gelten.

Ohne Zuschüsse würde es keinen Klostersommer mehr geben

Um etwaigen Vorwürfen schon von vorne herein entgegenzuwirken, betonte Ott, dass nie von einer Anschubfinanzierung die Rede gewesen sei, als die Förderung vor Jahren erstmals ausgeschüttet wurde. "Es war immer klar, dass das von Dauer sein würde". Überdies habe die Touristinfo durch den Vorverkauf zusätzliche Einnahmen.

"Ich will nicht drohen oder so", schloss der Veranstalter seinen Sachvortrag. "Aber ohne die Zuschüsse würde es keinen Klostersommer mehr geben. Ein Udo Lindenberg würde nicht mehr nach Calw kommen." Sogar das Sommerkino, das jedes Jahr unmittelbar nach dem Klostersommer in der Ruine stattfindet, würde die Konsequenzen zu spüren bekommen – verwenden die Betreiber doch die Sitzbänke, die für den Klostersommer aufgestellt werden.

Dieter Kömpf (Freie Wähler) ergriff als erstes das Wort und sprach davon – im Namen seiner Fraktion – "den Leuchtturm Klostersommer" sehr gerne zu fördern. "Es wäre ein Riesenverlust für Calw, den Klostersommer zu verlieren." Für das Stadtfest gebe man einen ganz ähnlichen Betrag aus – und habe nicht annähernd die Außenwirkung wie der Klostersommer.

Zunächst brachte Hermann Seyfried (Neue Liste Calw) seine Wertschätzung gegenüber der Veranstaltungsreihe zum Ausdruck. Das große Aber ließ jedoch nicht lange auf sich warten. Seyfried störte sich nicht nur am Zeitpunkt der Diskussion ("kurz vor den Wahlen und man weiß nicht, wie der oder die neue OB darüber denkt"), sondern auch an der Vorgehensweise des Ganzen. Er verwies dabei auf einen Bericht der Gemeindeprüfungsanstalt (GPA), in dem es als "nicht sachgerecht" bezeichnet werde, die Förderung auf drei Jahre im Vorausfestzulegen. "Warum hat es da keine Aufarbeitung gegeben?", fragte er in die Runde. Für Seyfried sei es ein "No Go", dass man "unterm Strich das Wettbewerbsrecht aushebelt", betonte er. Was er damit meint, war bereits des Öfteren Thema in diversen Ausschüssen – nämlich, dass es keine öffentliche Ausschreibung der Veranstaltungsreihe gebe, ähnlich wie bei Bauvorhaben. Und: Angesichts der abkühlenden Konjunktur halte er es für risikoreich, so weit im Vorfeld so viel Geld zu verplanen, "während sich Kinder an manchen Schulen nicht mehr auf die Toilette trauen." Und der Bauhof schaffe es in der Zeit des Klostersommers nicht mehr, die öffentlichen Grünflächen anständig zu mähen. Keiner rede davon, den Klostersommer abzuschaffen, machte er klar. "Aber wir müssen das zukunftssicher auf die Beine stellen."

Engpässe beim Bauhof

Gerade an der Zuspitzung "Schultoiletten gegen Klostersommer" störte sich Oberbürgermeister Ralf Eggert. Eine derartige Abwägung habe seines Erachtens keinen Stil. "Wir spielen Anträge nicht gegeneinander aus." Eine Ausschreibung der Veranstaltungsreihe würde schon deshalb keinen Sinn ergeben, weil es keine städtische Angelegenheit sei. "Die Veranstaltung gehört Herrn Ott." Wenn sich zum Beispiel Theaterveranstalter ebenfalls um einen Zuschuss bewerben würden, könnte man hingegen diskutieren, wer was bekommt. Mit den Engpässen beim Bauhof habe der Klostersommer rein gar nichts zu tun, das liege schlicht am Personalmangel, erklärte Eggert.

"Man kann anderer Meinung sein, aber nicht versuchen, mit Scheinargumenten zu trumpfen", schaltete sich Kömpf ein. Sabine Ekenja (FW) zeigte sich verwundert darüber, dass es klinge, als stünden die Veranstalter ähnlicher Formate Schlange bei der Verwaltung. "Es gab Bewerber, die es kostenlos gemacht hätten", bejahte Seyfried. Die hätten aber laut gelacht, als man ihnen gesagt habe, dass sie es auf eigenes Risiko organisieren müssten, erwiderte Eggert.

Zum Thema "frühzeitig festlegen" ergriff Ott selbst das Wort. Beispielhaft nannte er einige Künstler und die Zeitpunkte, ab wann man Karten kaufen könne. Der Comedian Otto Waalkes verkaufe schon Tickets für November 2021. "Deshalb muss ich so früh anfangen zu planen und die Künstler zu kontaktieren."

Bei drei Gegenstimmen wurde der Zuschuss beschlossen.