Der Ausdruckstanz "Tuchfühlung" von Christine Lang-Genthner rundete den Festakt der Calwer Hospiz-Gruppe ab. Foto: Stocker

Hospizarbeit braucht einen Wandel. Prälat Martin Klumpp ermutigt zum Wunder im Sterben.

Calw-Hirsau -"Ich gratuliere der Stadt zu den Menschen, die bereit sind, dumm da zu sitzen", sagte Prälat i. R. Martin Klumpp. In seiner Festrede anlässlich der Feier des 20-jährigen Bestehens der Calwer Hospiz-Gruppe brachte er so die Bedeutung des Begleitens Schwerkranker und Sterbender auf den Punkt.

"Jeder Betroffene muss seinen Weg ins Sterben finden, und wir können nicht wissen, wie dieser aussieht, aber an seiner Seite ausharren", betonte Klumpp. Er ermutigte zum Wunder im Sterben. "Als Begleiter muss man üben, dumm dazusitzen, aber die Sinne öffnen für die Situation, denn allein das Dasein hat für einen Sterbenden eine beruhigende Wirkung", führte er aus. Und den Begleiter könne das sensibel für das Leben machen, Hospiz könne so zu einem Ort der Entdeckung werden.

In der Gesellschaft herrscht aber immer noch die Sorge, in den Bann der Schwere des Todes gezogen zu werden, stellte Christa Hrubesch fest. "Wir brauchen einen Wandel weg vom Schweigen hin zum Leben", sagte die Vorsitzende der Calwer Hospiz-Gruppe weiter. Sie hofft, dafür mit der Feier einen neuerlichen Anstoß zu geben.

Jede Begleitung, erläuterte sie, beginne am Telefon durch die Anfrage von Angehörigen oder Betroffenen, der ein erster Besuch möglichst noch am gleichen Tag folge. "Unsere Begleitung ist stundenweise, ohne Vorgaben und unauffällig", führte Hrubesch weiter aus. Aber sie basiere auf einer intensiven, fünfstufigen Grundausbildung inklusive Hospizpraktikum sowie kontinuierlichen Weiterbildungen.

"Dieses Ehrenamt und bürgerschaftliche Engagement der Hospiz-Gruppe ist eine der größten Errungenschaften in unserer Stadt. Hauptamtlich könnten wir diese Lücke nicht schließen", betonte Oberbürgermeister Ralf Eggert. Das durchbreche auch das Diktat der Kosten und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen.

Noch viel mehr aber verweise Hospiz auf den wahren Wert einer Gesellschaft, der sich daran zeige, ob man mit sich im Reinen sei und mit anderen auskomme.

"Die Calwer Hospiz-Gruppe ist Teil des Herzstücks unserer Arbeit vor Ort, für die wir sehr dankbar sind", meinte Christel Grimm, die Vorsitzende der Internationalen Gesellschaft für Sterbebegleitung & Lebensbeistand (IGSL). Vor sechs Jahren hat sich die Calwer Gruppe der Dachorganisation angeschlossen, wie Hermann Wulzinger in seinem Rückblick berichtete.

Der einstige Neurologe im heutigen Klinikum Nordschwarzwald erzählte auch von den Anfängen der Gruppe, die er maßgeblich initiiert und auch geleitet hat.

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