Hans-Martin Dittus, Herbert Schnierle-Lutz, Karl-Josef Kuschel, und Ralf Eggert waren sich einig, wer den diesjährigen Preis be­kommen soll. Foto: Fuchs Foto: Schwarzwälder Bote

Literatur: Preis der Internationalen Hesse Gesellschaft geht an Eugen Drewermann für sein Schaffen / Verleihung am 11. Mai

"Als Schriftsteller hat er großen Einfluss im gesamten deutschsprachigen Raum. Sein publizistisches Werk ist gewaltig", sagt Karl-Josef Kuschel, Präsident der internationalen Hermann Hesse-Gesellschaft. Er redet jedoch nicht von Hesse, sondern von Eugen Drewermann. Ihm wird am 11. Mai der Preis der Internationalen Hermann Hesse Gesellschaft (IHHG) verliehen.

Calw. Der Lebenslauf des Theologen und Psychotherapeuten sieht nicht aus wie der eines Gewinners. Zuerst wurde er von der katholischen Kirche mit einem Predigtverbot und dem Entzug der Lehrerlaubnis belegt und dann ist ihm die Ausübung des Priesteramtes gänzlich verboten worden. Zu seinem 65. Geburtstag ist er dann selbst aus der Kirche ausgetreten. "Drewermann hat nie Konflikte gescheut. Er hatte den Mut, seine Sicht des Christentums zu verteidigen", erklärt Kuschel. Der Mann habe viel aufs Spiel gesetzt und viel dafür bezahlt. "Kleriker" ist eins seiner bekanntesten Werke, eine Psychoanalyse seiner Institutions-Genossen. An denen lässt er kaum ein gutes Haar. Drewermann betreibt seine eigene psychotherapeutische Praxis. In beinahe all seinen schriftstellerischen Werken ist eine starke Verbindung von Religion und Psychologie erkennbar. "Hesse war kein Psychologe", erklärt Kuschel. "Aber er hat sich selbst einer derartigen Behandlung unterzogen und dem entsprechend waren auch einige seiner Werke geprägt."

Drewermann beschäftigt sich gerne mit großen Autoren, so auch mit Hesse. "Das Individuelle verteidigen: Zwei Aufsätze zu Hermann Hesse" und der Vortrag "Die Orientreise – Der lange Weg zu sich selbst" im Rahmen des Hermann-Hesse-Kolloquiums sind nur zwei Beispiele seines Schaffens.

Ehepaar kümmert sich um Vermächtnis

Sich um das Werk von Hesse verdient gemacht zu haben, ist zwar ein Kriterium für mögliche Preisanwärter, aber nicht das einzige. Es wird auch Einsatz für den interkulturellen und interreligiösen Dialog vorausgesetzt. Der Dalai Lama und Gandhi seien immer wieder Bezugsfiguren von Drewermanns Denken, sagt Kuschel. In seinem Buch "Dalai Lama – Der Weg des Herzens" setze der Autor sich mit der Spiritualität des Buddhismus auseinander.

"Sei, beziehungsweise werde, du selbst. Das hat Hesse einmal gesagt", erinnert sich Literaturpädagoge Herbert Schnierle-Lutz, der am Tag der Preisverleihung mit Kuschel in der Jury sitzen wird. "Was er damit sicherlich nicht gemeint hat, ist die Masse der Selbst-Optimierer der heutigen Zeit. Niemand kann die wahre Bedeutung von Hesses Satz besser erklären, als Drewermann."

Die Wahl sei schnell auf den Schriftsteller gefallen, meinen die Jury-Mitglieder. Ein so junger Preis brauche prominente Persönlichkeiten, um an Geltung zu gewinnen. Daher sei man froh, Drewermann gefunden zu haben. Der Preis der IHHG wurde vor zwei Jahren zum ersten Mal vergeben, und zwar an den Schriftsteller Adolf Muschg. Die Stifter des Preises in Höhe von 10 000 Euro sind Sybille Siegenthaler-Hesse und ihr Mann Hanspeter Siegenthaler aus Basel. Erstere ist die Enkelin von Hermann Hesse persönlich. Das Ehepaar kümmert sich sehr um das Vermächtnis des Autors.

Der Preis sei übrigens nicht zu verwechseln mit dem Karlsruher oder dem Calwer Hermann-Hesse-Preis. Beide haben laut Kuschel nicht unmittelbar etwas mit dem literarischen Schaffen Hesses zu tun. Die Träger des Preises der IHHG dagegen müssen sich für das Werk des Autors eingesetzt haben.

"Als ich vor drei Jahren die Präsidentschaft für die IHHG übernommen habe, hatte der Verein etwa 100 Mitglieder", erinnert sich Kuschel. "Inzwischen sind es mehr als 200." Das komme im Wesentlichen auch durch die Preisverleihungen zustande. "Dadurch zeigen wir, dass wir aktiv etwas dafür tun, dass Hesses Werk wahrgenommen wird."

Die Preisverleihung findet im Rahmen der Mitglieder-Versammlung der IHHG statt. Getragen wird die Hermann Hesse Gesellschaft von den Hesse-Orten Calw, Gaienhofen und Montagnola.

Daher wird die Preisverleihung im Wechsel alle zwei Jahre an einem der drei Orte veranstaltet, dieses Jahr in Calw. Neben Kuschel und Schnierle-Lutz werden unter anderen der Herausgeber Volker ­Michels sowie Regina Bucher, die Direktorin des Hermann Hesse-Museums Montagnola, und in der Jury vertreten sein.

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