Ein Greifvogel hat Anfang der Woche einen Jogger bei Stammheim attackiert (Symbolfoto). Foto: dpa

Mann wird am Kopf verletzt. Nabu erklärt: Tiere greifen an, um Nachwuchs zu schützen.

Calw-Stammheim -  Angriff in Stammheim: Ein Jogger ist Anfang der Woche zwischen Freibad und Sportplatz von einem Greifvogel attackiert worden. Die Stadt Calw stellte deshalb bereits am Mittwochnachmittag Warnschilder auf.

Es ist wohl beinahe das letzte, womit Jürgen W. (Name von der Redaktion geändert) rechnet, als er am Montagabend nahe der Erdbeerfelder bei Stammheim joggt: Plötzlich bekommt er einen Schlag gegen den Hinterkopf – wie aus dem nichts. Der Täter: Ein großer Greifvogel, den er gerade noch wegfliegen sieht – und der blutige Kratzer an W.’s Kopf hinterlässt.

Seinen Namen möchte der bescheidene Mann lieber nicht in der Zeitung lesen. Ihm ist nur  wichtig, die Öffentlichkeit zu informieren. "Ich will, dass man einen Hinweis gibt – man will ja auch den Tieren nichts Böses", sagt er.

Denn die Attacke des Vogels ist keineswegs unerklärlich oder unheimlich – und hat auch nichts mit einer Art Aufstand der Tiere zu tun, wie es aus dem  Horrorfilm "Die Vögel"  von Alfred Hitchcock bekannt ist. Tatsächlich kam der Mann schlicht dem Horst des Tieres zu nahe, in dem es derzeit seine Jungen großzieht. Und "die Eltern fühlen sich in dieser Zeit dazu berufen, ihre Jungen zu verteidigen", erklärt Heinz Kowalski, Ornithologe   und Sprecher des Bundesfachausschusses für Ornithologie und Vogelschutz auf der Homepage des Naturschutzbunds (Nabu) Nordrhein-Westfalen.

Die Jungtiere seien derzeit  in der sogenannten Bettelflugphase. Mit anderen Worten: Der Vogelnachwuchs ist zwar bereits zu ersten Flügen imstande, wird allerdings noch immer von den Eltern versorgt und ist nicht selbstständig. Die erwachsenen Greifvögel können sich somit nicht mehr darauf verlassen, dass ihr Nest Schutz bietet, da die Jungen es verlassen.  Und gegebenenfalls bei Flugversuchen sogar auf dem Boden landen – in Reichweite von Fressfeinden. Die Folge: Wenn Bedrohungen – und dazu kann der Mensch zählen – näher kommen, greifen die Tiere unter Umständen zum Schutz ihrer Nachkommen an. Dabei sei es "die Geschwindigkeit, die den Bussard dazu veranlasst, in dem Jogger eine Bedrohung für seine Jungen zu sehen", so Kowalski. Spaziergänger hätten üblicherweise weniger zu befürchten.

Trotzdem rät der Nabu, momentan Gegenden (sofern bekannt) zu meiden,  wenn dort Greifvögel nisten. "Sobald die Jungen selbstständig sind, kehrt bei den Eltern wieder Ruhe ein", erklärt Kowalski.

Das dürft übrigens in etwa drei Wochen der Fall sein, sagt Matthias Rehfuß, Ordnungsamtsleiter der Stadt Calw. Er bezieht sich dabei auf Angaben der Naturschutzbehörde im Landratsamt. Bis es so weit ist, hat Rehfuß nun  insgesamt drei Schilder rund um den Horst der Vögel anbringen lassen. Darauf zu lesen: "Bitte achten Sie im folgenden Bereich auf Greifvögel, die sich Ihnen nähern. Aufgrund der Brutzeit sind diese Vögel derzeit sehr aufmerksam und greifen möglicherweise auch Menschen an, sofern sie den Eindruck haben, dass durch den Menschen eine Gefahr für ihre Brut entstehen könnte."

Ein Hinweis, den Jürgen W. nicht mehr braucht. Er will sich übrigens in den kommenden Wochen an den Hinweis des Nabu halten – und einfach auf einer anderen Strecke joggen.

Info: Was tun, wenn’s passiert?

Nur wenige Menschen wissen, wo Greifvögel ihre Horste haben. Ein Angriff ist daher theoretisch überall möglich, wo die Tiere nisten könnten. Der Nabu gibt Tipps, wie man sich schützen kann, wenn es so weit kommt.

Ruhe bewahren

Wichtig sei es nicht zuletzt, Ruhe zu bewahren und sich langsam zu entfernen. Greifvögel würden häufig zuerst Scheinangriffe fliegen, bevor Krallen oder Schnabel zum Einsatz kommen. Vorrangig gehe es den Tieren darum, die potenziellen Angreifer zu verjagen.

Kopf schützen

Greifvögel attackieren stets die höchste  Stelle am Körper. Daher sei es wichtig, den Kopf zu schützen, beispielsweise mit den Armen, einem Hut oder einer Mütze.

Ablenkung schaffen

Dass die Tiere den höchsten Punkt angreifen, kann man nutzen  – indem man einen Stock über sich hält, der dann anstelle von Kopf oder Armen attackiert wird. 

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