Alle zehn mit dem Calwer Löwen ausgezeichneten Preisträger auf einem Bild. Der aktuelle überragt alle. Foto: Fritsch

Neujahrsempfang: Calwer Löwe an Eliteeinheit der Bundeswehr verliehen. Liebeserklärung von Dag Baehr. Mit Kommentar

Calw - Das war schon eine Überraschung. Bislang waren es stets Unternehmen, die mit dem Calwer Löwen ausgezeichnet wurden. Bei der zehnten Verleihung bedachte der Calwer Gewerbeverein die Eliteeinheit der Bundeswehr.

Es war schon fast eine Liebeserklärung, die Dag ­Baehr bei seinen Dankesworten abgegeben hat. So etwas ist von Generalen, zumindest öffentlich, eher selten zu hören. Calw, das zog sich wie ein roter Faden durch die Rede des Kommandeurs des Kommandos Spezialkräfte (KSK), ist ihm ans Herz gewachsen. Und die Auszeichnung hat ihn ganz offensichtlich gefreut. Zivile Anerkennung bekämen Soldaten so gut wie nie.

General liebt die Stadt

Baehr lebt zwar nicht in Calw, sondern im Stuttgarter Westen, freut sich aber jeden Tag auf die Fahrt in die Hermann-Hesse-Stadt. Er und seine Soldaten fühlten sich in der Stadt verwurzelt. Gäbe es einen Aufkleber "I love Calw", Dag Baehr würde ihn sich sofort an sein Auto heften.

Der Kommandeur machte zugleich klar, dass die Eliteeinheit Calw erhalten bleiben wird. Es sei schon bei der Aufstellung vor 20 Jahren über Alternativen gesprochen, und es seien auch danach andere Standorte untersucht worden. "Wir bleiben Ihnen erhalten", stellte der General unmissverständlich klar.

Schon beim Aufstellen des KSK war Baehr dabei und erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass es wesentlich dem Einsatz des Bundestagsabgeordneten Hans-Joachim Fuchtel zu verdanken sei, dass die Einheit heute in Calw stationiert ist.

Dem Vorsitzenden Jürgen Ott war durchaus bewusst, dass der Vorstand eine ungewöhnliche Entscheidung getroffen hatte. Nicht zuletzt wegen der wirtschaftlichen Bedeutung für Stadt und Landkreis habe man sich zu diesem Schritt entschlossen. Ott wies darauf hin, dass nach Schätzungen Fuchtels in den vergangenen 20 Jahren mehr als 100 Millionen Euro in den Standort Calw investiert worden sind. "Wir versuchen, alles was zulässig und erlaubt ist, an Unternehmen in der Region zu vergeben", betonte Baehr. Zudem seien die Soldaten und ihre Familien Kunden bei Handel und Gewerbe.

Ott betonte, dass das KSK weltweit ein Werbeträger für die Stadt sei. Und: "Die da oben auf dem Berg halten den Kopf für unser schönes Heimatland hin."

Auf gutem Weg

Der Gewerbeverein befinde sich weiter auf einem guten Weg, sagte Co-Vorsitzender Nicolai Stotz zu Beginn des Neujahrsempfangs im voll besetzten Brauhaus Schönbuch. Es habe sich ein Wir-Gefühl entwickelt. Nicht nur im Vorstand werde engagiert gearbeitet, auch von vielen Mitgliedern komme Unterstützung.

Dazu zählt auch die Stadt. Oberbürgermeister Ralf Eggert wies in diesem Zusammenhang auf die gemeinsamen Aktionen hin. Die seien wichtig, prägten sie doch das Image einer Stadt. Im Zeitalter des Internet, in dem stets alles verfügbar ist, müssten die Kunden zum Einkaufen im Einzelhandel begeistert werden. Calw, so Eggert, müsse als positive Stadt wahrgenommen werden.

Kommentar: Gut gebrüllt

Von Alfred Verstl

Es war nicht nur eine überraschende, sondern vor allem eine mutige Entscheidung des Gewerbevereins, das Kommando Spezialkräfte (KSK) mit dem Calwer Löwen auszuzeichnen. "Nicht jeder liebt uns", das weiß auch Kommandeur Dag Baehr. Denn vor dem Hintergrund der jüngeren deutschen Geschichte lässt sich über den Sinn von Soldaten und Militär kontrovers diskutieren. Gleichwohl vermisst die Bundeswehr zuweilen die Anerkennung der Zivilgesellschaft. Das gilt für eine Eliteeinheit wie das KSK in ganz besonderem Maß, verrichten diese Soldaten doch einen der härtesten Jobs der Welt. Es war zu spüren, dass eine symbolische Geste wie die Verleihung des Calwer Löwen General Baehr und seiner Truppe guttut bis in den kleinen Zeh. Insofern hat der Calwer Gewerbeverein eine richtige Entscheidung getroffen. Gut gebrüllt, Löwe!

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: