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Calw Fünfjährige Alina erkrankt an Leukämie

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Die Familie Roller möchte trotz der Krankheit von Alina (links) positiv bleiben. Foto: privat

Calw-Wimberg - Von der einen auf die andere Sekunde wird das Leben der Familie Roller auf den Kopf gestellt, als sie die schreckliche Diagnose erhalten: Ihre kleine Tochter Alina leidet an Leukämie. Wie die vierköpfige Familie aus Calw mit diesem Schicksal umgeht, erzählt sie in unserem (SB+)-Artikel.

Bei Familie Roller ist seit dem 1. September fast nichts mehr, wie es einmal war. Die vier erlebten gerade ihren zweiten Urlaubstag am Chiemsee, als sich Tochter Alina über schweres Seitenstechen beklagte. Weil es zweimal hintereinander auftrat, gingen Lena und Matthias Roller mit der Fünfjährigen noch im Urlaub zum Kinderarzt. Matthias Roller erinnert sich noch daran, dass er abends, nach einem Schwimmbadbesuch, acht Anrufe des Arztes auf dem Handy hatte. "Oh je", habe er sich da gedacht, und dann beim Telefonat mit dem Mediziner erfahren, dass Alinas Blut Entzündungswerte aufweise und die Leber ziemlich groß sei. Noch am selben Abend schickte sie der Kinderarzt ins Krankenhaus nach Traunstein, wenige Stunden später erfuhren die Eltern, dass ihre kleine Tochter Leukämie hat. Das war am 1. September.

Coronabedingt waren selbst Besuche nicht erlaubt

In dieser Nacht brachte ein Krankenwagen Alina und ihre Mutter ins Stuttgarter Olgahospital. Der Vater und die siebenjährige Tochter Lea fuhren tags darauf mit dem Wohnwagen nach Hause. "Das Leben ist von einem Tag auf den anderen plötzlich anders", sagt Lena Roller. "Die ersten zwei Wochen haben wir einfach nur funktioniert." Sich ausgeweint, sich aber auch gesammelt. Und dann beschlossen: "So schwer es auch ist, die Zeit so schön und glücklich wie möglich zu gestalten."

Nach einer Woche in der Klinik wechselten sich die Eltern ab. Die nächsten beiden verbrachte Vater Matthias mit Alina in Stuttgart. In dieser stationären Zeit sei es darum gegangen, die "unheimlich hohen Leukozytenwerte (weiße Blutkörperchen)" in den Griff zu bekommen, erklärt der 32-Jährige.

In den drei Wochen durfte Alina das Krankenhaus nicht verlassen. "Wenn ich zu Hause bin, will ich erst mal in den Wald", habe sie gesagt. Coronabedingt waren selbst Besuche nicht erlaubt. So lange durfte also Lea ihre jüngere Schwester nicht sehen. Auch für die Siebenjährige eine schwierige Situation.

Wegen der Chemotherapie fallen die Haare aus

Alina gehe es gerade verhältnismäßig gut, sagen die Eltern. Inzwischen fahren sie und ihr Vater montags bis donnerstags jeden Vormittag zum Olgahospital, wo sie eine Spritze und Infusionen bekommt. Dann hat das Mädchen drei Tage Behandlungs-Pause. Wegen der Chemotherapie verliert Alina Haare. "Aber sie nimmt es sehr gut an", erzählt ihre Mutter. Die Eltern versuchen, ihrer Tochter kindgerecht zu vermitteln, was gerade passiert. Obwohl sie erst fünf ist, bekomme Alina alles ganz bewusst mit. So habe eine Oberärztin sie gefragt: "Alina, wie geht’s?" Die Antwort der Fünfjährigen sei gewesen: "Mir geht’s gut, aber was richtig scheiße ist: Meinen Urlaub konnte ich nicht zu Ende machen." Sie wolle wieder an den Strand.

Das ist ein Ziel, das sich das Mädchen gesetzt hat: nächstes Jahr am Meer zu sitzen, an der Südsee. "Da gibt es nämlich keine Ärzte." Immer ein Ziel vor Augen haben: sei es das Reiten, auf das Alina nicht verzichten muss, oder Treffen mit Freunden, wenn sie fit genug dafür ist. Das hat sich die Familie vorgenommen, um nicht die Lebensfreude zu verlieren. Darüber hinaus gestalten die Rollers ihren Tagesablauf so normal wie möglich. Selbst wenn vieles erst einmal ruht: Die Renovierung des vor einer Weile gekauften Hauses auf dem Wimberg. Die Arbeit als Tagesmutter – Lena Roller war voll berufstätig. Oder die Arbeit als Zimmermann, der Matthias Roller nur nachgehen kann, wenn er nicht mit Alina ins Krankenhaus muss.

Die ersten sechs bis neun Monate nach der Diagnose ist die Therapie intensiv. Danach wird Alina zwei Jahre lang Tabletten nehmen müssen, bis die Form der Leukämie, an der sie leidet, in der Regel als geheilt gilt. Die Familie setzt bei der Behandlung nicht nur auf die Chemotherapie, sondern wird auch von einer Heilpraktikerin unterstützt – immer in Absprache mit den Stuttgarter Ärzten. Mit Homöopathie haben die Rollers bereits gute Erfahrungen gemacht. Sie hoffen, "von allen Wegen das Beste mitnehmen zu können".

Homöopathische Therapie ist teuer

Doch die homöopathische Therapie ist teuer, die Familie muss dafür alleine aufkommen. Eher nebenbei, im Gespräch, habe seine Schwägerin die Idee gehabt, die Situation einmal auf Facebook zu schildern, berichtet der 32-Jährige. Sein Beitrag wird innerhalb kürzester Zeit 300 Mal geteilt.

Die Unterstützung, die folgt, ist enorm: Bisher Fremde lassen der Familie Spenden zukommen, ein Blumengeschäft auf dem Wimberg unterstützt sie, der Erlös eines Tupperabends kommt ihr zugute und Alinas Kindergarten organisiert einen Kuchenverkauf auf dem Markt. Ergebnis: 1143 Euro. Darüber hinaus nähen Freundinnen für Alina und Lea. Das auch die große Tochter nicht vergessen wird, ist den Eltern besonders wichtig – die Mädchen erhalten Briefe und werden von den Knieschleifern Nagold, einer losen Motorradgruppe, denen ihr Papa angehörte, überrascht. Inzwischen werde er in Calw sogar angesprochen von Fremden, ob er Alinas Vater sei. "Wir sind total überwältigt", sagt die 30 Jahre alte Lena Roller.

Das Ehepaar will etwas zurückgeben. Deshalb haben die beiden die Facebook-Gruppe "Wir sind eins. Gib Leukämie keine Chance" gegründet. Als Vater war er im Krankenhaus manches Mal überwältigt und überfordert von all dem Unbekannten. Hätte er in diesen beiden Wochen jemanden mit ähnlichen Erfahrungen an seiner Seite gehabt, wäre seine Angst kleiner gewesen, erklärt Matthias Roller. "Keiner braucht sich alleine fühlen in der Situation", ergänzt seine Frau. Genau deshalb soll die Gruppe ein Treffpunkt werden: einerseits für die Unterstützer der Familie, die so erfahren, wie es Alina inzwischen geht und was ihre Hilfe bewirkt. Andererseits für andere betroffene Familien, damit sie Erfahrungen und Sorgen teilen können.

Gleichzeitig wollen sie ihnen helfen, das Vertrauen ins Leben nicht zu verlieren. Alinas Eltern glauben an die Kraft positiver Gedanken. Matthias Roller nutzt das Bild eines weißen Blattes, auf dem sich ein schwarzer Punkt befindet. Manche Menschen würden sich nur auf den störenden Punkt konzentrieren. Die Calwer Familie will dagegen das weiße Blatt und damit all das Gute im Blick gehalten. "Ich finde, das Leben ist nie gegen einen", erklärt Lena Roller. Wenn sie anderen helfen können, könnten sie aus dem Schlechten, der Leukämie, etwas Gutes machen. Das Beste freilich wäre, tatsächlich mit der geheilten Alina am Südsee-Strand zu sitzen.

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