Mit der Sanierung der Deponie Tälesbach soll ein Abrutschen in Richtung Hirsau vermieden werden. Foto: Hölle

Landratsamt will vor allem das Abrutschen vermeiden / Bürgerinitiative Tälesbach scheitert mit Petition

Calw - Nach jahrelangem Hin und Her kann jetzt mit der Sanierung der Deponie Tälesbach begonnen werden. Für das Landratsamt ist es höchste Zeit, geht es doch darum, das Abrutschen zu vermeiden und so den Stadtteil Hirsau zu schützen.

Die Petition der Bürgerinitiative Tälesbach ist gescheitert. "Die Linie der Verwaltung wurde in vollem Umfang bestätigt", sagte Joachim Bley. "Es muss los gehen und wir werden aufs Tempo drücken", so der Dezernent für Umwelt und Ordnung. Wie Abteilungsleiter Matthias Kreuzinger ergänzte, soll bereits im Februar mit der Ausstockung des Waldes begonnen werden. Es folge die Ausführungsplanung. Insgesamt handele es sich um ein sehr umfangreiches und schwieriges Verfahren.

Die Ausschreibung werde europaweit erfolgen. Damit ist nicht sicher, dass das Auffüllmaterial, mit dem die Deponie gesichert werden soll, von der Baustelle Stuttgart 21 kommt. Wie Kreuzinger betonen, werde genau auf die Qualität geachtet. Material, das sich auslaugt oder quellfähig sei, komme nicht in Frage. Bley kündigt an: "Wir fordern Nachweise über die Fortschritte bei dem Projekt. Und wir kontrollieren das Material."

Das Abrutschen der Deponie in Richtung Hirsau und damit eine Gefährdung der dort lebenden Bevölkerung habe bei dem Projekt oberste Priorität. Und dieses Ziel gelte es, möglichst wirtschaftlich zu erreichen. Deshalb komme ein Abtragen des Altmaterials, wie von der Bürgerinitiative gewünscht, nicht in Frage. Denn damit werde die Sanierung laut Bley und Kürzinger nahezu doppelt so teuer. Dann hätte man 750 000 Kubikmeter abtragen, abfahren, sortieren und entsorgen müssen. Nach Bleys Einschätzung würde das mindestens 18 Millionen Euro kosten.

Die Umsetzung des nun anstehenden Projekts kostet neun Millionen Euro. Diese Kosten teilen sich die Stadt Calw und die Deutsche Bahn, die die Deponie befüllt haben und die seit 1972 geschlossen ist. Der Stadt Calw, so Bley, könne mit einem Zuschussbescheid "in siebenstelliger Höhe" rechnen. Der Dezernent geht davon aus, dass rund 70 Prozent der Kosten vom Land getragen werden. An der Stadt würden somit rund 1,5 Millionen Euro hängen bleiben.

Dort geht man bislang von einer Million Euro aus. Es gelte abzuwarten, bis der Zuschussbescheid vorliege, so Oberbürgermeister Ralf Eggert gegenüber unserer Zeitung. Er sei letztlich froh, dass die Sanierung jetzt in Angriff genommen werden kann.

Wie eine vierstufige Untersuchung nach der Altlastenerkundungsmethode ergeben hat, ist die Deponie nicht übermäßig mit Schadstoffen belastet. Laut Bley handelt es sich um eine Deponie, "wie wir sie hundertfach in der Region haben." Die Bahn habe dort vor allem Bauschutt, Mineralstoffe und Speiseabfälle entsorgt.

Wenig Chancen sehen Bley und Kreuzinger für einen Bahntransport des Auffüllmaterials in Verbindung mit einer Reaktivierung des Gleiskörpers. Theoretisch sei das zwar möglich, sie glauben aber nicht, dass dies wirtschaftlich umzusetzen ist.

Die beiden Umweltexperten des Landratsamts sagen, dass die Öffentlichkeit stets intensiv informiert worden sei. Sie verweisen auf die Informationsveranstaltung im Kursaal Hirsau und auf den Besuch in öffentlichen Gemeinderatssitzungen. Auch habe es Gespräche mit der Bürgerinitiative gegeben. Daran soll auch bei der Umsetzung des Projekts festgehalten werden. Zudem soll die bereits bestehende Zusammenarbeit mit den Umweltorganisationen BUND und Nabu fortgesetzt werden.

Die Bürgerinitiative wolle auf jeden Fall weiter Kontakt zum Landratsamt halten, betonte Mitglied Saskia Esken auf Nachfrage unserer Zeitung. Über das genaue weitere Vorgehen wolle die Organisation noch beraten.