Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Calw Florian Kling bei Festakt in OB-Amt eingesetzt

Von
Florian Kling (links) bekam nach seiner Vereidigung durch Dieter Kömpf die goldene Amtskette überreicht. Foto: Klormann

Wenn der Calwer Gemeinderat tagt, ist die Anzahl der Zuhörer aus der Bevölkerung in der Regel überschaubar. Nicht so am Dienstagabend in dieser Woche - was jedoch kaum verwundert. Immerhin wurde im Rahmen dieser Sitzung, die nicht wie üblich im Rathaus, sondern in der Aula abgehalten wurde, der neue Oberbürgermeister Florian Kling vereidigt.

Kömpf: "Der neue OB ist vor allem Ihr OB"

"So viele Menschen können wir sicher nur alle acht Jahre zu einer Sitzung willkommen heißen", stellte Dieter Kömpf, Stellvertreter des Oberbürgermeisters und Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler im Gemeinderat, fest. Und auch, wenn er sich wünsche, dass zu den restlichen Sitzungen des Gremiums ebenfalls mehr Besucher kommen, freute er sich dennoch über den großen Andrang in der voll besetzten Aula. Denn: "Der neue OB ist vor allem Ihr OB", sagte Kömpf, direkt an die Bürger gerichtet.

Sylvia M. Felder, Regierungspräsidentin des Regierungsbezirks Karlsruhe, sprach von einem "herausragenden Ereignis", das an diesem Abend mit der Amtseinsetzung begangen werde. Auch wenn Calw angesichts der zahlreichen OB-Wechsel in den vergangenen Jahren eine "gewisse Übung darin" habe, solche Ereignisse auszurichten, fügte sie schelmisch hinzu. Mit Blick auf die nahezu zeitgleich ablaufende Verleihung des Literatur-Nobelpreises ging sie auch auf die Bedeutung von Sprache ein. Diese sei eine der höchsten Kulturleistungen des Menschen - und "der Schlüssel, wie wir zusammenleben". In einer Welt, in der Lautstärke und das Verdrehen von Wahrheit immer mehr überhand nehme, in einer Zeit geistiger Brandstifter, in der nicht nur das Klima, sondern auch die "Ökologie des Zusammenlebens" in Gefahr gerieten, sei es daher umso wichtiger, sich einer behutsamen, achtsamen Sprache zu bedienen - gerade in der kleinen Welt einer Kommune.

Ein Amt mit viel Verantwortung

Darüber hinaus hob sie die Bedeutung der kommunalen Selbstverwaltung hervor. Denn "wo sonst, wenn nicht hier vor Ort", werde umgesetzt, wofür die "große" Politik den Rahmen abstecke - sei es beim Ausweisen von Wohn- und Gewerbegebieten oder auch beim Bau von Kindergärten. Der Gemeinderat sei dabei der "Garant für die Ausgewogenheit der Interessen"; gemeinsam mit Bürgermeister oder Oberbürgermeister gelte es, die Willensäußerungen der Bevölkerung wahrzunehmen und zu moderieren. Daher wertete sie es auch als "wertvolle Symbolik", dass der OB gerade vom Gemeinderat verpflichtet werde.

"Oberbürgermeister ist ein schönes Amt", sagte sie schließlich noch direkt an Kling gerichtet. Es stehe für die Identifikation mit einer Stadt und warte mit zahlreichen Möglichkeiten der Gestaltung auf. Gerade letzteres mache sowohl den Reiz der Aufgabe auf, sei jedoch auch eine große Verantwortung.

Ein "keineswegs langweiliger Wahlkampf"

Bevor Kömpf anschließend zur Vereidigung schritt, erinnerte er an den Rat, den Ex-OB Ralf Eggert allen Calwern bei seiner Verabschiedung mit auf den Weg gegeben hatte: "Vergesst nie die Schönheit dieser Stadt." Denn die Liste der anstehenden Aufgaben, die es in den kommenden Jahren zu bewältigen gelte, sei lang - von der Hesse-Bahn bis zur Ansiedlung von Gewerbe, um das Einnahmen-Problem der Stadt in den Griff zu bekommen. Dazu brauche es Mut zur Veränderung. "An einer Stadt wird ununterbrochen gebaut und weiterentwickelt" führte Kömpf aus. Angesichts der noch immer angespannten Finanzlage ein Balanceakt, den der Gemeinderat nun gerne mit Kling gehen werde. Dennoch solle man bedenken, "auf welch hohem Niveau wir uns eigentlich beklagen", so Kömpf. Calw brauche sich vor anderen Kommunen wahrlich nicht zu verstecken. Zudem solle immer bedacht werden, dass nicht nur Baumaßnahmen, sondern vor allem eine intakte Gemeinschaft wichtig seien. Und dazu müssten sowohl Gemeinderat, als auch OB, Verwaltung und nicht zuletzt die Bürger beitragen. "Oft ist der Weg der Mehrheitsfindung steinig und voller Kompromisse", gab er Kling mit auf den Weg. Das gehöre aber zu einer lebendigen Demokratie dazu. Er riet dem frisch gebackenen OB, für seine Überzeugungen einzutreten, sich (wenn es gerechtfertigt sei) aber auch überzeugen zu lassen. Und wünschte ihm auch eine "geduldige Ehefrau". Unter anderem durch Wochenend- und Abendtermine sei das Amt mit vielen Entbehrungen verbunden. Er selbst habe dies in den vergangenen Wochen, als Stellvertreter des OBs, selbst erlebt. "Ich möchte nicht mit Ihnen tauschen", schloss Kömpf mit einem Lächeln.

Als Vertretung für den erkrankten Landrat Helmut Riegger war dessen Stellvertreter, der Erste Landesbeamte Frank Wiehe, gekommen. Nach einem "keineswegs langweiligen Wahlkampf", in dem Kling sich das Vertrauen der Bürger erworben habe, wünschte Wiehe den Calwern, dass die Gräben, die sich zum Teil durch Gemeinderat, Verwaltung und Bürger ziehen würden, nun der Vergangenheit angehören sollten.

Enge Bande zwischen Stadt und Landkreis

"Das hat diese Stadt einfach verdient", betonte er unter dem Applaus der Gäste. "Nutzen Sie Ihre Chance für ein neues Miteinander." Darüber hinaus sicherte er Kling vonseiten des Kreises Unterstützung bei der Interessenvertretung gegenüber Land und Bund zu. "Sprechen Sie uns an, wir stehen an Ihrer Seite", so Wiehe. Ohnehin gebe es enge Bande zwischen Stadt und Landkreis - sei es in Sachen Krankenhaus, Hesse-Bahn oder Kultur und Tourismus.

Ulrich Bünger, Wildbergs Bürgermeister und Kreisverbandsvorsitzender des Gemeindetags, begrüßte Kling als neuen Kollegen. Bereits bei einem ersten Gespräch habe er gemerkt, "dass du die dir übertragene Aufgabe sehr ernst nimmst", sagte er an den neuen OB gerichtet. Er warnte ihn aber auch, dass es "im Laufe der Zeit die eine oder andere Enttäuschung" geben werde. Hierbei müsse er auseinander halten, ob eine solche ihm persönlich oder der Sache geschuldet sei. An die Bürger gerichtet riet er, den OB, die Verwaltung sowie den Gemeinderat zu unterstützen und sich auch selbst einzubringen.

Als letzter trat schließlich Kling selbst ans Rednerpult. "Es ist mir eine große Freude und Ehre zugleich, nun die Amtskette des Oberbürgermeisters der Großen Kreisstadt Calw tragen zu dürfen", unterstrich er. Dennoch sei ihm bewusst, dass er sich damit in eine dauerhafte Kette von Vorgängern und Unterstützern einreihe, die die Stadt zuvor am Laufen gehalten hätten. Und auch, wenn er die Amtsgeschäfte sicherlich anders führen werde, so sei er Eggert doch überaus dankbar für dessen Arbeit, einen aufgeräumten Schreibtisch und ein "niegelnagelneues Rathaus", das er ihm hinterlassen habe - mit einer tollen, funktionierenden Stadtverwaltung.

Kling: "Ich möchte die Bürger als OB mitnehmen"

Sein erstes Wahlversprechen - nach Calw umzuziehen - habe er inzwischen bereits eingelöst. Richtig eingelebt werde er sich zwar vermutlich erst haben, wenn auch seine Frau im kommenden Jahr zu ihm ziehen könne. Angekommen sei er allerdings - "an einem Platz und in einem Amt, in dem ich mit jeder Faser meines Herzens gerne sein möchte". Er selbst sehe sich nun am Ausgangspunkt eines Weges, den er gemeinsam mit allen Bürgern gehen wolle. Im kommenden Jahr gelte es, die Grundlagen für eine umfassende Bürgerbeteiligung zu schaffen, um gemeinsam zu bestimmen, "wo wir hin möchten und wie wir dahin kommen" - auch für nachfolgende Generationen. "Ich möchte die Bürger als OB mitnehmen", betonte Kling. Dazu gehöre auch, Verwaltung und Politik transparenter zu gestalten. Nicht zuletzt liege ihm eine Zusammenarbeit mit den Nachbarkommunen sowie dem Land am Herzen.

Besonders wichtig sei ihm, dass die Bürger sich nicht von der Politik distanzieren, sondern ihnen bewusst werde, wie viel sie eigentlich mitreden dürfen - so sie denn wollen. Denn vieles, was vor der Haustür geschehe, werde eben auch hier beeinflusst, gesteuert und zum Teil sogar entschieden.

Calw gemeinsam gestalten

Eine Herausforderung stelle natürlich die finanzielle Situation der Stadt dar. Durch gute Konjunktur sei es in den vergangenen Jahren zwar gelungen, einiges an Schulden abzubauen; dennoch habe man lange von der Substanz gelebt. Bei Gebäuden und Straßen gebe es einen Sanierungsstau; vieles sei während der Rathaussanierung auf der Strecke geblieben und dränge nun mit Macht an die Oberfläche. Kling rechnet mit Gegenwind, dem er sich aber stellen werde.

Zugleich sehe er aber auch die zahlreichen Chancen, die sich in den kommenden Jahren bieten dürften. Neben Projekten wie Hesse-Bahn und Gewerbegebieten schwebt ihm hier vor allem ein "Leitbild 2040" vor, das gemeinsam erarbeitet werde und zeigen könne, wo die Reise hingehen soll. Die Stadt sei dazu aber nicht allein in der Lage, dazu brauche er auch die Bürger. "Ich zähle auf Sie", bekräftigte Kling - und lud alle Calwer ein, gemeinsam an einem Strang zu ziehen, um "unsere Heimat" zu gestalten und voranzubringen.

Der Festakt wurde von zahlreichen Künstlern umrahmt: von den Männerstimmen der Aurelianer, über die Stadtkapelle und die Jazzdance-Gruppe der Musikschule bis zur "Ratz-Fatz-Combo" des Hermann Hesse-Gymnasiums.

Ihre Redaktion vor Ort Calw

Ralf Klormann

Fax: 07051 1308-91

Flirts & Singles

 
 

Top 5

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.