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Calw Entsteht auf dem Wimberg ein Kinderhaus?

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Die Betreuungsmöglichkeiten auf dem Wimberg sorgten erneut für Diskussionen. (Symbolfoto) Foto: Andrey Kuzmin – stock.adobe.com

Calw-Wimberg - Die Gespräche über die Zukunft der Kinderbetreuung auf dem Wimberg gehen in die nächste Runde. Statt des ursprünglich vorgesehenen zweigruppigen Kindergartens in der Waldsiedlung liebäugelte der Bau- und Umweltausschuss in seiner jüngsten Sitzung nun mit einem weit größeren Projekt: einem Kinderhaus auf dem Gelände der Werkrealschule.

Seit November 2018 arbeitet die Calwer Stadtverwaltung an Plänen für den Neubau eines zweigruppigen Kindergartens in der Wimberger Waldsiedlung. Mehrere kommunale Gremien in Calw – vom Kultur-, Schul- und Sportausschuss über den Bau- und Umweltausschuss bis zum Gemeinderat – hatten diesem Vorhaben in den vergangenen Monaten auch stets zugestimmt. Bis zur Sitzung des Gemeinderats im März dieses Jahres.

Vorgeschichte

Kurz vor dem Bauantrag bemängelten die Räte damals unter anderem, bei dem Entwurf fehlten sowohl genügend Parkplätze, als auch die Möglichkeit, das Gebäude um ein dritte Gruppe zu erweitern. Gerade eine solche Erweiterung war zwar im vergangenen Jahr im Gespräch gewesen; allerdings hatte die Abteilung Hochbau darauf hingewiesen, dass das vorgesehene Grundstück dafür zu klein sei. Ungeachtet dessen hatte der Gemeinderat im März entschieden, das Projekt nochmals an den Bau- und Umweltausschuss zurückzuspielen und der Verwaltung den Auftrag erteilt, Vorschläge für eine Erweiterung zu erarbeiten.

In der jüngsten Sitzung des Gremiums präsentierte die Verwaltung daher nun verschiedene Alternativen, die man für die Zukunft weiterverfolgen könnte. Wobei Oberbürgermeister Florian Kling zu Beginn nochmals darauf hinwies, das bislang stets lediglich ein zwei­gruppiger Kindergarten beauftragt worden sei. Dies wurde auch durch die ungewöhnlich ausführlichen Sitzungsunterlagen deutlich, die nicht nur den aktuellen Stand, sondern auch die alten Beschlussvorlagen der vorangegangenen Sitzung enthielten.

Darüber hinaus, so der OB, habe auch die Planung für die künftig notwendige Anzahl an Betreuungsplätzen ergeben, dass der Bedarf über den bislang geplanten Kindergarten gedeckt werden könne – unter anderem, weil derzeit auch kein großer zusätzlicher Bedarf beispielsweise aus Altburg oder Alzenberg zu erwarten sei, da es dort keine großen Neubaugebiete gebe.

Varianten

Die möglichen Varianten, die Andreas Hailer vom Hochbauamt vorstellte, gliederten sich von A bis F.

Variante A sieht vor, schlicht die bisherige Planung für den zweigruppigen Kindergarten weiterzuverfolgen.

Bei Variante B würde das Projekt leicht abgeändert, indem die vorgesehene Hol- und Bringzone in sechs Parkplätze umgewandelt wird.

Variante C ermöglicht eine Aufstockung der Gebäude und damit eine dritte Gruppe; zudem könnten die Hol- und Bringzone erhalten und zehn Stellplätze geschaffen werden – allerdings müsste dann ein weiteres, daneben liegendes Grundstück miteinbezogen werden. Dieses wurde daher momentan aus dem Verkauf genommen; die Stadt würde dadurch Einnahmen in Höhe von 118 560 Euro verlieren.

Bei Variante D müsste neu geplant werden; der Kindergarten würde dann auf einem deutlich größeren Grundstück im äußersten Nordwesten der Waldsiedlung entstehen. Hier wäre genug Platz für drei, eventuell sogar vier Gruppen sowie bis zu elf Parkplätze. Allerdings ist an dieser Stelle bislang Geschosswohnungsbau vorgesehen. Die Nachteile: längere Laufwege, auch in die Grünanlage in der Siedlungsmitte, höhere Grundstückskosten, Verlust von Geschosswohnungen, erneute Planungskosten und Zeitverlust.

Variante E umfasst den Neubau in der Waldsiedlung, wie er bis jetzt geplant wurde, zuzüglich der Möglichkeit, den alten Kindergarten in der Pestalozzistraße 13 bei Bedarf zu erweitern und umzubauen. Dort sei ausreichend Platz: Allein der Außenbereich dieser Einrichtung, das verdeutlichte eine in der Sitzung gezeigte Grafik, ist größer als das gesamte Grundstück, das für den Neubau vorgesehen ist.

Am besten schien den Räten jedoch Variante F zu gefallen: ein Verzicht auf den Kindergarten in der Waldsiedlung zugunsten eines möglichen Kinderhauses auf dem Areal der derzeit noch bestehenden Werkrealschule, die aufgrund zu geringer Anmeldezahlen in den kommenden Jahren auslaufen und schließen wird. "Möglichkeiten gibt es hier viele", führte Hailer aus – vom Umbau bis zum Abriss und Neubau. Fest stehe aber auch, dass alle Gebäude sanierungsbedürftig sind. Was möglich sei und was nicht, müssten weitere Untersuchungen klären.

Oberbürgermeister Kling brachte in diesem Zusammenhang erneut sein Bedauern über das Aus der Werkrealschule zum Ausdruck. Dieser "herbe Rückschlag" könne nun jedoch auch eine große Chance bieten, das "alte" und das "neue" Wimberg zusammenzuführen, den Austausch zu verbessern und insgesamt den Ort zu stärken. Dem OB schwebt dabei vor, eine Einrichtung zu schaffen, die sämtliche Betreuungsformen für Kinder im Alter zwischen null und zehn anbietet. Im Zuge einer Quartierentwicklung könnten darüber hinaus beispielsweise Räume für einen Jugendtreff oder die Volkshochschule entstehen.

Diskussion

Auch Jürgen Ott (Gemeinsam für Calw) sah bei der Variante F "viele Vorteile, viel Potenzial". Gerne hätte er auch bereits eine Kostenschätzung für die einzelnen Vorschläge gesehen, gab aber zu, dass dies zu diesem frühen Zeitpunkt noch zu viel verlangt wäre. Einen Nachteil sah er dagegen darin, dass jene, die sich Grundstücke der Waldsiedlung gekauft hätten, eben dort mit einem Kindergarten rechneten – zumal es für die neuen Wimberger Bürger Planungssicherheit hinsichtlich des Zeitfensters brauche. Kling erwiderte, dass die Kosten zumindest für die Varianten A und B klar seien: rund 2,5 Millionen Euro. Würden diese verworfen, wären zumindest die bereits angefallenen Planungskosten von etwa 110 000 Euro eventuell "in den Sand gesetzt". Hinsichtlich des Zeitfensters erklärte der OB, dass der Betreuungsbedarf ab September 2021 bestehe. Angesichts der Verzögerungen, die durch den Wunsch nach Alternativen vonseiten des Gremiums entstanden seien, könne dieser Termin aber ohnehin nicht gehalten werden. Eine Zwischenlösung werde so oder so gebraucht.

"Bis wann könnte man eine Kostenschätzung auf den Weg bringen?", wollte Adrian Hettwer (Gemeinsam für Calw) zur Variante F wissen. Zunächst, erläuterte Andreas Quentin, Leiter des Fachbereichs Planen, Bauen, Verkehr, müssten nun mehrere Büros beauftragt werden, Vorschläge für die Gestaltung des Areals zu erarbeiten. Diese könnten nach der Sommerpause vorliegen.

Auch Dieter Kömpf (Freie Wähler) plädierte für Variante F. "Wichtig ist nur, dass wir es relativ schnell machen", meinte er. Im Zweifelsfall habe man dann "vielleicht nur ein Dreivierteljahr verloren".

Irmhild Mannsfeld (Neue Liste Calw) sah ein mögliches Kinderhaus als "ausgesprochen gute Chance", "die man unbedingt nutzen muss". Ein weiterer Vorteil dieser Alternative sei, dass dann die nicht benötigten Grundstücke in der Waldsiedlung verkauft werden könnten. Angesichts der Corona-Krise komme es auf jede mögliche Einnahme an.

OB Kling betonte am Ende, dass es zudem auch wichtig sei, die Menschen auf dem Wimberg "abzuholen" und in die Planungen miteinzube­ziehen.

Empfehlung

Letztlich sprach der Bau- und Umweltausschuss dem Gemeinderat einstimmig die Empfehlung aus, die Verwaltung mit der Weiterentwicklung der Variante F zu beauftragen und eine Mehrfachausschreibung für verschiedene Büros vorzubereiten. Der Ball liegt nun beim Gemeinderat.

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