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Calw Emotionaler Abschied von OB Ralf Eggert

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Ralf Eggert und seine Ehefrau Eva. Foto: Fritsch

Calw - Ein Abend der Emotionen. Der Traurigkeit auf der einen Seite – darüber, dass Oberbürgermeister Ralf Eggert die Stadt verlässt. Und der Klarheit auf der anderen Seite – darüber, warum er das tut. Das wurde bei der offiziellen Verabschiedung in der Aula bei fast allen Rednern deutlich.

Die Aula füllt sich, der Noch-Oberbürgermeister Ralf Eggert ist von Menschen umringt. Zu seiner Verabschiedungsfeier kommen etwa 350 Leute – städtische Würdenträger, Kollegen aus anderen Gemeinden, Landrat Helmut Riegger, der Kommandeur der Kommando Spezialkräfte (KSK), Markus Kreitmayr, Feuerwehrleute, Mitarbeiter der Verwaltung, Gemeinderäte. Und natürlich etliche Bürger. Sie alle wollen Eggert "Lebewohl" sagen. Umrahmt wird die Verabschiedung von einem Cello-Quartett der Musikschule Calw, der Stadtkapelle Calw sowie der Jazz Dance-Gruppe der Musikschule.

Für den amtierenden OB und seine Familie, aber auch für Calw, werde bald ein neues Kapitel aufgeschlagen, führt Regierungspräsidentin Sylvia M. Felder aus. "Und der Wechsel ist das einzige Beständige", sagt Felder. Auch in der Kommunalpolitik, im ­Rathaus. "Hier beginnt Politik", betont die Regierungspräsidentin. Grundlage dafür seien Kompromisse. Und genau die kommen oftmals zu kurz – "Lautstärke ersetzt Inhalte, das muss uns aufrütteln."

Kritik aus Reihen der Redner

Fehlende Kompromissfähigkeit – auch im Calwer Gemeinderat? Einzelne Spitzen, die darauf verwiesen, sind bei nahezu jedem Redner an diesem Abend herauszuhören. Auch beim stellvertretenden Bürgermeister Dieter Kömpf (Freie Wähler). "Wenn es nach mir ginge, würden wir heute nicht hier zu­sammenkommen", meint er bedauernd. Später in seiner Rede wird er darauf zu sprechen kommen, dass Eggert "oft Schläge unterhalb der Gürtellinie hat einstecken müssen". Daher bedauere, aber akzeptiere Kömpf dessen Entscheidung, Calw zu verlassen.

Zunächst aber wirft der Stellvertreter seinen Blick auf das, was Eggert in seiner achtjährigen Amtszeit geschafft hat. Er sei immer lösungsorientiert gewesen, freundlich, menschlich, sagt Kömpf. "Sie haben sich nie zu wichtig genommen", lobt der Stellvertreter.

Kömpf bezeichnet Eggert als Realist. Einer der, trotz geringer finanzieller Mittel, etliche Projekte vorangebracht habe. Jugendbeteiligung, Ausbau der Kinderbetreuung, ­Sanierung des Maria von Linden-Gymnasiums, An­siedlung der Kriminalpolizei in Calw, Krankenhaus, Schuldenabbau trotz alledem. "Ihnen war wichtig, nicht auf Kosten künftiger Generationen zu leben", richtet Kömpf die Worte an Eggert und dankt für dessen "unermüdlichen Einsatz". Sein Dank gelte auch Eggerts Ehefrau Eva, die so oft auf ihren Mann verzichten musste und doch "immer ein Lächeln geschenkt hat".

Freude am OB-Job verloren

Ulrich Bünger in seiner Funktion als Kreisverbandsvorsitzender Calw des Gemeindetags habe Eggert als "unbeirrbar positiv denkenden Menschen" erlebt, erklärt er in seinem Grußwort. "Dir ging es um das ›Wir‹." Aber, obwohl Eggert immer betont habe, den Job als OB zu ­lieben, habe er die Freude daran verloren. "Wir werden dich vermissen", meint ­Bünger. "Den Mann mit den verstrubbelten Haaren."

Auch die Personalratsvorsitzende Christine Heinkele hätte sich eine zweite Amtszeit mit Eggert gewünscht. Es sei stets ein wertschätzender Umgang miteinander ­gewesen.

Nun ergreift die Haupt­person an diesem Abend selbst das Wort. "Es ist ungewohnt, eine Veranstaltung nicht zu eröffnen", scherzt er, wird aber sogleich ernst. "Anfang des Jahres hätte ich mir noch nicht vorstellen können, heute hier zu stehen", gibt er zu. Schließlich habe der 49-Jährige lange auf seinen Beruf hingearbeitet und sei längst in Calw heimisch geworden. Aber es gibt eben Gründe für seine Entscheidung. Oder positiv formuliert: "Weiteste Teile meines Gemeinderats mag ich." Für die Zukunft wünscht sich Eggert ein positives Miteinander im ­Gemeinderat. Eine Stadt, die wächst und gedeiht. Größere finanzielle Spielräume. Und vor allem: Dass die Calwer endlich die Schönheit ihrer Stadt erkennen. Eggert kämpft mit den Tränen, als er zu seinem Schlusswort ansetzt: "Passen Sie gut auf Ihre große, schöne Kreisstadt auf."

Mit dem musikalischen Abschluss des Duos "Aleva", den Eggert selbst ausgesucht hatte, traf er die Anwesenden mitten ins Herz. Sie präsentierten das Lied "Wie schön du bist" von Sarah Connor, auf einer ­Leinwand wurden derweil ­Bilder von Calw und dem Noch-OB gezeigt. Ein Lied, in dem es kurz gesagt darum geht, zu erkennen, welche Schönheit in einer Person – oder in diesem Fall einer Stadt – schlummert. Zu diesem Zeitpunkt ist Eggert längst nicht mehr der einzige, der zu ­Tränen gerührt ist.

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