Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Calw Droht Xanderklinge der Kollaps?

Von
Die Besucher der Xanderklinge parken in Holzbronn auf jeder freien Fläche. Foto: Rembold

Calw-Holzbronn - Die Menschenmassen bei der Xanderklinge in Holzbronn werden scheinbar zu einem Problem. Der Schwarzwälder Bote sprach mit Anwohnern, die die Situation vor Ort allerdings unterschiedlich wahrnehmen.

Vor etwa vier Wochen berichtete der Schwarzwälder Bote bereits über die Wahrnehmung eines Wanderers bei der Xanderklinge. Damals war gar von "furchtbaren Zuständen" die Rede. Trotz der Corona-Pandemie habe sich niemand an die Abstands- und Hygienevorschriften gehalten, echauffierte der Wanderer sich. Von Hinweisschildern keine Spur. Laut Informationen unserer Zeitung stehen an der Xanderklinge seither zwar Hinweisschilder, die Situation sei dennoch unverändert.

Das sagt Yvonne Rembold. Sie wohnt in Holzbronn und hat sich beim Schwarzwälder Boten gemeldet, um aus ihrer Sicht zu schildern, wie es dort gerade zugeht. "Die Parkplatzsituation ist katastrophal. Die Autofahrer parken alles zu, ohne Rücksicht auf Verluste. Die Menschen veranstalten auf der Wiese vor unserem Haus machen ein Picknick und lassen ihren Müll und Fäkalien zurück", beschwert sich Rembold. So richtig wisse sie nicht, ob sie sich freuen soll, dass das Thema nun endlich mal zur Sprache kommt, oder ob sie sich ärgern soll, weil erst jetzt eingegriffen wird. "Seit März ist die Situation quasi unverändert. Von der Polizei wurde ich belächelt. ›Die Leute dürften doch mit Abstand in die Natur‹, hat man mir gesagt", erklärt sie. Rembold habe freie Sicht zur Xanderklinge. Wenn die Polizei kam, hätten sich die Gruppen aufgelöst, nur um später wieder zusammenzukommen. Zeitnah habe sie sich an die Stadt Calw gewandt und von der Situation erzählt. Sie habe sogar Oberbürgermeister Florian Kling angeschrieben. "Erstmal kam keine Reaktion. Als dann Herr Kling vier Tage später auf Instagram die Xanderklinge wieder beworben hat, kam ich mir verarscht vor. Ich hatte das Gefühl, dass es ihm scheißegal war", erzählt Rembold.

Kling hatte auf der Plattform einen Beitrag der Touristinfo Calw geteilt, der Wanderungen bei der Xanderklinge bewerben sollte. Etwas später entfernte die Touristinfo den Inhalt jedoch von ihrer Seite. Knapp zwei Woche danach hatte Kling ein Selfie von sich und zwei Mitarbeitern der Stadtverwaltung bei der Xanderklinge hochgeladen. Dazu hatte er geschrieben: "Mit dem Ortsvorsteher und dem Tiefbauamt auf Erkundungstour zur Verkehrssicherung. Bitte bleiben Sie auf den ausgeschilderten Wegen und achten Sie auf unsere Natur – sie ist das Wertvollste was wir haben! Es gibt so viele tolle Wanderwege in und um Calw, wenn jeder auf seine Schritte achtet und den Müll wieder mitnimmt, haben wir schon viel erreicht!"

Hinweis im Internet

Die Stadt hat sich dann aber doch noch gemeldet. Rembold bekam dieselbe Rückmeldung wie der Schwarzwälder Bote vor etwa vier Wochen von Anja Reinhardt, der Pressesprecherin des Landratsamts. Die Stadt wolle die Xanderklinge, beziehungsweise den "AugenBlick"-Rundweg nun nicht mehr explizit bewerben, sondern stattdessen auf andere, wenig bekanntere Wanderwege hinweisen. Auf der Homepage der Stadt ist folgender Hinweis zu lesen: "!!!Die Tour ist gerade sehr stark nachgefragt!!!!!! Da in Holzbronn nur sehr wenige Parkplätze zur Verfügung stehen, steuern Sie bitte die Wanderparkplätze um Holzbronn an!!!". Auch bei den Wanderportalen, die die Stadt bedient, ist die Tour entweder Offline oder es gibt einen Hinweis (Stand 3. August). In den sozialen Netzwerken wird die Tour allerdings auch beworben, und in diesem Bereich hat die Stadt keine Handhabe mehr.

"Man hat mir dann auch geantwortet, dass der Stadt keine sinnvolle Maßnahme eingefallen wäre, um die Parksituation zu verbessern, beziehungsweise ein Zusammenkommen der Wanderer zu verhindern", sagt Rembold. Da immer wieder andere Wanderer kommen, hätte eine Verwarnung durch den Gemeindevollzugsdienst null Wirkung. Eine Absperrung der Wanderwege würde wahrscheinlich nur zu einer Verlagerung führen. "Mir wurde dann geraten, die Polizei zu rufen, wenn sich die Besucher nicht an die Verordnung halten oder so parken, dass der Rettungsweg zu schmal ist", sagt Rembold.

Ulrich Federolf hat seinen Garten unmittelbar entlang der Xanderklinge und nimmt eine ganz andere Situation wahr. "Ich habe von meinem Garten aus einen direkten Blick auf die Wanderer, die vorbeikommen. Jeder wandert dort für sich, Gruppen mischen sich untereinander nicht", sagt er. Ihn stört es, welches Bild von der Xanderklinge gezeichnet wird. "Ich bin froh, dass es dieses Angebot überhaupt gibt", erklärt Federolf. Seiner Meinung nach sind die Schilderungen zu brutal. Bei ihm habe noch nie jemand Müll hinterlassen. Auch die Getränkekiste auf Spendenbasis, die von einem lokalen Betreiber angeboten wird, sei eine gute Sache. "Der Betreiber verdient damit kein Geld. Die Wanderer freut es aber", meint Federolf. Man müsse den Leuten auch mal ihren Spaß lassen und nicht immer alles mit Gesetzen regeln. "Ein bisschen Eigenverantwortung gehört dazu", sagt er. Einzig die Parkplatzsituation findet Federolf auch nicht ideal. "Es sind schon Parkplätze vorhanden, die sind aber auch nicht ausgeschrieben. Wenn jeder zum selben fährt, ist ja klar, dass dann dort alles zugeparkt ist", erklärt er.

Besucherboom befürchtet

Lisa Dömeland wohnt ebenfalls in Holzbronn. Sie störe der Lärm und die parkenden Autos weniger. Ihr gehe es um die Natur. "Die Xanderklinge ist nicht für so viele Besucher gemacht. Die Wanderer zertrampeln die Pflanzen und auch die Tiere ziehen sich zurück", sagt Dömeland. Dort herrsche ein empfindliches Gleichgewicht, das durch die Menschenmassen zerstört werde. "Ich finde, dass dort kontrolliert werden sollte, wie viele Menschen wandern wollen", sagt Dömeland. Sie befürchtet, dass es in den Sommerferien noch mal einen Besucherboom geben könnte. "Die Natur dort wird immer weiter zurückgedrängt. Die Menschen müssen endlich verstehen, dass das Konsequenzen hat."

Fotostrecke
Artikel bewerten
16
loading

Top 5

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.