Jürgen Rust hat 2018 zum letzten Mal den Calwer Weihnachtsmarkt organisiert. Foto: Fritsch Foto: Schwarzwälder Bote

Weihnachtsmarkt: Nach zehn Jahren ist Schluss / So viele Besucher wie noch nie / Werbung für die Stadt

"Ich habe es immer gern gemacht und mich jedes Jahr darauf gefreut." Doch nun hat Jürgen Rust 2018 zum letzten Mal den Calwer Weihnachtsmarkt organisiert.

 

Calw. "Ich möchte mehr Freiraum für mich haben", sagt der 71-Jährige. Im Juli beginnen die Vorbereitungen, ab September wird der Weihnachtsmarkt zum Vollzeitjob. "An ein paar Tage Urlaub ist dann nicht mehr zu denken", sagt der frühere Vertriebsmanager in der IT-Branche.

Die Hände in den Schoß legen wird Rust dennoch nicht. Er wird sich weiter um den Calwer Wochenmarkt kümmern und andere Projekte für die Stadt betreuen. Mit dem Weihnachtsmarkt wird es auf jeden Fall weiter gehen. Derzeit werden die Aufgaben im Fachbereich II Bildung, Kultur, Tourismus neu geordnet, sagt Christine Oertl, die seit 2013 Rust seitens der Stadtverwaltung unterstützt.

Stadt unterstützt

In den zehn Jahren, in denen Rust für den Weihnachtsmarkt verantwortlich ist, hat sich eine hervorragende Zusammenarbeit entwickelt. Ob von den Oberbürgermeistern Ralf Eggert und Manfred Dunst, Kulturamtsleiter Hans-Martin Dittus, dem Ordnungsamt oder dem Bauhof: An Unterstützung hat es Rust nie gefehlt.

Als er 2009 seinen ersten Weihnachtsmarkt organisierte, stand die Traditionsveranstaltung auf der Kippe, weil sich der bislang dafür verantwortliche Stadtmarketingverein aufgelöst hatte. Es war die Idee des damaligen OB Dunst, Rust, der gerade in Ruhestand gegangen war, anzusprechen.

Der machte sich mit viel Elan und einem neuen Konzept an die Arbeit. 2010 war dann das Motto "Märchenhaftes Calw" gefunden. Die Landesschau des Südwestrundfunks (SWR), die vor zwei Jahren vor Ort war, zählt Calw zu den zehn schönsten Weihnachtsmärkten in Baden-Württemberg.

Mittlerweile strömen an den vier Tagen rund 20 000 Besucher in die Hesse-Stadt. Nach ersten Schätzungen Rusts gestern Abend dürfte es 2018 sogar einen Besucherrekord gegeben haben.

Das hat schon am Donnerstag mit dem bis dahin wohl stärksten Eröffnungstag begonnen. Es sei inzwischen Tradition, nach der Arbeit mit Kollegen auf den Markt zu gehen, erzählt er. Schon vor 18 Uhr waren alle Parkhäuser belegt. Vom teilweise regenerischen Wetter ließen sich die Besucher nicht abhalten. Am Freitagabend staute sich der Verkehr bis nach Althengstett, am Sonntag waren viele Artikel ausverkauft.

Rust hat von Anfang an bei der Auswahl auf die Qualität der Händler geachtet. Stände mit Hosenträgern, Socken und Unterwäsche, wie sie auf Krämermärkten zu finden sind, hatten nie eine Chance. Und dieses Konzept hat sich ausgezahlt. Bis aus dem Großraum Stuttgart kommt inzwischen ein großes Stammpublikum, das nach seinen Händlern auf dem Calwer Weihnachtsmarkt sucht.

Und auch viele Aussteller kommen immer wieder. Nicht nur, weil sie gute Geschäfte machen, was ja nichts Schlimmes ist, sondern weil sie sich gut betreut fühlen. Es sei, so hört Rust von den Händlern immer wieder, eine gelungene Mischung aus persönlicher Betreuung und Professionalität. Es gehe nun mal nicht so knallhart zu wie auf den ganz großen Märkten. Was auch die Aussteller untereinander zu einer Gemeinschaft zusammengeschweißt hat.

Viel Musik

Ein weiterer Besuchermagnet ist das qualitativ hochwertige Rahmenprogramm. Da engagieren sich vor allem musikalisch viele Gruppen und Vereine aus der Stadt. Gut besucht war wieder das von Uschi Dittus-Märkle betreute Weihnachtscafé im Saal Schüz des Hermann-Hesse-Museums. "Ein volles Haus mit vielen Besuchern mit Kindern und schöne Musik", schwärmte sie gestern Nachmittag.

Nahezu zwei Drittel der Besucher kommen nicht aus Calw, sondern aus einem Umkreis von bis zu 50 Kilometern. Freunde des Gewerbevereinsvorsitzenden Jürgen Ott reisen sogar jedes aus Düsseldorf zum Weihnachtsmarkt in der Hesse-Stadt an. Und alle diese Besucher, sagt Rust, sollen wieder kommen.

Jahr für Jahr stößt der Manager des Weihnachtsmarkts in Gesprächen jedenfalls auf eine überaus positive Resonanz. Die allermeisten Gäste sprechen positiv über Calw, was manche Bürger nicht tun. "Das ärgert mich, denn wir können doch stolz sein auf diese Stadt", meint Jürgen Rust.