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Calw Der "Brückenschlag" ins echte Leben

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Die Patienten bauen eine neue Brücke über den Kollbach in Bad Liebenzell. Betreut werden sie dabei von Klemens Keppler (Zweiter von rechts). Foto: Rousek Foto: Schwarzwälder Bote

Einen Weg zurück ins normale Leben – diesen will das Zentrum für Psychiatrie (ZfP) ehemaligen Straffälligen aufzeigen. Einen Schritt in diese Richtung bildet die Arbeitstherapie. Von deren Ergebnissen profitieren aber nicht nur die Patienten, sondern alle Bürger.

Calw. Mitten im Wald, hinter der Mineralbrunnen Bad Liebenzell GmbH & Co. KG, wird an diesem Morgen gesägt und gehämmert. Eine Gruppe junger Männer ist damit beschäftigt, eine neue Brücke über den Kollbach zu errichten. Die alte war morsch, einzelne Bretter waren bereits herausgebrochen. Aus reinem Vergnügen sind die jungen Männer nicht am Werk. Sie nehmen an einer sogenannten Arbeitstherapie des Zentrums für Psychiatrie (ZfP) in Hirsau teil. Und sie alle haben in ihrer Vergangenheit als Suchtkranke Straftaten begangen. Brandstiftung, Raub, Beschaffungskriminalität – das Spektrum der Delikte ist groß, wie Klemens Keppler, Arbeitstherapeut am Landesklinikum verrät. Er betreut seit zwei Jahren die ehemaligen Straffälligen. Unter seiner Leitung sind schon etliche Projekte im Wald um Hirsau herum verwirklicht worden. So zum Beispiel ein Weidebrunnen, ein Trailweg in Richtung Oberkollbach und neue Bänke an einem Spielplatz. Schon seit es die Forensische Psychiatrie und Psychotherapie in Hirsau gibt (2008), arbeite man in Zusammenarbeit mit dem Forstamt mit den Patienten viel im Wald, erklärt der medizinischer Direktor dieser Abteilung, Matthias Wagner. Was sich bei der Lage der Klinik auch anbiete, fügt er hinzu. Die frische Luft, der Wald – "das tut ihnen gut", ist Wagner überzeugt. "Sie sind alle hoch motiviert dabei." Noch nie in all den Jahren haben Wagner oder Keppler schlechte Erfahrungen bei den Projekten im Wald gemacht. Vor allem die Tatsache, dass die Patienten am Ende des Tages sehen, was sie gearbeitet haben – und das auch über Jahre bestehen bleibt, mache ihnen Freude, erläutert Wagner. "Sie identifizieren sich damit." Und, fügt der medizinische Direktor hinzu, sie geben der Gesellschaft ein bisschen was von dem zurück, was sie in ihrer kriminellen Vergangenheit "verbockt" haben.

Positiver Therapieverlauf

Dass das etlichen Menschen eine Freude macht, davon werden just an diesem Morgen alle Beteiligten Zeuge: Eine Frau läuft mit ihrem Hund an den arbeitenden Männern vorbei, sieht die entstehende Brücke. "Eine größere Freude könnten Sie mir nicht machen", ruft sie aus.

Schon nächste Woche wird das Bauwerk voraussichtlich fertig sein, kündigt Keppler an. Drei bis vier Patienten arbeiten morgens dreieinhalb Stunden daran, eine andere Gruppe nachmittags nochmal ebenso lang. Wieder mehrere Stunden an etwas zu arbeiten gehört für die ehemals Kriminellen zu ihrer Therapie. Sie erfahren dadurch auch, wie belastbar sie sind und wie sie im Team miteinander arbeiten. Jeder der jungen Männer kommt aus der Justizvollzugsanstalt nach Hirsau, quasi als Übergangsstation zurück in die Freiheit – wenn alles gut geht. Maximal zwei Jahre lang werden sie im ZfP betreut.

Diejenigen, die an den Wald-Projekten teilnehmen, haben bislang einen positiven Therapieverlauf zu verzeichnen, sagt Wagner. Ist die Arbeitstherapie soweit abgeschlossen, folgen Praktika und im besten Fall der Wiedereinstieg ins Berufsleben. "Es ist ein kontinuierlicher Weg", sagt Wagner.

Zwei Drittel der Patienten, die in Zusammenhang mit ihrer Sucht Straftaten begangen haben, sind ehemalige Drogenabhängige. Ein Drittel war süchtig nach Medikamenten oder Alkohol. 95 Prozent davon sind Männer, der größte Teil zwischen 25 und 35 Jahre alt. Ebenso gibt es aber auch Patienten, die erst 19 Jahre alt oder schon in den 60ern sind. "Der Ausländeranteil ist hoch", so Wagner.

Die jungen Männer, die an diesem Morgen an der Brücke arbeiten, scharen sich inzwischen um den Hund der Spaziergängerin und streicheln ihn. Dann aber geht es weiter mit der Arbeit. Noch einige Nägel stehen aus den Brettern hervor und ein Überqueren der Brücke ist noch nicht auf ganzer Länge möglich. Doch in wenigen Tagen gibt es ein weiteres Projekt im Schwarzwald, das die Patienten mit ihren eigenen Händen geschaffen haben. Ein weiterer Schritt zurück in das normale Leben.

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