Fotos: Bürkle Foto: Schwarzwälder Bote

Reporterin nimmt an CrossFit-Trainingsstunde teil. Trainer legen Wert auf Zusammenhalt

CrossFit – das laut Fitnesszeitschriften "härteste Workout der Welt". Und unsere Reporterin mittendrin. Unter der Anleitung von Markus Bürkle von "Fine Fitness" ist Gewichte stemmen, Seilspringen und vieles mehr angesagt. Muskelkater inklusive.

 

Calw-Stammheim. CrossFit ist noch eine vergleichsweise junge Sportart. Zwar wurde sie schon in den 1980er-Jahren von dem US-Amerikaner Greg Glassman entwickelt – ursprünglich als Training, das hauptsächlich von Polizisten und Soldaten absolviert wurde. So richtig bekannt wurde CrossFit aber erst Anfang der 2000er-Jahre. Im Laufe der Zeit schwappte der Trend dann auch nach Deutschland über. So habe sich die Zahl der "Boxen" – so nennen sich die Trainingsorte für CrossFit – zwischen 2012 und 2015 von rund 20 auf fast 200 erhöht. "Fine Fitness" in Calw ist jedoch der einzige offizielle Anbieter im ganzen Kreis.

Doch was ist CrossFit eigentlich genau? "Ständig variierende, funktionelle Bewegungen mit hoher Intensität", erklärt Bürkle, Geschäftsführer von "Fine Fitness", auf seiner Homepage. Heißt: Übungen aus verschiedenen Sportarten wie beispielsweise Rudern, Turnen, Gewichtheben oder Laufen werden miteinander kombiniert und zu einem Trainingsprogramm zusammengesetzt. "Der Fokus liegt nicht darauf, die Muskeln nur aufzupumpen, sondern wirklich stärker zu werden", betont Bürkle. Und auch Geschwindigkeit, Ausdauer sowie Koordination werden mit den "Alltagsbewegungen" geschult.

Für mich ist diese Sportart völliges Neuland. Klar, ich war schon das ein oder andere Mal im Fitnessstudio, mache öfters Intervall-Training. Aber CrossFit, das war mir so gar kein Begriff. Umso schockierter war ich, als ich wenige Stunden vor Trainingsbeginn auf einen Artikel im Internet mit dem Titel "das härteste Workout der Welt" gestoßen bin. Tja, aber für einen Rückzieher war es da schon zu spät.

Zwölf Sportler haben sich um den Trainer Bürkle versammelt, der auf einer weißen Tafel den Ablauf der Trainingsstunde festhält: Aufwärmen, kurze Theorie-, beziehungsweise Technikeinheit, Zirkeltraining. Los geht es mit zwei Minuten Seilspringen, zehn Kniebeugen, zehn Sit-ups (Bauchmuskelübung), zehn Liegestützen. Und das ganze fünf Mal hintereinander.

Zuerst mit Holzstab üben, dann mit Hantel

Nach den ersten zwei Minuten Seilspringen bin ich völlig außer Atem, nach dem dritten Durchgang hochrot, nach dem fünften fühle ich mich einer ungefähr viertägigen Trainingspause nicht abgeneigt. "So, das war jetzt nur das Aufwärmen", ruft Bürkle fröhlich. Herrje. Die gute Nachricht vorneweg: Dieser Trainingsteil sollte für mich der anstrengendste des Tages bleiben. Die Schlechte: Nach einer kurzen Verschnaufpause geht es sofort weiter.

Jeder sucht sich einen Trainingspartner. Die 18-Jährige Kim Rexer und ich schnappen uns einen vier Kilogramm schweren Medizinball. Diesen müssen wir nun dem jeweils anderen über eine etwa zwei Meter hohe Stange zuwerfen, eine Kniebeuge machen und wieder fangen. Das macht richtig Spaß. Wie einige der Männer in der Gruppe es allerdings schaffen, Medizinbälle mit mehr als 20 Kilo zu werfen, ist mir schleierhaft.

In jeder Trainingsstunde gibt es einen Zeitraum, in dem sich die Gruppe mit einer bestimmten Technik beschäftigt – zum Beispiel, wenn eine neue Übung erlernt wird. Heute steht "Push Press" auf dem Programm. Durch ein kurzes in-die-Knie-gehen holt man etwas Schwung, dann drückt man eine Langhantel über den Kopf. Mir zeigt Bürkle die Übung aber zuerst mit einem Holzstab. Die Haltung muss schließlich stimmen, damit das Verletzungsrisiko gering bleibt. "Die krieg’ ich nie hoch", bin ich überzeugt, als ich nach ein paar Minuten die echte Hantel in die Hand nehme. Zwar ohne Gewichte, mit lediglich 15 Kilo – mir kommt sie trotzdem unendlich schwer vor. Nach ein paar Versuchen klappt es aber doch. Sogar mehrmals hintereinander. "Siehst du, jetzt hast du es ja doch geschafft", lobt Bürkle. Ich gebe zu, ein bisschen stolz bin ich in diesem Moment.

Während der gesamten Trainingsstunde läuft der 32-Jährige herum, überprüft bei jedem die richtige Haltung, gibt bei Bedarf Hilfestellung. Damit das überhaupt möglich ist, achtet Bürkle darauf, dass es kleine Gruppen sind. Denn: "CrossFit lebt vom Kleingruppentraining", bekräftigt er.

Das eben erlernte "Push Press" kommt auch im Zirkeltraining vor, für das sich jeder wieder mit seinem Trainingspartner zusammenfindet. Weitere Stationen: Ein Ruder-Gerät, der "Schlitten", eine 45 Kilo schwere Vorrichtung, auf die sich einer setzt, während der andere ihn an einem Seil herbeizieht, das Assault-Bike, eine anspruchsvollere Form des Heimtrainer-Fahrrads, oder hohe Sprünge aus der Hocke ("Star Jumpers"). Jedes Trainingspaar macht jede Station zweimal durch – einmal 60 Sekunden lang, beim zweiten Durchgang 30 Sekunden lang.

Danach sehen alle ganz schön geschafft aus. Was ich beruhigend finde, denn offenbar ist es für jeden anstrengend – egal ob man CrossFit schon mehrere Jahre macht, oder gerade erst angefangen hat. "Das ist auch das Gute daran: Man kann das Training anpassen je nach Können und Leistungsniveau", sagt der Geschäftsführer. Daher sei auch die Gruppe entsprechend gemischt – von der jungen Frau bis zum 72-Jährigen.

Und obwohl CrossFit keine Mannschaftsportart ist, bekommt man ein Gemeinschaftsgefühl. Alle klatschen sich nach getaner Arbeit ab, es fallen lockere Sprüche. Ich fühle mich sofort aufgenommen. Es ist, als hätte man wirklich etwas gemeinsam geschafft.

Die Beine und die Arme fühlen sich etwas wackelig an, aber irgendwie auch gut. "Ich verspreche ja wenig, aber dass du morgen Muskelkater haben wirst – das verspreche ich dir", sagt Bürkle und grinst. Die Wahrheit ist: Nicht nur am nächsten Tag, sondern auch noch vier Tage später spüre ich insbesondere die Arme, aber auch Bauch und Waden. Wogegen ich prinzipiell nichts habe – immerhin ist es ein Beweis dafür, dass man sportlich aktiv war.

Genau diese Effizienz des Trainings – "beste Ergebnisse innerhalb kurzer Zeit", wie Bürkle es ausdrückt, ist es auch, die CrossFit immer beliebter macht. "Auch viele Mädels haben inzwischen Spaß daran gefunden", sagt Benny Vollmer, der ebenfalls als Trainer bei "Fine Fitness" tätig ist. "Sie haben erkannt, dass man nicht gleich bullig aussieht, wenn man trainiert."

Erst einmal den Muskelkater auskurieren

Die beiden Männer sowie der dritte Trainer Markus Götz sind mit Herzblut bei der Sache, das sieht man. Im Dezember eröffnete das Studio im Gewerbegebiet Stammheimer Feld, zuvor war es zwei Jahre lang in einem Gebäude in den Kimmichwiesen. "Wir haben uns alles selbst aufgebaut", erzählt Bürkle. "Das macht unseren Zusammenhalt aus." Mit einer normalen CrossFit-Box habe die in Calw nicht viel gemeinsam, sind sich die Trainer einig. "Die sind üblicherweise nicht so sauber und ziemlich spartanisch eingerichtet." Aber: "Auch wenn es schön ist, kannst du hart trainieren." Dafür ist Vollmer der beste Beweis: Er hängt im Anschluss an das CrossFit gleich noch eine weitere Trainingseinheit an. Ich muss erst einmal meinen Muskelkater auskurieren. Aber dann war es bestimmt nicht das letzte Mal, dass ich CrossFit gemacht habe.