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Calw Corona-Krise: Das zähe Warten auf konkrete Infos

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Das Untere Ledereck voller Menschen beim Streetfood-Festival 2019 – ob es so einen Anblick 2020 geben wird? (Archiv-Foto) Foto: Fuchs

Calw - Regelmäßig gibt es im Zuge der Corona-Krise neue Landesverordnungen, die festlegen sollen, was erlaubt ist und was nicht. Nicht immer wird man schlau daraus. So tappen Veranstalter und Kulturämter auch weiterhin im Dunkeln, was die Event-Planung anbelangt.

Eines ist klar: Dieser Sommer wird nicht so sein wie sonst. Urlaube werden ausfallen müssen, ebenso wie Konzerte und Feste. Oder? Gerade bei letzteren beiden scheint sich das Land Baden-Württemberg noch nicht ganz einig zu sein. Sehr zum Leidwesen der örtlichen Veranstalter und Kulturämter.

Mit jedem Mal, wenn eine neue Landesverordnung mit Änderungen in Bezug auf die Corona-Einschränkungen veröffentlicht wird, hofft Isabel Götz, Kulturamtsleiterin der Stadt Calw, endlich auf Klarheit. Bislang ist die Erleuchtung aber ausgeblieben. Auch in der neuesten Verordnung vom 2. Mai: nur schwammige Aussagen, nichts Handfestes. Das liest sich dann so: "Untersagt bleiben bis mindestens zum 31. August 2020 Großveranstaltungen, wie etwa Volksfeste, größere Sportveranstaltungen mit Zuschauern, größere Konzerte, Festivals, Dorf-, Stadt-, Straßen- und Weinfeste, Schützenfeste oder Kirmes-Veranstaltungen."

Ärger über mangelnde Informationen

Stellt sich nur die Frage: Was ist "größer"? Vormals war die Rede von mehr als 1000 Besuchern. Dies gilt als sicher. Nicht aber im juristischen Sinne, wie Klostersommer-Veranstalter Jürgen Ott erklärt. Es sei noch keine behördliche Anordnung und damit besteht für Veranstalter keine Rechtssicherheit. Und gerade die ist es, die so dringend benötigt wird, wenn es um Veranstaltungsabsagen geht. Sagt nämlich der Veranstalter ab, ohne dass es durch eine entsprechende Landesverordnung gedeckt ist, muss er unter Umständen für die entstandenen Kosten aufkommen. Daher müsse das Land diese Entscheidung treffen, erklärt Götz.

Sie ärgert sich so langsam über die ausbleibenden Informationen. "Wir werden mit der neuen Verordnung hingehalten", echauffiert sie sich. Seit rund zwei Wochen warte man darauf, dass konkrete Informationen folgen. "Das jetzt ist keine Verordnung, auf die man sich stützen kann."

Hinzu komme, dass die Verordnungen oft kurzfristig eintreffen. Vor der Wiedereröffnung der Stadtbibliothek zum Beispiel habe man genug Zeit gehabt, die geforderten Hygienemaßnahmen umzusetzen. Anders sieht es beim Hermann Hesse-Museum aus, das laut der neuen Verordnung vom 2. Mai ab 6. Mai öffnen dürfte. "Das ist zu kurzfristig" beklagt sie.

Auch Schulen und Kindergärten fallen in den Zuständigkeitsbereich von Götz. Beim Thema Kindergarten – "ein sehr wichtiges", wie sie betont – sei die Wiederaufnahme des regulären Betriebs nicht absehbar. "Dass man solche Prognosen nicht treffen kann, ist noch nachvollziehbar", meint sie. Das hänge vom Infektionsgeschehen ab und das ist ja bekanntlich sehr dynamisch. Darüber hinaus könne man im Kindergarten kaum Abstandsregeln oder Ähnliches einhalten. "Aber bei Veranstaltungen verstehe ich es nicht", gibt sie zu. Warum man in dieser Hinsicht keine Entscheidungen treffen könne – zum Beispiel, ob sie unter bestimmten Voraussetzungen stattfinden können – "das kann man nicht vermitteln".

Im Kulturamt ist die Stimmung dementsprechend gedämpft. Frustration macht sich breit. "Gerade jetzt ist die Saison, wo alles geplant wird", erläutert die Fachbereichsleiterin. Hinzu komme die Sorge, dass alles schon Geplante ins Leere laufen könnte. "Aber wir versuchen das Beste draus zu machen", meint Götz – Ideen sammeln für die Zeit nach Corona. Die Planung für das Calwer Stadtfest habe ihr Fachbereich vorerst auf die Seite gelegt. Der Gerbersauer Lesesommer werde hingegen weiter geplant, wenn auch unter Vorbehalt. "Wir sind in einer Zwickmühle", berichtet sie. Die Sehnsucht nach Normalität ist bei Götz und ihren Mitarbeitern groß. Und doch sind sie sich ihrer Verantwortung bewusst, eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern. "Ich beneide die Leute nicht, die das abwägen müssen", räumt die Fachbereichsleiterin ein.

Ersatztermine gesucht

Auch für Ott ist es ein ständiges Auf und Ab der Gefühle. Am einen Tag gibt es gute Nachrichten, sagt er, am nächsten denke man, die Welt geht unter. Ott ist in den vergangenen Wochen damit beschäftigt, mit den Künstlern, die beim Klostersommer hätten auftreten sollen, Ersatztermine für den Sommer 2021 zu finden. Doch offiziell abgesagt ist die Veranstaltungsreihe im Kloster Hirsau noch nicht. Eben wegen jener fehlenden Rechtssicherheit durch die unkonkrete Verordnung. "Völlig unverständlich nach der langen Zeit", ärgert er sich. Man befinde sich in einer Grauzone. Fakt ist aber: Findet der Klostersommer nicht statt – und das ist zumindest so gut wie sicher – geht eine Menge Geld verloren.

Gemeinsam mit anderen Verbänden hat der Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV), bei dem Ott mit seiner Agentur concetera GmbH Mitglied ist, deshalb einen Rettungsschirm beantragt. Würde dieser aufgespannt, bekämen die Veranstalter einen bestimmten Prozentsatz ihres letztjährigen Umsatzes. "Das wäre die Rettung für viele", betont der Vater des Klostersommers.

Dann wiederum erreichen ihn schlechte Nachrichten. Die Vorverkaufsgebühren, die Käufer beim Erwerben eines Tickets bezahlen, muss im Falle einer Rückgabe der Veranstalter ersetzen. "Das wären bei mir rund 50.000 Euro", rechnet Ott vor. Um den Veranstaltern zumindest diese Last zu nehmen, solle nun die Möglichkeit für die Kunden bestehen, auf die Rückerstattung der Vorverkaufsgebühr zu verzichten.

Und: "Es gibt einen Lichtblick", kündigt der Klostersommer-Veranstalter an. Bei Künstlern wie Nico Santos, Rainhard Fendrich, La Brass Banda und Bülent Ceylan sei es ihm bereits gelungen, sich die Auftritte für 2021 zu sichern.

Was alles Weitere angeht, bleibt Veranstaltern im ­ganzen Land wohl nur eines: warten.

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