Die Mitarbeiter des Stadtjugendreferats klären unter anderem Gruppen von Jugendlichen über die geltenden Regeln während der Corona-Krise auf. (Symbolfoto) Foto: dpa

Stadtjugendreferat verlagert Schwerpunkte in Corona-Krise. Soziale Netzwerke im Mittelpunkt.

Calw - Jugendhäuser sind seit Wochen geschlossen. Um Kinder und Jugendliche dennoch zu erreichen, hat das Calwer Stadtjugendreferat den Hauptfokus etwas verlegt. Aufsuchende Jugendarbeit und der Auftritt im Internet stünden aktuell im Mittelpunkt.

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Waren es Kinder sonst noch gewohnt, sich regelmäßig zu treffen und zu beschäftigen, ist nun alles anders. Verschiedene Veranstaltungen im Calwer Jugendhaus wurden bereits abgesagt. Darunter ein Vortragsabend der Polizei zum Thema "Handynutzung von Kindern", ein Kinomittag, das für den 16. Mai geplante "Breakdance Battle" und der Mädchentag, der für den 23. Mai vorgesehen war. Die letzten beiden sollen möglichst dieses Jahr noch nachgeholt werden, hofft André Weiß, Leiter des Stadtjugendreferats. "Das sind jährliche Veranstaltungen. Da haben wir großes Interesse, diese im Herbst nachzuholen", sagt er auf Anfrage des Schwarzwälder Boten. Sollte dies allerdings nicht möglich sein, werde man die Veranstaltungen im nächsten Jahr weiterführen.

Verständnis für Hinweise

Da das Jugendhaus in Calw und der Jugendtreff in Heumaden geschlossen sind, entfällt ein wichtiger Bestandteil der Arbeit des Stadtjugendreferats – das Treffen und Betreuen der Kinder sowie Jugendlichen. Somit habe man geprüft, wie man dennoch in Kontakt bleiben kann. Eine dieser Möglichkeiten sei "Streetwork". Zu Deutsch: Aufsuchende Jugendarbeit. Das Stadtjugendreferat sei mit dem Ordnungsamt und der Stadtverwaltung Calw ins Gespräch gekommen, führt Weiß aus. Dabei habe man die Ausweitung der aufsuchenden Jugendarbeit besprochen. Die Mitarbeiter seien nun damit beschäftigt, Plätze aufzusuchen, an denen sich Jugendliche oft treffen. Jedoch wolle man nicht mit Instanzen wie Polizei oder Ordnungsamt verglichen werden. "Wir versuchen freundlich ins Gespräch zu kommen, und die Jugendlichen in Bezug auf die aktuelle Lage und die Regeln aufzuklären", meint Weiß. Der Fokus liege hierbei auf das Knüpfen von Kontakten.

Man könne diese Arbeit als präventive Aufklärung sehen. Denn mit rechtlichen Maßnahmen oder dem Herbeirufen der Behörden werde nicht gedroht. Dazu habe das Stadtjugendreferat auch keine rechtliche Handhabe. Weiß erklärt, dass diese Gespräche und Hinweise oft auf Verständnis stießen. "Die Gruppen lösen sich dann auf", sagt er. Allerdings könne man sich nie sicher sein, dass sich diese Grüppchen "eine Ecke weiter" nicht wieder versammeln. Doch Weiß bleibt optimistisch.

Er habe das Gefühl, dass sich die angesprochenen Personen tatsächlich über ihr Verhalten Gedanken machen. Die Gruppen, auf die man treffe, seien laut Weiß auch nicht sehr groß. Meistens handele es sich um drei bis fünf Personen, "die sich einen gemütlichen Abend machen wollen", so Weiß. Sogenannte "Corona-Partys" mit mehr als 20 Personen gebe es dabei nicht.

Telefonisch Kontakt halten

Eine zweite wichtige Kontaktmöglichkeit zu den Kindern, Jugendlichen und deren Eltern seien die Internetauftritte. Plattformen wie die eigene Homepage, Facebook und Instagram nutze das Stadtjugendreferat hierfür verstärkt. Damit wolle man Angebote, die es im Normalfall auch im Jugendhaus gibt, zur Verfügung stellen. Man versuche die gesamte Bandbreite abzudecken, erläutert der Leiter. Mit Videos und Bildern habe man unter anderem Tanzschritte, Kochrezepte, Quiz-Spiele, Beauty-Tipps und weitere sportliche Angebote hochgeladen. Damit können die eigentlichen Besucher des Jugendhauses sich weiterhin von zu Hause aus beschäftigen.

Im Aufgabenbereich Jugend- und Schulsozialarbeit bietet das Stadtjugendreferat weiterhin Beratungsgespräche an. Entweder am Telefon oder per Mail. "Das ist was ganz anderes", meint Weiß. Dennoch seien diese Gespräche sehr wichtig. Man wolle signalisieren, dass man weiterhin verfügbar ist. In sehr dringenden Fällen könne es zwar weiterhin zu Treffen kommen. Allerdings wurden diese laut Weiß "sehr stark heruntergefahren". Mit dem Stammklientel – Kinder und Jugendliche, die man sonst regelmäßig im Jugendhaus trifft – werde der Kontakt wöchentlich telefonisch gehalten.

Grundsätzlich vermissen Weiß und seine Kollegen die Kinder, Jugendliche und deren Eltern sehr. "Wir sind uns im Haus einig, dass persönliche Gespräche nicht durch Kommunikation über soziale Netzwerke ersetzbar sind. Man kann im persönlichen Gespräch viel besser auf die Person eingehen, dessen Mimik und Gestik sehen", argumentiert der Leiter des Stadtjugendreferats.

Zur Wiedereröffnung sagt Weiß, dass man sich nach den Landesverordnungen richten werde. Er gehe nicht davon aus, dass Jugendhäuser in den nächsten Wochen bereits wieder öffnen dürfen. Auch wenn er es anders lieber hätte: "Es wäre wünschenswert, so bald wie möglich wieder einen Schritt in Richtung Normalität gehen zu können."

Die Anmeldungen zu den künftigen Sommerferienevents und Veranstaltungen wie die Zirkuswoche mit dem "Circus Bambi" oder die Kinderspielstadt "Mini-Calw" werden weiterhin entgegengenommen. Hierfür warte man auf die finale Entscheidung vonseiten der Stadt Calw.