Jayantha Gomes mit zwei seiner Illustrationen für eine Neuübersetzung von Hermann Hesses Erzählung "Die Morgenlandfahrt", die im ungarischen Helikon-Verlag erscheinen wird Foto: Verstl Foto: Schwarzwälder Bote

Kultur: Jayantha Gomes illustriert Neuübersetzung von Hermann Hesses Erzählung "Die Morgenlandfahrt"

In diesen Tagen hat Jayantha Gomes eine umfangreiche künstlerische Arbeit abgeschlossen. Der Maler, Zeichner, Autor und Musiker aus Sri Lanka, der seit vielen Jahren in Calw lebt, illustriert für den ungarischen Verlag Helikon eine Neuübersetzung von Hermann Hesses Erzählung "Die Morgenlandfahrt".

Calw. Gomes arbeitet dabei mit Géza Horváth zusammen. Der Übersetzer war 2004 Stipendiat der Hermann-Hesse-Stiftung.

Der Calwer Künstler freut sich, dass ihm der ungarische Übersetzer bei seinen Illustrationen alle künstlerische Freiheiten lässt, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung sagte. Einzige Bedingung: Die Arbeiten müssen farbig sein. Ein rundes Dutzend Kreationen hat Gomes für die Neuübersetzung der Hesse-Erzählung geschaffen.

Die Welt des Ostens hat Hesse immer fasziniert. Gomes ist den umgekehrten Weg gegangen – vom Osten in den Westen. Dadurch hat diese Arbeit für Gomes einen ganz besonderen Reiz: "Dadurch war ich gezwungen, mich mit einer Vergangenheit auseinanderzusetzen."

Gomes, 1956 in Sri Lanka geboren, war 1978 in den Westen gekommen. "Ich wollte die Freiheit des Lebens ohne Angst kennenlernen", erzählt er, der als junger, sozialistischer Aktivist in Sri Lanka schon als 16-Jähriger einige Wochen im Gefängnis war. In dieser Zeit revoltierten junge Menschen gegen die Regierung, viele wurden getötet und gefangen genommen.

"›Die Morgenlandfahrt‹ hat eine Art Rückblende in mir hervorgerufen, meine eigene Reise nach Westen", so der Maler und Zeichner. In Hesses Erzählung geht es nicht um eine reale, sondern um eine geistige Reise, die sich zwischen Wirklichkeit und Fantasie bewegt.

Hesse selbst schrieb zu seinem Werk in einem Verlagsprospekt: "Das Thema ist die Vereinsamung des geistigen Menschen in unserer Zeit und die Not, sein persönliches Leben und Tun einem überpersönlichen Ganzen, einer Idee und einer Gemeinschaft einzuordnen. Das Thema der ›Morgenlandfahrt‹ ist Sehnsucht nach Dienen, Suchen nach Gemeinschaft, Befreiung vom unfruchtbar einsamen Virtuosentum des Künstlers."

Bekannter machen

Es ist nicht das erste Mal, dass Horváth und Gomes zusammenarbeiten. Bereits 2020 hat der Calwer Künstler für den Helikon-Verlag eine Ausgabe von Hesses indischer Dichtung "Siddhartha" illustriert. Eine Fortsetzung dieser Kooperation zwischen Übersetzer und Zeichner ist durchaus möglich. Die Illustrationen tragen auch dazu bei, Gomes und seine Arbeit in Ungarn bekannt zu machen. Da sei, sagt er, inzwischen "ein kleiner Fanclub" entstanden. "Siddhartha" hat Gomes 2013 auch schon für den ungarischen Cartaphilus-Verlag illustriert und für Hesses "Das Glasperlenspiel" den Umschlag gestaltet.

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