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Calw Brücke einsturzgefährdet: Wie konnte es so weit kommen?

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Die Nachricht, dass die Betonbrücke am Adlereck einsturzgefährdet ist, verbreitete sich wie ein Lauffeuer in der Stadt. Foto: Buck

Calw - Die stillgelegte Eisenbahnbrücke am Adlereck ist akut einsturzgefährdet. Diese Nachricht schlug am Mittwochabend ein wie eine Bombe. Denn damit ist auch die Hauptverkehrsader der Stadt erst einmal gesperrt. Und zwar für alle – Autos, Linienverkehr und sogar Fußgänger. Calw ist in zwei Teile gespalten.

Mittwoch, 17.15 Uhr. Eric Weber, der persönliche Referent des Oberbürgermeisters, ruft Ralf Eggert an. Die Deutsche Bahn (DB) habe sich gemeldet: Eine der Brücken am Adlereck über der Stuttgarter Straße sei akut einsturzgefährdet, teilt ihm Weber mit. Der OB denkt zunächst an einen Scherz. Es dauert kurz, bis er realisiert, was Sache ist. Dann aber muss er zur Tat schreiten. Denn die Deutsche Bahn, Eigentümer des Bauwerks, macht deutlich: Es eilt. Und zwar mächtig.

Eggert richtet einen Krisenstab ein mit Vertretern der Feuerwehr, der Polizei, des Landratsamts, des Baubetriebshofs, der Straßenverkehrsbehörde und natürlich der DB. Die Straße unterhalb der maroden Betonbrücke wird gesperrt. Im Gegensatz zu "normalen" Sperrungen aber nicht nur für Fahrzeuge, sondern auch für Fußgänger. Es besteht Lebensgefahr.

Bis zum nächsten Morgen um 6 Uhr sind Straßenmeisterei und Baubetriebshof damit beschäftigt, spontan Umleitungen auszuschildern und die Gefahrenstrecke abzusichern. Im Eiltempo wird in Zusammenarbeit mit dem Busunternehmen Volz ein Shuttle-Service eingerichtet, man sucht nach Alternativ-Lösungen. Sogar bei Anwohnern wird geklingelt, damit sie ihre Autos wegfahren. Ab sofort herrscht ein Halteverbot, damit Einsatzkräfte im Notfall durchkommen und keine riesige Umleitung fahren müssen. Ausgeräumt ist das Problem damit nicht, das weiß auch der OB. "Aus städtischer Sicht ist das eine Katas­trophe", meint er. Ein Teil der Stadt ist nun vom anderen getrennt.

Sicherungsarbeiten werden abgebrochen

Doch wie konnte es überhaupt so weit kommen? Die letzte turnusgemäße Prüfung der seit 1981 stillgelegten Eisenbahnbrücke, die mittig zwischen der historischen "Fischbauchbrücke" und den Schienen der Kulturbahn liegt, war im Oktober vergangenen Jahres, sagt Konstantin Brümmer, Leiter des Regionalnetzes bei der DB. Weil nach der ersten Untersuchung erste Zweifel aufkamen, gab das Staatsunternehmen eine weitere, genauere Untersuchung in Auftrag. Mit verheerendem Ergebnis. "Die Tinte des Gutachtens ist noch druckfrisch. Wir mussten sofort handeln", erklärt er. Das Hauptproblem seien die Spannstäbe, die die Brücke sichern. Sie weisen Risse auf. Und das hat wohl so gravierende Auswirkungen, dass am Donnerstagmittag sogar die ersten Sicherungsarbeiten abgebrochen werden müssen, um die Mitarbeiter nicht zu gefährden.

Theoretisch hätte die Brücke jederzeit einstürzen können, räumt Brümmer ein. Und jeder, der schon mal in Calw unterwegs war – insbesondere zur Hauptverkehrszeit – weiß, was für ein Ausmaß diese Katastrophe gehabt hätte. Der Plan ist jetzt, von unten ein Gerüst einzubauen und die Brücke von oben mit einer Stahlkonstruktion zu sichern. "Das wird drei bis vier Wochen in Anspruch nehmen", so der Vertreter der DB. Bis dahin wird die B  96 auf jeden Fall gesperrt bleiben. Der Bahnverkehr ist davon jedoch nicht betroffen. Obwohl die Brücke, über die die Kulturbahn fährt, direkt parallel verläuft, seien es getrennte Bauwerke, erklärt Brümmer. Daher habe das nichts miteinander zu tun. Auch die Gebäude drum herum seien nicht in Gefahr.

Ist die Brücke dann erst gesichert, werden weitere Überlegungen angestellt, was damit passieren soll. Auf lange Sicht soll das Bauwerk aber ausgebaut werden. Warum das nicht schon längst geschehen ist, wenn die Brücke doch ohnehin seit Jahrzehnten keine Funktion mehr hat? "Das weiß ich nicht", gibt er zu. Sanierungen habe es in den vergangenen Jahre keine mehr gegeben, lediglich Maßnahmen, um die Verkehrssicherheit zu erhalten. Das sei gang und gäbe bei stillgelegten Brücken.

Nun müssen die Calwer also vorerst nicht nur mit großräumigen Umleitungen, sondern auch mit einer geteilten Stadt zurechtkommen. Was auch für die Einzelhändler – gerade im Ostergeschäft – eine große Herausforderung darstellt. "Die Leute überlegen jetzt zweimal, ob sie wirklich den Umweg in Kauf nehmen, oder ob sie einfach woanders hingehen", befürchtet Andreas Gockenbach vom Sanitätshaus Reutter, das in unmittelbarer Nähe der Brücke liegt. Und auch in der Innenstadt war schon am Donnerstag zu spüren, dass deutlich weniger los war. "Das ist eine blöde Sache, aber wir können nichts daran ändern", sagt Nicolai Stotz, Vorsitzender des Gewerbevereins. Er wünscht sich, dass die Calwer trotz aller Widrigkeiten zu den städtischen Händlern halten und sie unterstützen.

Dank an Mitarbeiter und Feuerwehr

Eggert sorgt sich auch um den Schülerverkehr, der nach den Osterferien ein riesiges Problem darstellen werde. Nach einem ersten Treffen gleich nach Bekanntwerden der Brücken-Bredouille steht in den kommenden Tagen ein weiteres mit allen Busunternehmen in der Region an, bei dem man nach Lösungen suchen werde. "Wir können das Problem nur mildern, lösen werden wir es nicht", sagt Eggert. "Die ganze Region hängt an einer Verkehrsachse", kritisiert er. Ein eindeutiges Zeichen für den OB, dass endlich die Südostumfahrung vom alten Bahnhof zur Landratsamt-Kurve kommen müsse.

Die Umfahrungen, die die Bürger nun in Kauf nehmen müssen, umfassen gut und gern zehn Kilometer. In nördlicher Richtung verläuft die Umleitung über Hirsau, vorbei an Ottenbronn und Neuhengstett auf die B 295. Südlich des Adlerecks müssen Autofahrer über die B 296 in Richtung Stammheim, über Holzbronn auf die B 463 fahren. Die Shuttle-Busse für Fußgänger fahren über die Osterfeiertage im Halb-Stunden-Takt. Im Laufe der nächsten Woche ist das Ziel laut Eggert aber, dass die Busse noch öfter fahren. Sie fahren von der Kreuzung am Adlereck die Haltepunkte ZOB, Brühl, Eduard-Conz-Straße, Krankenhaus und die Linde am Adler­eck. Das Aussteigen sei immer möglich, erklärt Eric Weber, wohingegen die Möglichkeiten des Zustiegs an allen Haltepunkten sich noch einpendeln müsse.

Sowohl der Oberbürgermeister als auch Jörg Repple, neuer Abteilungsleiter des Straßenbaus im Landratsamt Calw, sind den Mitarbeitern, die die Umleitungsstrecken so kurzfristig ausgeschildert haben, sehr dankbar. "Ein Kollege ist sogar aus dem Urlaub gekommen", lobt Repple. "Sie alle haben eine tolle Arbeit gemacht." Auch der Verkehrsgesellschaft Bäderkreis Calw (VGC) sowie der Feuerwehr, die den Bereich um die Brücke die erste Zeit gesichert habe, gebühre Dank, so Eggert. "Jetzt ist das allerwichtigste, dass wir möglichst bald wieder einen durchlässigen Verkehr haben."

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