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Calw Bleibt DB-Verkaufsstelle dauerhaft dicht?

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Ein Anblick, an den man sich wohl gewöhnen muss: die geschlossene Verkaufsstelle der Deutschen Bahn am Calwer ZOB. Foto: Dörr

Calw - Die Deutsche Bahn schafft Fakten: Die Verkaufsstelle am Calwer ZOB bleibt auch nach der Corona-Krise geschlossen. Das teilt der Staatskonzern in einer Mail mit. Nur wusste davon zunächst niemand etwas – weder Stadt, Landrat noch Verkehrsgesellschaft. Jetzt regt sich erbitterter Widerstand. Mehr dazu erfahren Sie in unserem (SB+)Artikel.

Es ist purer Zufall, dass der Schwarzwälder Bote von der dauerhaften Schließung der DB-Verkaufsstelle am Calwer ZOB erfährt. "Rufen Sie wegen der Schließung an", fragt nämlich Gisela Volz, Geschäftsführerin der Verkehrsgesellschaft Bäderkreis Calw (VGC), vor Kurzem am Telefon. "Eigentlich nein, aber jetzt schon", ist die verblüffte Antwort unsererseits. Und dann berichtet Volz, dass die Bahn ihr in einer lapidaren E-Mail mitgeteilt habe, ihr Unternehmen müsse künftig keine Materiallieferungen mehr für die Verkaufsstelle vornehmen. Zu Deutsch: Der Service-Punkt macht auch nach der aktuellen Corona-Schließung nicht wieder auf.

Das veranlasste Volz, eine aufgebrachte Mail an die Deutsche Bahn zu richten, die dem Schwarzwälder Boten vorliegt. Eines muss man vorab wissen: Die DB-Verkaufsstelle ist wegen der Corona-Pandemie und Personalmangels schon seit Wochen dicht – was wiederum die Bahnkunden zu den örtlichen Reisebüros treibt.

Auch OB wird kalt erwischt

Vor diesem Hintergrund mokiert sich Volz: "Seit Monaten lädt sich der gesamte Ärger und Frust der Fahrgäste der Kulturbahn auf den Mitarbeitern unserer Geschäftsstelle ab." Man habe das hingenommen, dachte an eine kurzfristige Schließung. Doch jetzt soll daraus wohl ein Dauerzustand werden. Nicht mit Volz, die in Richtung Bahn klarstellt: "Sie können nicht davon ausgehen, dass wir das ›einfach so‹ auch in Zukunft leisten."

Die VGC-Geschäftsführerin geht sogar noch einen Schritt weiter, fordert von der Bahn, diesen zusätzlichen Aufwand honoriert zu bekommen, andernfalls "würden wir uns sonst gezwungen sehen, Kunden mit DB-Auskunftsersuchen abzuweisen".

Ein klares Statement, für das im Übrigen auch Oberbürgermeister Florian Kling Verständnis hat. Der OB wurde nämlich ähnlich kalt erwischt wie Volz. "Ich bin aus allen Wolken gefallen", gibt das Stadtoberhaupt zu Protokoll. Überhaupt liege der Stadt noch keine schriftliche Mitteilung über diese Entscheidung vor; auch er habe das nur am Rande eines Telefongespräches erfahren.

"Wir regen uns alle unglaublich auf. Das Verrückte ist, wir reden schon eine Weile darüber, am ZOB eine Mobilitätszentrale einzurichten, mit Car-Sharing, Leih-Fahrrädern und so weiter. Und dann kommt so eine Nachricht", ärgert sich der OB. Man werde das nicht einfach so hinnehmen, sich wehren, kündigt Kling an. Natürlich auch vor dem Hintergrund, dass in den kommenden Jahren mit der Hermann-Hesse-Bahn (HHB) der Anschluss an die Region Stutgart erfolgen soll und die Nutzungszahlen steigen dürften.

Auch daher hat der OB schon schwere Geschütze aufs Gleis gesetzt, Landrat Helmut Riegger eingeschaltet und obendrein dem Vertriebschef der Deutschen Bahn persönlich einen Beschwerdebrief geschickt. Was Kling besonders auf die Palme bringt: die fehlende Kommunikation seitens der Bahn. "Ich dachte, man kommt auf uns zu und redet", zeigt sich der Verwaltungschef enttäuscht.

Auch das Landratsamt wusste nichts von den Plänen der Bahn. "Der Landkreis hat sehr überraschend von der beabsichtigten Schließung der Verkaufsstelle erfahren", teilt Anja Reinhardt, Pressesprecherin des Kreises verdutzt mit. Und weiter: "Angesichts der Zielsetzung, den ÖPNV zu stärken und mit der Reaktivierung der Hermann-Hesse-Bahn, kommt dem ZOB in Calw eine Schlüsselfunktion zu, da hier der zentrale Verknüpfungspunkt entsteht." Ebenjenen Verkehrsknotenpunkt, den auch OB Kling angesprochen hatte.

Landrat Riegger wirbt um Erhalt

Sein Beistandsgesuch beim Landrat zeigte sogleich Wirkung. "Die Kulturbahn und der Verknüpfungspunkt in Calw stellt die zentrale Drehscheibe im ÖPNV dar. Ein Rückzug der Deutschen Bahn konterkariert die Bemühungen, mehr Fahrgäste für den ÖPNV zu gewinnen", übt Landrat Riegger harsche Kritik am Staatskonzern. Zudem hat Riegger direkt an den für Baden-Württemberg verantwortlichen Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn geschrieben und für den Erhalt der Verkaufsstelle geworben.

Doch was ist bei aller Aufregung eigentlich der Grund für die endgültige Schließung der Verkaufsstelle am Calwer ZOB? Hier bringt eine Bahn-Sprecherin Licht ins Dunkel: "Aus wirtschaftlichen Gründen haben wir uns entschieden, es zuzumachen." Allgemein gesehen sei die Zahl der Bahnkunden, die ihren Fahrschein noch klassisch am Schalter kaufen, auf unter zehn Prozent zurückgegangen. Auch in Calw habe sich die Nutzung der Vertriebskanäle geändert. "Bezogen auf die tatsächlich vorhandene Nachfrage kann unter sachlichen Erwägungen deshalb nur der Schluss gezogen werden, dass das DB Reisezentrum kein angemessenes Vertriebsangebot mehr darstellt."

Mit solch einer lapidaren Antwort hat wiederum Volz schon gerechnet und lässt selbige nicht gelten: "Noch längst nicht alle realen und potenziellen Bahnkunden sind so weit, ihre Fahrkarten im Internet zu lösen – dafür sind die Produkte auch viel zu differenziert und für den Laien zu komplex", macht sie unmissverständlich klar.

Gerade für die älteren Bahnnutzer, die nicht immer versiert mit der Technik umgehen oder schlicht kein Smartphone besitzen, werde der Ticketkauf zur Herkulesaufgabe.

Bahnsprecherin beschwichtigt

Die Bahnsprecherin beschwichtigt hier, versichert, dass man die älteren Kunden keinesfalls aufs Abstellgleis schieben wolle: "Uns ist durchaus bewusst, dass die Bahnkunden eine breite Zielgruppe von eins bis 99 Jahren abbilden." Auch die Reaktivierung der HHB habe man im Kopf. Man verspüre daher auch "Bauchweh" bei der Entscheidung und werde intensiv prüfen, ob es nicht andere Vertriebsmöglichkeiten für Calw gebe. Reisebüros mit DB-Agenturen oder Videosprechzentren schweben der Bahn laut Sprecherin vor.

Einen Haken gibt es da allerdings: "In Calw gibt es unserer Kenntnis nach kein Reisebüro, das als DB-Agentur fungiert und die Schließung Ihrer Verkaufsstelle kompensieren könnte", schreibt Volz in ihrer Mail an die Deutsche Bahn.

Die Wellen schlagen also hoch rund um den Verkaufspunkt am ZOB. Das hat inzwischen aber auch die Bahn bemerkt, und bemüht sich, die Wogen zu glätten: "Wir wollen den Vertrieb anders organisieren in Calw. Dazu gibt es zeitnah ein Gespräch mit Landrat und Stadt", teilt die Sprecherin mit. Wieso man das nicht vor der Verkündung der Entscheidung getan hat, um dem jetzt rauen Gegenwind direkt zu entgehen, bleibt das Geheimnis der Deutschen Bahn.

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