Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Calw Betagte Seniorin um 19 000 Euro betrogen

Von
Im Kreis Calw steigen die Fallzahlen bei den Enkeltricks. Foto: ©  pusteflower9024 – stock.adobe.com Foto: Schwarzwälder Bote

Bei Agathe M. klingelt das Telefon. Bei der 86-Jährigen meldet sich eine junge Frau, die sich als angehende Schwiegertochter ausgibt. Sie möchte eine Wohnung kaufen und benötige dafür 10 000 Euro.

Calw. So beginnt der Fall, den Manuela Schöffel-Skoreba, bei der Kriminalpolizei Calw Leiterin der Inspektion K3 (Betrug und Wirtschaftsdelikte), schildert. Wieder einmal eine Variante des Enkeltricks, die sich noch als besonders perfide herausstellen wird.

Denn Agathe M. wird, trotz ihres hohen Alters, stutzig. Sie versucht, sich das nicht anmerken zu lassen. Doch da täuscht sie sich. Denn die Täter, die meist aus der Türkei operieren und fließendes, akzentfreies Deutsch sprechen, erweisen sich zu meist als ausgesprochen ausgebufft. Sie merken sofort, wenn ihre Opfer misstrauisch werden. "Die sind kommunikativ hervorragend geschult", weiß Sandra Zarges, Leiterin der Kriminalpolizeidirektion Calw. "Sie setzen ihre Opfer permanent unter Druck."

Das wird auch Agathe M. zum Verhängnis. Ihr Zögern wird bemerkt. Und kurze Zeit später meldet sich ein angeblicher Kriminalbeamter. Man sei einer Täterin auf der Spur, die sich des Enkeltricks bedient. Wenn sie der Polizei hilft, könne sie wesentlich zur Festnahme beitragen. Auf Anweisung des angeblichen Kripo-Beamten hebt Agathe M. bei ihrer Bank 19000 Euro ab. Der Betrag hat sich nahezu verdoppelt, weil sich, so der "Polizist" am Telefon, mit der Summe auch das Strafmaß erhöhe. Agathe M. soll das Geld vor die Tür legen, um die Täterin bei Abholung verhaften zu können. Am Ende landet das Geld natürlich in den Händen der Betrüger.

Im ersten Halbjahr notiert Kriminalpolizei in Calw 370 solcher Anrufe

Die Zahlen sind hoch und steigen ständig. Laut Zarges hat allein im ersten Halbjahr 2020 die Kriminalpolizeidirektion Calw, zuständig für die Region Nordschwarzwald, 370 solcher Anrufe registriert. 65 entfallen auf den Stadtkreis Pforzheim, 70 auf den Kreis Freudenstadt und 85 auf den Enzkreis. Den Rekordwert verzeichnet Calw mit 145 Fällen, wobei 60 Anrufe auf eine Serie entfallen.

"Zwar scheitern viele Versuche, doch den Fällen, in denen es klappt, ist der Schaden enorm", berichtet Zarges. Das sind fast immer Beträge im fünfstelligen Bereich. In einem Fall waren es sogar 146000 Euro.

"Wir machen in der Prävention sehr viel. Wir bieten Beratungen an, gehen zu Seniorennachmittagen und sprechen mit den Banken", sagt Uwe Carl, Leiter der Führungsgruppe bei der Kriminalpolizeidirektion Calw. Doch letztlich sei das Problem nicht in den Griff zu bekommen.

Viele ältere Menschen glauben, so die Erfahrung von Zarges, dass sie den Tätern nicht auf den Leim gehen werden. Und werden dann doch zu Opfern. "Dann ist die Scham natürlich groß", weiß die Kripo-Chefin. In manchen Fällen erfolgt dann nicht mal eine Anzeige.

Zumal die Perfidie der Täter nun mal keine Grenze zu kennen scheint. Wer einmal sein Geld herausgerückt hat, wird dann in manchen Fällen immer wieder angegangen. Es geht dann um weitere Geldbeträge oder um Wertgegenstände wie Schmuck. Oft sind die ganzen Ersparnisse der alten Menschen weg. Opfern, die sie kennt, versucht die Polizei, psychisch zu helfen.

Die Opferschutzorganisation Weißer Ring gibt folgende Tipps im Zusammenhang mit den Enkeltrick-Betrügern

 Legen Sie bei unerwünschten Anrufen sofort auf. Das hat nichts mit Unhöflichkeit zu tun.

 Notieren Sie sich, wenn möglich und ein Display vorhanden, die Rufnummer.

 Lassen Sie sich auf keine Diskussion ein, denn die Betrüger verfügen in der Regel über einen reichen Erfahrungsschatz, dem der überraschte Bürger meist nicht gewachsen ist.

 Telefonbetrüger verschaffen sich während des Gesprächs äußerst versiert Informationen über das Umfeld ihrer Opfer und deren finanzielle Verhältnisse. Also: Unbekannten niemals Informationen über sich preiszugeben!

 Seien Sie immer misstrauisch, wenn Personen sich am Telefon als Verwandte oder Bekannte ausgeben, die Sie als solche nicht erkennen. Auch bei Ratespielchen ("Na, rate mal, wer dran ist!") sollten Sie auf keinen Fall mitmachen und Namen nennen.

 Lassen Sie niemals Fremde in Ihre Wohnung und übergeben Sie niemals Geld an unbekannte Personen, die ein Verwandter telefonisch angekündigt hat.

 Banken und offizielle Stellen bitten Sie grundsätzlich nicht um die Herausgabe von Geheimnummern/PINs oder Passwörtern. Geben Sie diese niemals telefonisch oder schriftlich an Dritte weiter.

 Informieren Sie die Polizei, wenn Ihnen die Kontaktaufnahme verdächtig vorkommt, und lassen Sie sich nicht einschüchtern.

Artikel bewerten
4
loading
0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.