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Calw Besucherin: "Man muss sich ab und zu was zum Lachen gönnen"

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Werner Koczwara (links) und Ernst Mantel stehen als "Lachwerk Süd" gemeinsam auf der Bühne.Foto: Stöß Foto: Schwarzwälder Bote

Calw-Hirsau. Im Kloster Hirsau wurde der Schwabe an sich und seine Eigenheiten in ein liebenswertes Licht gerückt. Sie sind dazu legitimiert – die schwäbischen Sprachwitz- und Musikkünstler Ernst Mantel und Werner Koczwara als "Lachwerk Süd". Der Abend hielt, was der Name versprach. Wie sagte eine Besucherin in der Pause? "Man muss sich ab und zu was zum Lachen gönnen".

Koczwara stellte die Menschen auf der gut gefüllten Tribüne auf das Motto "Lieber zwoi Stund gschämt, als fünf Stund geprobt" ein. Er bezeichnete das, was hier zu hören und zu sehen sein wird, "als reines Spaßprojekt". So haben "er und sein Partner jeweils eigene (Solo-)Programme, mit denen man tourt. Zehn Mal im Jahr trifft man sich, so wie eben heute". Die Ankündigung, dass der Abend zwei mal 45 Minuten dauern werde, also so lange wie ein Fußballspiel – "nur mit mehr Zuschauern" – ließ erahnen, was kommen würde: feine Satire, manche bissige Ironie. Dazu nutzten die beiden die hiesige Landessprache. Erst durch die schwäbischen Wortspiele wurde manch eine bekannte Melodie erst so richtig bedeutend. Denn sie verwandelten Welthits in Lachwerk-Produkte.

Überteuerter Zahnschmuck

"Wobei es einfach mal gesagt werden muss – diese Songs sind eigentlich Coverversionen von schwäbischen Originalen." So wurde die Melodie des lateinamerikanischen Hits "Besame mucho" von der schwäbische Hausfrau zur Mahnung, gerichtet an den handwerklich unbegabten Mann: "Bessa ned, lass no – des duad scho". Immer wieder gerieten die beiden in Schwäbisch Gmünd Geborenen im Dialog aneinander und spielten sich die Bälle zu. Mantel erklärte, dass der Schwabe bei hochtrabenden Sachverhalten (Beispiel Parapsychologie) auf dem Teppich bleibt. Dann nennt er dies "einfach nur Glomb". Wo Koczwara mit "Drecksglomb" noch einen draufsetzte und sich die beiden bis zum "Gottes-Jenseits-Almachts-Scheißdrecksglomb" hochsteigerten.

Das Thema der Integration wurde zum Berufs-Klagelied eines Schwaben und seines türkisch-schwäbischen Kumpels Bülent über Autos, Handys und überteuerten Zahnschmuck. Der Titel "Ned luschdig" war exakt das Gegenteil zu dem was sich hier auf den Rängen tat: Manche Leute konnten fast nicht mehr an sich halten, so arg mussten sie lachen.

Wie auch beim Besuch in der Wilhelma, wo die tasmanische Zwergmaus nie zu sehen ist oder dem Nagetier auf die Melodie von "Fever" (give me Biber) zum Zwecke der Fällung eines lästigen Baumes vor der Haustür. Es wird von einem Kinofilm mit Kettensägen und spritzendem Blut erzählt – doch alles gruselte nicht – nur auf der Heimfahrt laufe es einem bei der Stimme aus dem Radio kalt den Buckel runter: "Seitenbacher – Seitenbacher – da kriegst du einen Schreck – da hauts dir die Zehennägel weg". Übrigens: Der Kontakt zum Firmenchef stehe auf einer positiven Basis.

Lob für Organisation

Zarten Spott goss Koczwara auf das Bildungssystem inklusive Seitenhieb auf gesellschaftliche Entwicklungen in den vergangenen 60 Jahren. Während 1960 eine Rechenaufgabe nur eine Rechenaufgabe war, ließ er die heutige Zeit mit all seinen Facetten einfließen. Da merkte man, Koczwara ist mit seinem Soloprogramm inzwischen in der Kabarett-Spitze angekommen. Der Autor mehrerer Bücher (unter anderem "Am achten Tag schuf Gott den Rechtsanwalt") betrat bereits 1984 zum ersten mal die Satirelandschaft beim Sender Freies Berlin und wurde durch Dieter Hildebrandts "Scheibenwischer" dem breiteren Publikum bekannt.

Sein kongenialer Partner Mantel, ebenfalls mehrfach preisgekrönt, war Mitbegründer der erfolgreichen Musik-Comedy-Gruppe "Die kleine Tierschau". Mittlerweile tourt der Gitarrist solo oder als schwäbisch-internationales Duo "Ernst und Heinrich" durch das Land.

Nach dem vermeintlich letzten Lied von der "Frau in den Wechsel- und dem Mann in den Häckseljahren" kam Andrea Hofmann vom Veranstalter "Kleine Bühne Calw" auf die Bühne, um auf das kommende Programm hinzuweisen. So wird bereits am 19. September Kathi Wolf auf einer Psychoparty "psychisch korrekt – politisch defekt" Kabarett darbieten.

Von Mantel und Koczwara erhielt die Kleine Bühne Calw ein Lob für die Organisation. Zum Dank für einen wunderbaren Abend spielten sie drei weitere Welthits – aus "YMCA" wurde der ADAC, Rammsteins "Engel" entsprechend rockig performt. Es war Unterhaltung auf höchstem Niveau; eben die "Party bis es des Dach lupft" .

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