Kommen mehrere neue Mobilfunkmasten? Foto: blickpixel

Kosten von 300.000 Euro pro Funkmast. Bedingungen im Industriegebiet Lindenrain günstig.

Calw - Die teils mangelnde Netzabdeckung jenseits der Ballungszentren beschäftigt auch den Calwer Gemeinderat. In seiner Sitzung am Donnerstag, 30. Januar, befasst er sich mit Verbesserungsmöglichkeiten – etwa durch den geplanten Bau neuer Mobilfunkmasten.

Wer einmal im ländlichen Raum versucht hat, während einer Autofahrt per Freisprechanlage zu telefonieren, dem dürfte das folgende Szenario durchaus bekannt vorkommen: Gerade noch hat man seinen Gesprächspartner an der Strippe, plaudert munter weiter – doch eine Antwort bekommt man nicht mehr. Der Empfang ist futsch. Mit dem mobilen Internet verhält es sich nicht anders.

Schwarzwaldseite aufgrund von Topografie attraktiv

Im Stadtgebiet von Calw kommt das insbesondere in den Ortsteilen auf der Schwarzwaldseite häufig vor – auch aufgrund der dortigen Topografie, wie der Sitzungsvorlage zu entnehmen ist. Wenn es aber nach der Stadtverwaltung geht, könnte sich das bald ändern. Sie ist in Gesprächen mit Mobilfunkanbietern, um in Altburg, Speßhardt und Weltenschwann sowie im geplanten Industriegebiet Lindenrain den Empfang zu verbessern. Dafür müssen jedoch Mobilfunkmasten her.

Bereits in der jüngsten Sitzung des Zweckverbands Interkommunaler Gewerbepark Lindenrain kam das Thema Mobilfunk auf den Tisch. Dort, wo sich in Zukunft Industrie und Gewerbe ansiedeln sollen, verschwinden die Balken, die auf dem Mobiltelefon den Empfang anzeigen, derzeit noch ziemlich schnell.

Aus diesem Grund ist dort die Errichtung eines rund 30 Meter hohen Mobilfunkmasts im Bereich der Erddeponie Stichle geplant. "Hier kann die Stadt geeignete Grundstücke zur Verfügung stellen und an das Versorgungsunternehmen verpachten", ist in der Sitzungsvorlage zu lesen. Mit dem neuen Mobilfunkmasten einhergehend soll auch der 4G-Standard in diesem Gebiet erreicht werden.

Anträge der CDU-Fraktion

Ins Rollen gekommen war das Ganze unter anderem durch zwei Anträge der CDU-Fraktion, die sie vergangenen Sommer in den Gemeinderat einbrachte. Die Verwaltung sollte damit beauftragt werden, bei den Mobilfunkanbietern die in nächster Zeit geplanten Maßnahmen zur Verbesserung der Netzabdeckung im Stadtgebiet abzufragen.

Sollten keine Maßnahmen geplant sein, heißt es in der Vorlage weiter, solle mit weiteren Anbietern verhandelt werden, um die Netzabdeckung im Stadtgebiet zu verbessern. Der Antrag wurde unterstützt von einer Unterschriftenaktion der Jungen Union des Kreisverbands Calw. Auch die Mehrheit der jeweiligen Ortschaftsräte und des Gemeinderats standen hinter dem Vorgehen. Daraufhin habe die Verwaltung im Oktober tatsächlich die drei großen ­Mobilfunkanbieter angeschrieben, ist in der Vorlage zu lesen.

300.000 Euro pro Mast

Das Ergebnis: Im Dezember hatte der Regionalbeauftragte der Telekom mit der Stadtverwaltung Kontakt aufgenommen. Die Bedingungen für den neuen Masten im Industriegebiet Lindenrain sind günstig, das war schnell klar. Anders sieht es da in Altburg, Weltenschwann und Speßhardt aus. "Da ein verlässlicher LTE-Empfang nur im Umkreis von einem Kilometer gewährleistet ist müssten auch aufgrund der Topografie in Altburg Antennen im Ort untergebracht werden", heißt es dazu in der Sitzungs­vorlage. Das Problem: Hier hat die Stadt keine geeignete Fläche, beziehungsweise kein geeignetes Gebäude zur Verfügung.

Die Konsequenz: Um Altburg herum müssten zwei Masten gebaut werden. Das sei jedoch – allein aufgrund der Kosten von rund 300.000 Euro pro Mast – eher unwahrscheinlich.

Dasselbe in grün gilt für Weltenschwann und Speßhardt, beziehungsweise das Gebiet dazwischen. Auch hier besitze die Stadt laut Vorlage keine eigenen Flächen. "Hier wird die Stadt trotzdem die Versorgungsunternehmen bei dem Versuch zur Verbesserung der Netzabdeckung unterstützen", heißt es dort weiter.

Laufzeit von mindestens 20 Jahren

Laut der Telekom kooperiere das Unternehmen bei einem Mast-Neubau grundsätzlich mit den anderen großen Versorgungsunternehmen. "Folglich profitieren nicht nur die Telekom-Kunden von einer besseren Netzverfügbarkeit." Ganz so schnell wird jedoch niemand von besserem Empfang profitieren können.

Ab der Unterzeichnung eines Pachtvertrags können bis zur Inbetriebnahme eines Mobilfunkmasts nämlich bis zu drei Jahre vergehen. Dann aber steht einer langen Laufzeit kaum mehr etwas im Wege: "Es werden von den Versorgungsunternehmen langfristige Pachtverträge mit einer Laufzeit von mindestens 20 Jahren angestrebt", steht in der Sitzungsvorlage. "Dabei erhält der Eigentümer eine Pacht im niedrigen vierstelligen Bereich pro Jahr."

Fest steht: Das Thema dürfte für Diskussionen sorgen. "Teilweise gibt es Vorbehalte von Anwohnern gegen neue Mobilfunkantennen", heißt es schon in den Unterlagen. Hinzu kommt, dass in anderen Städten und Gemeinden – beispielsweise in Schramberg oder Epfendorf – die Pläne für einen neuen Mobilfunkmast jeweils zum Streitthema Nummer eins avancierten. "Es gibt aber keine unter Berücksichtigung allgemeiner wissenschaftlicher Qualitätsstandards ermittelten Studienergebnisse, welche gesundheitliche Wirkungen durch nieder- oder hochfrequente Felder nachweisen", wiegelt die Calwer Stadtverwaltung in der Sitzungsvorlage ab.