Die Sanierungsarbeiten am Kindergarten laufen auf Hochtouren. Das gefällt offenbar nicht allen Eltern. Foto: Rousek

Kindergarten in der Hengstetter Steige wird saniert. "Kinder werden auf einer Baustelle betreut."

Calw - Der Kindergarten Heng­stetter Steige wird derzeit saniert. Eigentlich ein Grund zur Freude, war eine Renovierung doch schon lange dringend notwendig. Nun meldet sich aber eine Familie zu Wort und moniert: Die Kinder würden in einer Baustelle betreut. Untragbare Zustände oder lediglich vorübergehendes Übel?

Eines scheint in der Sache Kindergarten Hengstetter Steige sicher: Die Renovierung war überfällig. Das wurde nicht nur in den vorausgegangenen Sitzungen des Bau- und Umweltausschusses deutlich, in der das Thema disktuiert wurde, sondern wird auch von allen Seiten kommuniziert. Weit weniger Einigkeit herrscht hingegen zur Frage nach dem "Wie". Denn zumindest für eine Familie, die sich sich per E-Mail bei der Stadtverwaltung und dem Schwarzwälder Boten meldet, scheint der Ablauf der Renovierung eine Zumutung zu sein. "Es ist sehr erfreulich, dass der Kindergarten in der Hengstetter Steige derzeit in großem Umfang renoviert wird. Dies war mehr als nötig und das Ergebnis wird sicher toll werden", räumt die Verfasserin des Schreibens ein. Dann folgt das große "Aber": "Leider hat diese Woche der Kindergartenbetrieb nach dreiwöchiger Pause wieder angefangen und die Kinder müssen in einer Baustelle betreut werden", echauffiert sie sich. Es gebe keine funktionierende Heizung, die Fenster seien mit Brettern verschlossen und den Garten könnten die Kinder nur eingeschränkt nutzen. "Diesen Zustand finde ich untragbar", schreibt die Frau weiter. Sie stellt die Frage in den Raum, ob die einzelnen Gruppen nicht auf andere Einrichtungen verteilt oder Ersatzräumlichkeiten geschaffen werden müssten. "Die Bauarbeiten werden auf den Rücken der Kinder ausgetragen", schimpft sie. "Es ist untragbar und ein Beispiel für eine komplette Fehlplanung seitens der verantwortlichen Stellen."

Ralf Eggert: "Wir liegen im Zeitplan"

Diesem Vorwurf widerspricht Oberbürgermeister Ralf Eggert entschieden. "Es ist tatsächlich so, dass die Sanierung des Kindergartens nicht in drei Wochen Schließzeit zu schaffen ist. Die Sanierung jedes Kindergartens erstreckt sich naturgemäß über einen viel längeren Zeitraum", erklärt er. Die Heizung werde schon in wenigen Stunden in Betrieb gehen.

Und bei den Fenstern sei tatsächlich ein Fehler unterlaufen, für den aber lediglich der Glasproduzent verantwortlich sei. Dieser habe die Ware zu spät geliefert. Die Fenster würden aber kommenden Montag fertig gemacht. "Wir liegen trotz der verspäteten Glaslieferung im Zeitplan und wir können in den drei Wochen auch keine Generalsanierung durchführen, daher handelt es sich unserer Meinung nach auch um keine Fehlplanung. Es sind die unvermeidlichen Einschränkungen einer Generalsanierung, die wir gemeinsam bewältigen", betont der OB.

Von dem Vorschlag, die Kinder unterdessen in Gemeindehäusern unterzubringen, hält er herzlich wenig. "Die haben weder die sanitären Einrichtungen noch sind sie von der Ausstattung und der Belegung geeignet, den zwei Kindergartengruppen und der Krippe mit den Kleinkindern eine Betreuung zu ermöglichen." Ebensowenig gebe es in anderen Kindergärten Kapazitäten, die Kinder der drei Gruppen aufzunehmen. "Es dürfte kaum dem Elternwillen entsprechen, wenn ihre Kinder einzeln verteilt in völlig fremde Einrichtungen bei fremden Erzieherinnen und mit fremden Kindern betreut werden würden", vermutet Eggert.

Alles in allem: Es könne keine Rede davon sein, dass die Sanierung auf dem Rücken der Kinder ausgetragen werde, macht der OB deutlich.

Schon im Vorfeld der Arbeiten am Kindergarten Hengsteter Steige hatte es Hindernisse zu bewältigen gegeben. So hatte der einzige Anbieter für die Rohbauarbeiten, dessen Angebot beinahe doppelt so teuer war wie ursprünglich veranschlagt, sein Angebot kurzfristig zurückgezogen. Daher hatte sich der Ablauf der Sanierung verschoben. Weil aus dem Flachdach des Kindergartens ein Satteldach wird, erhöhten sich die Gesamtkosten der Sanierung auf rund 773  000 Euro.

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