Calws Oberbürgermeister Ralf Eggert (von links), CDU-Landtagsabgeordneter Thomas Blenke, KSK-Kommandeur Markus Kreitmayr, CDU-Bundestagsabgeordneter Hans-Joachim Fuchtel und Calws Landrat Helmut Riegger beim Neujahrsempfang. Foto: KSK Foto: Schwarzwälder Bote

Neujahrsempfang: Blick in die Zukunft

Beim in Calw stationierten Kommando Spezialkräfte (KSK) gibt es keinen Stillstand. Das zeigte sich einmal mehr beim Neujahrsempfang der Eliteeinheit. Und das wird in den kommenden Jahren so weitergehen – unter anderem mit Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe.

Calw. Das Kommando Spezialkräfte (KSK) ist in Calw verwurzelt – und das gerne. "Wir fühlen uns hier zu Hause und wir sind gerne Teil dieser Gesellschaft", bekräftigte KSK-Kommandeur Markus Kreitmayr, der im Dezember zum Brigadegeneral befördert wurde, in seiner Ansprache beim Neujahrsempfang der Eliteeinheit. Und würdigte, dass sowohl Bürger der Stadt als auch des Kreises hinter dem Verband stünden, ihm Vertrauen und Unterstützung entgegen bringen würden.

Wie sein Vorgänger, Generalmajor Alexander Sollfrank, musste aber auch Kreitmayr auf ein Jahr zurückblicken, das hinsichtlich der Berichterstattung nicht eines der besten gewesen sei – speziell für das KSK. Geschichten um kriminelle Vorgänge, wie der mutmaßlich von einem Soldaten auf einer Party gezeigte Hitlergruß oder Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern, hätten ein negatives Bild der Spezialeinheit gezeichnet. Der Kommandeur stellte dazu klar, dass solcherlei Verfehlungen im KSK keineswegs toleriert, sondern im Gegenteil umfassend untersucht und konsequent geahndet würden – sofern sie sich als richtig erwiesen. "Unrechtmäßig, unverhältnismäßig und auch schlicht ungerecht" seien dagegen Vorverurteilungen und die Verallgemeinerung auf alle Angehörigen der Spezialeinheit, so Kreitmayr. Sich sowohl im als auch außerhalb des Dienstes gesetzestreu, korrekt und vorbildlich zu verhalten, gebe nicht nur der Diensteid vor, es sei auch der Anspruch, den die Truppe an sich selbst richte, entsprechend der eigenen Werte und Traditionen.

"Wir leisten unseren Dienst für die Sicherheit der Bürger unseres Landes mit höchster Motivation, Ernsthaftigkeit und Professionalität", unterstrich der Kommandeur. Er zeigte sich überzeugt, dass die Bedeutung von Spezialkräften in Zukunft weiter zunehmen werde. Neben des unveränderten Kernauftrags der Geiselbefreiung im Ausland, leiste die Truppe auch künftig ihren Beitrag zur Bekämpfung von Terrorismus und bei der Ausbildung der Sicherheitsorgane von Partnerländern. Darüber hinaus werde auch die Rolle von Spezialkräften in Sachen Landes- und Bündnisverteidigung zunehmend in den Fokus rücken. Insgesamt wolle das KSK somit seiner Rolle als Risikominimierer gerecht werden.

Geschichte dokumentiert

Dass die Spezialeinheit dazu auch in der Lage sei, sei unstrittig. Allerdings müssten die Voraussetzungen dafür – wie geeignete Ausrüstung, geeignetes Personal und eine hochwertige Ausbildung sowie die Möglichkeiten dazu – auch weiterhin erhalten und ausgebaut werden. In diesem Jahr werde diesbezüglich die brandneue multifunktionale Trainingshalle in Betrieb genommen – und auch der jüngst nach Calw transportierte, nicht mehr flugfähige Airbus A 320 werde die Ausbildung effektiv ergänzen.

Neuigkeiten gab Kreitmayr auch in anderer Hinsicht bekannt. So werde seit 2018 die Geschichte des KSK aufgearbeitet und dokumentiert. Im Laufe des Jahres soll daraus eine Ausstellung auf dem Kasernengelände entstehen, in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in Potsdam und dem militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden. Den dazugehörigen "Flur der Geschichte" durften die Gäste des Neujahrsempfangs bereits in Augenschein nehmen.

Wie sehr die Spezialeinheit im Kreis Calw geschätzt wird, zeigten sowohl die Grußworte des Calwer Landrats Helmut Riegger als auch des Bundestagsabgeordneten Hans-Joachim Fuchtel (beide CDU).

Riegger sprach von einem "beeindruckenden Bild" angesichts der enormen Gästeanzahl. Diese zeige, dass die Bundeswehr, und in Calw insbesondere das KSK, "in der Mitte der Gesellschaft ist und da auch hingehört". Die verdiente Anerkennung für die geheimen Einsätze bleibe dagegen ebenso im Verborgenen wie diese Einsätze selbst. Und Konfliktfelder gebe es mehr als genug – vom weltweit wieder immer mehr aufkeimenden Nationalismus, über Terror bis hin zu den gefährlichen Situationen in Syrien oder der Ukraine. "Das sind Konflikte, die vor der Haustür sind", so Riegger. Man könne froh sein, in einem demokratischen Rechtsstaat zu leben, den man sich seit dem Zweiten Weltkrieg hart erarbeitet habe. Zurzeit lebe man "fast auf Wolke sieben". Man müsse aber auch etwas dafür tun, dass es so bleibe. Auch deshalb sei die Bundeswehr so wichtig.

"Wir stehen zum KSK", bekräftigte der Landrat. Nicht zuletzt sei die Eliteeinheit auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Und: "Wir tun auch etwas für diesen Standort", betonte Riegger mit Blick auf die geplanten Infrastrukturprojekte Hesse-Bahn und Krankenhaus mit Gesundheitscampus.

Fuchtel wartete in seiner Ansprache mit beeindruckenden Zahlen auf: Rund 106 Millionen Euro werde der Bund in den kommenden fünf Jahren in die Liegenschaften des KSK investieren, unter anderem in Immobilien. "Und wir haben natürlich auch dauerhafte Unterhaltungskosten", so der Abgeordnete, die hinzukommen würden. Investitionen, die nötig seien – denn die Bundeswehr müsse als "feste Säule der Sicherheit" und der Demokratie betrachtet werden, die beitrage, Frieden und Freiheit zu erhalten. In einer Demokratie müsse man auch sichtbar wehrhaft sein. Und auf die Spezialeinheit dürfe man ohnehin getrost stolz sein. Denn: "Sie glauben gar nicht, wie oft ich schon im positiven Sinn auf das KSK angesprochen worden bin", erzählte Fuchtel. In den vergangenen Jahren sei er in mehr als 45 Ländern unterwegs gewesen. Die Elitetruppe genieße weltweit einen guten Ruf.

Das bei Haiterbach geplante Absetzgelände für Fallschirmspringer des Kommando Spezialkräfte (KSK) ist seit längerem umstritten. Sowohl Calws Landrat Helmut Riegger als auch der Bundestagsabgeordnete Hans-Joachim Fuchtel (beide CDU) sprachen sich beim Neujahrsempfang des Kommando Spezialkräfte nun deutlich dafür aus.

Riegger erklärte, es stehe außer Frage, dass ein Ersatzgelände benötigt werde – und er wolle in der Bevölkerung um Verständnis dafür werben. Ohnehin sei es schwer nachvollziehbar, dass man nur so lange hinter der Bundeswehr und deren wichtiger Aufgabe stehe, bis "es vor der Haustür etwas lauter wird", so der Landrat.

Und auch für Fuchtel war klar, dass die Spezialeinheit einen Platz zum Trainieren brauche – und zwar in der Nähe der Calwer Kaserne. Die Soldaten, so der Bundestagsabgeordnete, könnten schließlich "nicht bis Honolulu fahren". Fuchtel mahnte zudem eine sachliche Diskussion an. Das Verfahren stehe erst am Anfang, noch würden Voraussetzungen geprüft und Fakten abgewogen. Außerdem werde auch nicht Tag und Nacht geflogen, wie es seit einiger Zeit heiße.

Seit der bisherige Trainingsplatz bei Malmsheim an die Firma Bosch verkauft wurde, ist das Land gefordert, eine Ausgleichsfläche zu finden. Eine Auswahlkommission hat hierbei aus einer großen Anzahl von Flächen Haiterbach ausgewählt – unter anderem aus Sicherheitsgründen.

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