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Calw Begleiter durch den Informations-Dschungel

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Landrat Helmut Riegger richtete sich mit ermutigenden Worten an die Zuhörer.Screenshot: Rousek Foto: Schwarzwälder Bote

Wo bekommen Unternehmer, deren Betrieb wegen Corona brach liegt, Hilfe? Und wie bereiten sich Tourismusbetriebe auf das Ende der Corona-Krise vor? Fragen, die jüngst in einem Webinar unter dem Titel "Herausforderung Corona für die Wirtschaft im Landkreis Calw" behandelt wurden.

Kreis Calw. "Außergewöhnliche Zeit, außergewöhnliche Meetings" – mit diesen Worten leitet Landrat Helmut Riegger das Webinar über die wirtschaftlichen Herausforderungen, vor die Betriebe durch das Coronavirus gestellt werden, ein. "Wir stellen uns dieser Herausforderung", betont er. Es sei ihm – neben dem Kümmern um die Kranken – auch ein großes Anliegen, Existenzen sowie Arbeitsplätze zu sichern.

Dabei stellen sich den Unternehmen aber zahlreiche Fragen. Einen Überblick zu bekommen ist schwer. Darum habe der Landkreis gemeinsam mit der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Nordschwarzwald eine Liste an Themen herausgearbeitet, zu denen im Webinar Experten verschiedener Institutionen zu Wort kommen. Das Ziel: Struktur und einen Überblick über Hilfsangebote geben. "Und eine positive Perspektive bieten", meint Riegger. Dazu brauche es laut Martina Lehmann, Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim, allen voran zwei Dinge: Transparenz und Vertrauen in die Entscheidungsträger.

Kurzarbeit

"Wir bei der Agentur für Arbeit haben einen klaren und alternativlosen Fokus", betont Lehmann. Kurzarbeitergeld zu bewilligen. Denn das schlage die Brücke in bessere Zeiten. Schon rund 4000 Betriebe haben seit Beginn der Corona-Krise Kurzarbeit angezeigt. Zum Vergleich: Im gesamten Vorjahr waren es lediglich 172 im Agenturbezirk Nagold-Pforzheim, wie auf der Homepage der Agentur zu lesen ist.

Weil Kurzarbeit für viele Unternehmen die einzige Möglichkeit sei, ihre Mitarbeiter zu halten, habe die Agentur etliche Erleichterungen im Hinblick auf das Kurzarbeitergeld erreicht, erklärt Werner Hess, Teamleiter Arbeitgeberservice bei der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim. So gebe man sich Mühe, es möglichst schnell zu bewilligen. Jedoch: Betriebe müssten damit rechnen, dass – wenn die Krise vorbei ist – stichprobenartig geprüft werde, ob die Angaben auch stimmen. Während die Begründung, warum ein Betrieb Kurzarbeit anzeigt, beispielsweise bei Friseursalons ganz klar ist, schaue man bei anderen Unternehmen schon genauer hin, meint Hess. Teilweise gebe es auch Alternativen wie zum Beispiel den Abbau von Urlaub oder Überstunden.

Grundsätzlich bestehe die Möglichkeit, für den gesamten Betrieb Kurzarbeit anzuzeigen, oder nur für einzelne Abteilungen. In jedem Fall aber gilt: Arbeitszeitnachweise seien dringend erforderlich, betont der Teamleiter. Ebenso sei es nötig, dass vor dem Beginn der Kurzarbeit Alturlaub abgebaut werde. "Man muss die Mitarbeiter mitnehmen", stellt Hess klar. Hat eine Firma nämlich keinen Betriebsrat, muss jeder einzelne zustimmen. "Ohne sie geht es nicht."

Zur Berechnung des Kurzarbeitergeldes hatte Hess noch einen Hinweis: Bekommt ein Mitarbeiter sozialversicherungspflichtige Zulagen, beispielsweise Gefahrenzulagen, werden diese auf das Kurzarbeitergeld angerechnet. Dieses fällt also höher aus. Nicht sozialversicherungspflichtige Zulagen, wie in manchen Fällen bei der Dauernachtschicht, hingegen werden nicht angerechnet. Das gelte es zu beachten, meint Hess.

Und wie sieht es mit dem Einstellen neuer Mitarbeiter während der Kurzarbeit aus? Grundsätzlich sei das möglich, erläutert der Vertreter der Agentur für Arbeit. Ein Betrieb müsse aber gut begründen können, warum das nötig ist. Schließlich bedeute Kurzarbeit, es ist weniger zu tun. Warum also neue Mitarbeiter?

Soforthilfe

Nur wenige Tage, nachdem das Soforthilfepaket vom Bund geschnürt war, sehen die Zahlen schon beachtlich aus: Carl Christian Hirsch, Leiter der IHK-Geschäftsstelle Nagold, spricht von 10 000 Anträge nur im Bereich der IHK Nordschwarzwald. 95 Prozent davon seien bereits bearbeitet.

Die Aufgabe der IHK bestehe grundsätzlich darin, die Anträge auf Vollständigkeit und auf Plausibilität zu prüfen. Fällt das Urteil positiv aus, werden sie an die L-Bank weitergeleitet, die für Bewilligung sowie Zuschuss zuständig ist. Der Antrag ist auf der Homepage der IHK Nordschwarzwald zu finden. Herunterladen, ausfüllen, wegschicken – "ab da läuft alles digitalisiert ab", meint Hirsch. Die Soforthilfe, die nach Anzahl der Mitarbeiter gestaffelt ist und bei maximal 30 000 Euro liegt, sei nicht mit einer Entschädigung zu verwechseln, betont er. Die Soforthilfe sei für Engpässe gedacht – ­also wenn die Kosten nicht mehr gedeckt werden ­können.

Entschädigung

Eine Entschädigung bekommen Unternehmer nur dann, wenn sie ihre Betriebe auf eine behördliche Anordnung hin schließen mussten. Das erklärt Tobias Haußmann, Wirtschaftsförderer des Landkreises Calw. Den Antrag dazu gibt es auf der Homepage des Landkreises. "Wir versuchen unbürokratisch zu helfen", meint er. "Kommen Sie auf uns zu."

Stundung

"Die Liquidität steht an erster Stelle", sagt Ulrich Kallfass, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Rechtsbeistand. Gegebenenfalls müsse man, um diese zu gewährleisten, Steuerstundungen beantragen. Zunächst sei dies ohne größere Hürden für drei Monate möglich. Später könne man das immer noch für das ganze Jahr 2020 beantragen, müsse dann aber eine ausführliche Begründung abliefern. Wichtig sei auch, die Steuerbemessungsgrenzen herabsetzen zu lassen – möglichst für das ganze Jahr, rät Kallfass. Für Stundungen würden keine Zinsen fällig.

Kredite

Massenhaft Anfragen erreichen auch die Sparkasse Pforzheim Calw, wie Hans Neuweiler, stellvertretender Vorstandsvorsitzender, berichtet. Mehr als 1500 an der Zahl seien es bereits. Neuweiler stellt zwei neue Kredit-Möglichkeiten vor. Zum einen gebe es einen KfW-Schnellkredit für Unternehmen ab 50 Mitarbeitern, zum anderen Kredite der L-Bank, jeweils in Höhe von mehreren Monatsumsätzen. Ersterer biete laut Neuweiler den Vorteil, dass die Kredite zinsgünstiger seien als die der L-Bank. Jedoch seien die Laufzeiten bei der L-Bank deutlich länger. Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende rät in jedem Fall dazu, sich an einen Berater zu wenden. "Durch diesen Dschungel der Möglichkeiten kann man sich kaum alleine zurechtfinden." Darüber hinaus gebe es ständig Neuerungen. "Niemand weiß, wie lange die Situation andauert", meint Neuweiler. Aber mit zwei bis drei Monaten müsse man seines Erachtens rechnen. Und auch dann werde der Hebel nicht einfach umgelegt.

Informationen

War es bis vor Kurzem noch der Fachkräftemangel, der Jochen Protzer, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Nordschwarzwald, auf Trab hielt, so sind er und seine Mannschaft nun im absoluten Corona-Krisenmodus. "Wir informieren, kümmern und beraten", meint er. Dazu gehöre auch, die "Überflut" an Informationen zu gliedern und den Akteuren zur Verfügung zu stellen. Das Angebot an Webinaren wie dieses sei ausgebaut worden, ebenso sollen die Regionalkonferenzen weiterhin virtuell stattfinden. Auf der Webseite der Wirtschaftsförderungsgesellchaft werden Besucher neuerdings vom digitalen Assistenten Kai begrüßt. Ein kleines Vögelchen, mit dem man chatten und sprechen kann. "Die Beratung über viele Kanäle ist besonders wichtig", weiß Protzer. Nur so könne man sich auch auf die Zeit danach vorbereiten. "Bleiben Sie zuversichtlich", ruft er auf.

Marketing

Für die Tourismusbranche ist die Corona-Krise hart. Und damit für die gesamte Wirtschaft im Kreis Calw, denn der Tourismus ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, sagt René Skiba, Geschäftsführer der Tourismus GmbH Nördlicher Schwarzwald. Die Corona-Krise hat seine Vorgehensweise stark verändert: "Wir haben das Thema Marketing schnell zurückgefahren und dafür mehr Kommunikation betrieben", erklärt er. Die Tourismus GmbH sehe sich derzeit als "Kommunikationsdrehscheibe", wo Infos aus allen möglichen Bereichen gesammelt und an Gastgeber verteilt werden. "Wir treten auch mit Gästen in Dialog." In der Phase zwei gehe es darum, weiterhin das Interesse der potenziellen Gäste zu wecken – zum Beispiel mit virtuellen Rundgängen. Das sei momentan wichtiger als Marketing "für jetzt" zu betreiben. Werbung für einen Gastronomiebetrieb, der geschlossen hat, sei freilich hinfällig.

Phase drei: "Wir müssen uns vorbereiten für danach", ist Skiba überzeugt. Die Zeit jetzt nutzen, um Ideen zu sammeln, um Input zu generieren, um am Tag X wieder die volle Qualität gewährleisten zu können.

Hat man als Grundversorger oder kleiner Gastronomiebetrieb wieder Luft, um an Investitionen zu denken, dürfe man das Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum nicht vergessen, meint Janina Müssle, Europa, ELR und Kreisentwicklung im Landratsamt Calw. Die entsprechende Förderung könne gerade in der Zeit nach Corona attraktiv sein.

Schlussworte

Nach rund eineinhalb Stunden Webinar meldet sich erneut Landrat Riegger zu Wort. "Wir haben schon viele Krisen überstanden", meint er. Ebenso werde man diese überstehen. Unternehmer sollten die Angebote nutzen. "Halten Sie durch", richtete sich Riegger direkt an die Zuhörer. "Ihr baden-württembergischer Unternehmergeist wird Ihnen helfen."

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