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Calw Beethoven entfaltet seinen ungezügelten Gefühlskosmos

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Beim Sommerkonzert in der Calwer Stadtkirche überzeugten alle Mitwirkenden. Foto: Tröger Foto: Schwarzwälder-Bote

Calw. Großen Anklang fand das Sommerkonzert der Kammersinfonie Calw und der Chöre an der Stadtkirche Calw. Ein kon­trastreiches Programm kam zur Aufführung, an dessen Anfang das Allegro Molto aus der Sinfonietta für zehn Bläser op. 188 des vergessenen romantischen Komponisten Joachim Raff stand.

Raff wiederentdeckt

Der 1822 in der Schweiz geborene Raff brachte sich das Klavier-, Orgel- und Violinspiel selbst bei. Seine ersten, von Felix Mendelssohn Bartholdy sehr positiv beurteilten Klavierkompositionen, veranlassten ihn, freischaffender Musiker zu werden, allerdings zunächst ohne Erfolg. Erst in den 1850er-Jahren schaffte er in Wiesbaden den Durchbruch mit seiner ersten Sinfonie. Seine Werke verbreiteten sich in ganz Europa bis in die USA.

Nach seinem Tod 1882 verblasste der Ruhm schnell, und so gilt es heute, den in den 1870er-Jahren meistaufgeführten Symphoniker wiederzuentdecken.

Dem klassischen Bläseroktett aus je zwei Oboen, Klarinetten, Hörnern und Fagotten fügte Raff in seiner Sinfonietta zwei Flöten hinzu. Das Allegro molto ist der zweite Satz in schwingendem Sechsachteltakt und der Höhepunkt des Werks. Neben dem knappen Hauptthema gibt das schöne lyrische Seitenthema den Ton an, was die zehn Bläser der Calwer Kammersinfonie eindrücklich umsetzten.

Mit Antonin Dvoraks Serenade in E-Dur für Streichorchester op. 22 traten die Streicher der Kammersinfonie auf den Plan. Unter der Leitung von Bezirkskantor Martin W. Hagner füllten sie den Kirchenraum mit jubelndem Schwung, mit Verspieltheit, Zärtlichkeit und fröhlich-tänzelnden Klängen. Der erste Satz verbreitet eine idyllisch-romantische Stimmung, die im zweiten Satz in eine wiegende Bewegung und leise Melancholie übergeht. Der dritte Satz steigert die Beschleunigung und setzt ganz auf die rhythmische Komponente.

Höhepunkt der Serenade ist zweifellos der langsame vierte Satz, einer der innigsten der gesamten Romantik, der mit einer Akkordfolge von entwaffnender Schönheit beginnt. Im Finale hat Dvorak die Themen der vorangegangenen Sätze zusammengengefasst, und das Werk nimmt mit einer kurzen Erinnerung an den ersten Satz eine zyklische Wendung.

Unter die Haut

Der musikalische und auch optische Höhepunkt des Konzerts war die Messe in C-Dur op. 86 für Soli, Chor und Orchester. Der Raum zwischen Altar und Kirchenbänken fasste kaum die große Zahl der Musiker und Sänger, die einen gewaltigen "Klangkörper" bildeten. Beethoven schrieb dieses unter die Haut gehende Werk 1807, als er schon fast taub war als Auftragsarbeit für Fürst Nikolaus II. Esterházy.

Er war sich der Andersartigkeit seiner Messe wohl bewusst, schrieb er doch an seinen Verleger Härtel, dass er den Text auf eine Art vertont habe, "wie er noch wenig behandelt worden" war. Neu war etwa der fast instrumentale Einsatz der Singstimmen. "Beethoven bricht das tradierte Schema von geschlossenen Solopassagen und Chören auf und bettet stattdessen Chor und Solisten-Quartett in einer Art wechselseitigem Dialog die ganze Messe über in den Fluss der Musik", schreibt Andreas Meyer in einer Werkinfo.

Zwischen den verhaltenen ersten Takten des Kyrie und dem friedlich ausklingenden, auf sonderbar gefasste Art befreiten Agnus Dei zum Schluss entfaltet Beethoven seinen ungezügelten Gefühlskosmos. Diesen belegen das kraftvoll-zupackende Gloria und ebenso das in seinem vorwärtsstürmenden Furor nicht zu bändigende Credo, das mittendrin eine überaus zarte Musik enthält. Das Sanctus beginnt ganz feierlich, geht über in quirlige Tonfolgen, bevor das Solistenquartett einsetzt und die Solosänger den Dialog mit dem Chor aufnehmen. Martin W. Hagner führte Chor, Orchester und die Solisten Leonie Zehle (Sopran), Sarah-Lena Eitrich (Alt), Raoul Bumiller (Tenor) und Philipp Niederberger (Bass) mit großem Einsatz sicher und punktiert-fordernd durch das Programm und der nicht enden wollende Schlussapplaus des begeisterten, vom Gehörten noch ganz erfüllten Publikums belohnte die Akteure für ihre großartige Darbietung.

 
 

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