Bahnchef Rüdiger Grube hatte zwar viel zu sagen, wirklich Neues hörten die Besucher aber nicht. Foto: Fritsch

Rüdiger Grube informiert in Stammheimer Gemeindehalle über S 21 / Kritische Nachfragen von Projektgegnern

Calw-Stammheim - Das Interesse am umstrittenen Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 ist auch im Nordschwarzwald groß. Das zeigten fast 600 Zuhörer bei einer Informationsveranstaltung mit Bahnchef Rüdiger Grube in der Stammheimer Gemeindehalle. Wirklich Neues gab es dabei indes nicht zu erfahren.

Eigentlich war es für Grube ein Heimspiel. Der oberste Bahn-Manager löste mit seinem Auftritt ein Versprechen ein, das er der "Initiative Nordschwarzwald Pro 21" bei einem früheren Treffen gegeben hatte (wir berichteten): Wenn diese einen Diskussionsabend organisiere, werde er persönlich kommen.

Eine spürbare Mehrheit des Publikums war positiv für Grube eingenommen. Trotzdem hatte er keinen ganz leichten Stand: Nach seinem Leitreferat "Stuttgart 21 – Chance für unser Land" waren es mehrheitlich Projektgegner, die sich mit kritischen Nachfragen zu Wort meldeten.

Als "Propagandaschau für die konservative Mehrheit im Land" kanzelte beispielsweise ein Zuhörer die Veranstaltung ab. Er hätte es fair gefunden, wenn ein Ingenieur die Vorteile des Gegenentwurfs "Kopfbahnhof 21" hätte erläutern können.

"Jede Frage ist erlaubt und hat auch eine gute Antwort verdient", hatte Grube eingangs versprochen. "K 21 ist keine echte Alternative", führte er deshalb aus. Und die Auswahl des Gesprächspartners lag allein bei Pro 21.

Wortwechsel werdenbisweilen auchetwas lauter geführt

Auch wenn die Wortwechsel zwischen Bahnchef und Diskussionsteilnehmern bisweilen etwas lauter wurden, bemühte Grube sich um Sachlichkeit und ging auf die teils emotionalen Wortbeiträge mit Fakten ein: "Ich habe überhaupt nichts gegen Kritiker. Demokratie lebt davon, dass es unterschiedliche Meinungen gibt."

Eine Zuhörerfrage brachte das Thema auf die regionale Ebene: "Wie stehen Sie zu Calw 21?" Diese auf die mögliche Reaktivierung der Anbindung nach Weil der Stadt zielende Bitte um Stellungnahme musste Grube mit einem Bedauern kommentieren: "Wir würden uns auch freuen, wenn Calw an die S-Bahn angeschlossen würde. Aber den Auftrag dazu vergibt nicht die Deutsche Bahn."

Zwei Dinge hat die Veranstaltung gezeigt: Die Fronten zwischen Befürwortern und Gegnern sind auch im Nordschwarzwald verhärtet.Und beide Parteien sind gleichermaßen mit Argumenten gerüstet, die mittlerweile hinlänglich bekannt sind.

Dennoch ist ein sachlicher Umgang miteinander möglich: Die rund 150 Polizisten und Ordner, die während der Veranstaltung in und um die Halle in Stammheim eingesetzt waren, hatten einen ruhigen Abend.

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